Der Hitzesommer setzte Europas Bauern massiv zu. Vor allem Gemüsebauern und Viehzüchter sind betroffen. EU-Politiker fordern Versicherungsschutz gegen Ernteausfälle.

EU-Agrarkommissar Christophe Hansen schätzt die Schäden durch Hitze, Dürre und Brände für den vergangenen Hitzesommer auf 14 bis 17 Milliarden Euro. Genauere Zahlen könne er erst nach der Ernte mitteilen. So sei wegen der Trockenheit zu wenig Gras gewachsen. Die Landwirte seien die ersten Opfer des Klimawandels. Der Klimawandel sei ein Faktum und er werde bleiben.
Hansen sprach sich für mehr Investitionen in die umstrittene Wasserspeicherung aus. Der forciert vorangetriebene Bau von künstlichen Becken für Agrarwasser hatte jedoch in Frankreich vor Jahren zu teilweise gewaltsamen Massendemonstrationen geführt. Hansen plädierte allerdings auch für präzises und sparsames Bewässern. Darüber hinaus befürwortete der Agrarkommissar eine Versicherungspflicht für Landwirte. Bislang sind nur zwölf Prozent der agrarischen Erzeugung gegen Wetter- und Klimaschäden versichert.
Halb so viel Champagner
Die Schäden durch den Hitzesommer sind beachtlich. In Gebieten wie Südwestdeutschland fiel zwischen Juni und August 45 Prozent weniger Regen als gewohnt. Es war in der Region der zweittrockenste Sommer seit 1961. Im September sanken die Niederschläge sogar um 70 Prozent. Infolgedessen gingen die Ernten bei Mais und Grünland um etwa die Hälfte zurück.
Ähnlich war war Frankreich betroffen. Hier gingen die Niederschläge im Schnitt landesweit um 40 Prozent zurück. Dort litten vor allem die Gemüsebauern im Westen. Die Artischocken-Ernte fiel ganz aus, bei Brokkoli betrugen die Verluste weit über 50 Prozent, bei Erbsen 60 Prozent. Aber auch die Liebhaber von Champagner müssen sich auf Knappheit und steigenden Preise einstellen. Die Ernte im Champagner-Gebiet dürfte in diesem Jahr nur halb so ertragreich sein wie im Vorjahr.
Hitzesommer schadet Viehbauern
Auch die Heuernte erbrachte in Frankreich deutlich weniger Ertrag als gewöhnlich. Ende Juli lag das summierte Wachstum der Weiden und Mähwiesen 30 Prozent unter dem langjährigen Schnitt. Viele Bauern werden zukaufen müssen, um ihre Tiere über den Winter zu bringen. Die Viehhalter fragen sich, wie sie ihre Herden über den Winter bringen. Denn ein Rind frisst bis zu sechs Tonnen Trockenmasse im Jahr. Wenn die Bauern die Hälfte davon zukaufen müssen zum Preis von bis zu 130 Euro pro Tonne, haben sie Mehrkosten von 400 Euro pro Tier. Bei rund zehn Millionen Rindern frankreichweit kommt eine Summe bis zu vier Milliarden Euro zusammen, rechnet die führende französische Tageszeitung Le Monde vor. Viele Bauernhöfe werden die zusätzliche Last durch den Hitzesommer nicht überstehen.
Hämische Kommentare
Bemerkenswert ist die Reaktion im Netz auf die Berichterstattung zu den Verlautbarungen von Agrarkommissar Hansen. So finden sich auf der Website des Wochenblatts Die Zeit fast ausschließlich agrarkritische Bemerkungen. Die Kommentatoren verweisen auf den erhöhten Anteil von Wählern rechtsextremer Parteien unter den Bauern; sie kritisieren die Versuche von Bauernverbänden, die Ziele zur Reduktion von Treibhausgasen zu unterlaufen. Ein Leser schreibt, die Bauern seien nicht nur die ersten Opfer (des Klimawandels), sondern auch die ersten Täter. Und viele Kommentatoren verweisen auf die Umweltschäden durch die industrielle Landwirtschaft. Deren Folgekosten – so ein Kommentar – betrügen bis zu 182 Milliarden Euro jährlich. Tenor der Anmerkungen: Wer – wie die Landwirte – Umwelt und Klima zerstört und Milliarden an Subventionen kassiert, soll nicht jammern, wenn die Sommer zu heiß und zu trocken ausfallen.


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