Im Check (1): Stimmt es, dass erneuerbare Energien teurer sind als fossile und Jobs sowie Wohlstand kosten?

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Die Berliner Denkfabrik Energy Watch Group hat überprüft, was an den Behauptungen der Energiewende-Gegner dran ist. Greenspotting veröffentlicht die Ergebnisse exklusiv. In der ersten Folge geht es um die Behauptung, erneuerbare Energie seien teurer als fossile und kosteten Jobs und Wohlstand.

Solaranlage auf freier Fläche: Strom aus erneuerbaren Energien kostgünstiger als aus fossilen Kraftwerken (Foto: Rabenspiegel /pixabay)
Solaranlage auf freier Fläche: Strom aus erneuerbaren Energien kostgünstiger als aus fossilen Kraftwerken (Foto: Rabenspiegel /pixabay)

Kaum ein Monat vergeht, in dem Gegner der Energiewende nicht mit Behauptungen aufwarten, um den Ausbau der erneuerbaren Energien kritisieren. Die Berliner Denkfabrik Energy Watch Group hat deshalb überprüft, was an den Aussagen dran ist. Greenspotting veröffentlicht den Check exklusiv. In der ersten Folge geht es um die

BEHAUPTUNG: Erneuerbare Energie sind teurer als fossile, ihr Ausbau kostet Wohlstand und Arbeitsplätze.

ZUTREFFEND IST JEDOCH: Der Weg zu 100 Prozent erneuerbare Energien entlastet Bürger, Unternehmen und öffentliche Hand um gut 100 Milliarden Euro pro Jahr1 und schafft bis zu einer Million neue Arbeitsplätze2. Dies ist weitaus mehr als in Kohlebergbau, Öl-Raffinerien und so weiter verloren gehen.
Die Energiewende sichert zudem die 400 000 Arbeitsplätze3 in der deutschen Erneuerbare-Energien-Branche. Prognosen gehen von einer Verdreifachung dieses globalen Zukunftsmarktes bis 2035 aus.4 Dazu kommen Arbeitsplätze in energetischer Gebäudesanierung, Elektromobilität und Clean Tech für Industrieprozesse.

Die Fakten

Fossile Energiekrisen erhöhen die Kosten der Energieversorgung. Die Energiepreiskrise 2022/23 nach dem russischen Ukrainekrieg und die aktuelle Energiekrise in Folge des Irankriegs sind von den Preissprüngen fossiler Energien verursacht. Dies führt zu sprunghaften Kostenbelastungen für die Gesamtwirtschaft, schwächt die Konjunktur deutlich und heizt die Inflation an5. Je höher der Anteil heimischer erneuerbarer Energien am Strommix ist, desto besser sind deutsche Bürger und Unternehmen vor
diesen Belastungen geschützt. Der Import fossiler Importe kostet Deutschland derzeit 85 Milliarden Euro pro Jahr6. Das sind nur die reinen Importwerte. Dazu kommen noch Subventionen für fossile Energien im Inland. Diese Importe machen Deutschland abhängig, finanzieren Kriege, stärken die Herrschaft von Autokraten weltweit und treiben staatliche wie private Schulden nach oben. Mit der Umstellung auf Erneuerbare bleibt das Geld im Land. Die Flächen dazu hat Deutschland. Das erzeugt einen kontinuierlichen Konjunkturschub von gut 100 Milliarden Euro pro Jahr7 und stärkt Deutschlands Sicherheit und Unabhängigkeit4. Die Gesamtkosten (Investition plus laufende Kosten) für erneuerbare Stromerzeugung, Elektro-Kfz bzw. Wärmepumpen sind in aller Regel niedriger als für Kohle- und Erdgaskraftwerke, Verbrenner-Kfz beziehungweise fossile Heizungen.

Die Kosten der Stromversorgung sinken. Gut 80 Prozent8 des heutigen deutschen Strombedarfs sind mit Wind- und Solarstrom für fünf bis sechs Cent pro Kilowattstunde9 abdeckbar und damit weit günstiger als mit fossilen Kraftwerken10. Je schneller Deutschland von heute 50 Prozent Wind- und Solarstrom auf 80 Prozent kommt, desto günstiger wird der Strom.11 Das gilt auch europaweit.12 Nur für die anderen 20 Prozent des Strombedarfs braucht man steuerbare Stromquellen. Das sind vor allem Stromspeicher und -importe sowie Biogas- und grüne Wasserstoffkraftwerke. Auch mit diesen steuerbaren Stromquellen kostet ein erneuerbares Stromsystem über den Lebenszyklus weniger als ein fossiles.

Die Elektrifizierung senkt die Kosten des Verkehrs. Elektrofahrzeuge sind mittlerweile alltagstauglich und im Lebenszyklus günstiger als Verbrenner-Autos. Die Umstellung auf E-Fahrzeuge entlastet deutsche Bürger und Unternehmen um rund 22 Milliarden Euro pro Jahr.13 Zudem ist in der Brancheglobal anerkannt, dass die Zukunft des Kraftfahrzeugs ganz überwiegend elektrisch ist.vSehr teuer wäre die Umstellung auf Verbrenner-Kfz mit grünem Wasserstoff und eFuels.14 Das ist außer in Nischen für ein erneuerbares Energiesystem auch nicht notwendig.

Bei der Heizung von Gebäuden sind Wärmepumpen im Lebenszyklus im Neubau schon günstiger und in Bestandsgebäuden meist nicht teurer als Öl- und Gasheizungen. Wärmepumpen sind mittlerweile bei etwa 50 Prozent der Bestandsgebäude ohne und bei weiteren 30 Prozent mit wenig extra Dämmung oder Austausch einzelner Heizkörper leistbar.15 Nur in Ausnahmen ist das wesentlich teurere Heizen mit grünem Wasserstoff oder Bio-Methan sinnvoll.16 Zehn Prozent Beimischung von Biomethan bedeutet zudem Bestandsschutz für 90 Prozent Erdgas und Erdöl in der Gebäudewärme. Lediglich bei der industriellen Prozesswärme ist die Umstellung auf Erneuerbare oft noch kostensteigernd. In diesen Fällen brauchen Industrieunternehmen mit energieintensiven Prozessen im globalen Wettbewerb eine Energiepreis-Subvention17, um sie im Land zu halten. 5

Von Hartmut Fischer und David Goeßmann

Quellen:
1 Roadmap CO2-neutrales Deutschland, Energy Watch Group, 2024
2 S. 9, Roadmap CO2-neutrales Deutschland, Energy Watch Group, 2024
3 Bruttobeschäftigung durch erneuerbare Energien, Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz, 2023.
4 Energy Technology Perspectives 2024, iea, 2024
5 Energiekrise 2022: Gaspreis treibt Strompreis auf Rekordwerte, EWI, 2022
Nimmt die Inflation wieder Fahrt auf?, Tagesschau, 11.03.2026
6 Werte für 2023, Importe abzgl. Exporte, Deutschland: Export und Import, Bundeszentrale für politische Bildung, 2024
7 S. 4-6, Roadmap CO2-neutrales Deutschland, Energy Watch Group, 2024
8 S. 18, Diagramm zu O45-Strom, LANGFRISTSZENARIEN FÜR DIE TRANSFORMATION DES
ENERGIESYSTEMS IN DEUTSCHLAND, Fraunhofer ISI u.a. im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, 2024
9 Mittelwert von 5,0 Cent/kWh bei den Zuschlägen zum Gebotstermin 01.12.2025 für Freiflächen-Photovoltaik, Bundesnetzagentur, 2026. Mittelwert von 6,06 Cent/kWh bei den Zuschlägen zum Gebotstermin 01.11.2025 für Wind an Land, Bundesnetzagentur, 2026
10 Eigene Auswertung der viertelstündlichen Mengen und Preise an der Strombörse 2025 laut Bundesnetzagentur. Zu den Zeiten der Stromerzeugung aus Wind und Solarenergie kostete der Strom durchschnittlich 6,7 Cent/kWh. Zu den Zeiten der Stromerzeugung aus Kohle- und Erdgaskraftwerken kostete der Strom durchschnittlich 10,9 Cent/kWh – also etwa 60% mehr.
11 Eigene Auswertung der viertelstündlichen Mengen und Preise an der Strombörse 2025 laut Bundesnetzagentur. Zu den Zeiten der Stromerzeugung aus Kohle- und Erdgaskraftwerken kostete der Strom durchschnittlich 10,9 Cent/kWh – also etwa 60% mehr. Das heißt auch: je mehr Wind- und PV-Strom eingebracht wird, desto öfter liegen die Strompreise im niedrigen Wind- und PV-Bereich. Dies gilt bis zu den gut 80% des Strombedarfs, die mit Wind und Solarenergie in Deutschland abdeckbar sind (siehe auch Endnote 6). Die betriebswirtschaftlichen Lebenszykluskosten fossiler Stromerzeugung liegen noch darüber. Siehe dazu S. 2, Stromgestehungskosten erneuerbare Energien, Fraunhofer ISE, 2024
12 Für 2021-2023 100 Milliarden Euro an Stromkosten, How much money are European consumers saving thanks to renewables?, International Energy Agency (iea), 2023,
13 Kraftstoffeinsparungen von 46 Mrd. € pro Jahr abzüglich der Annuität für die Zusatzinvestitionen für Elektrofahrzeuge von 19 Mrd. € pro Jahr und für die Ladeinfrastruktur von 5 Mrd. € pro Jahr. Siehe S. 56 und 57, Roadmap CO2-neutrales Deutschland, Fischer, 2024
14 Siehe S. 50-52, Roadmap CO2-neutrales Deutschland, Fischer, 2024
15 S. 1, Lösungsoptionen für Wärmepumpen in Bestandsgebäuden, Umweltbundesamt, 2023
16 Siehe S. 37-39, Roadmap CO2-neutrales Deutschland, Fischer, 2024
17 Etwa 15 Mrd. € pro Jahr nach Elektrifizierung bzw. Umstellung auf erneuerbare Brennstoffe.
Siehe S. 72, Roadmap CO2-neutrales Deutschland, Fischer, 2024

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1 Kommentar

  1. Für mich als Endverbraucher hat sich der Bruttostrompreis seit Einführung EEG im Jahr 2000 mehr als verdreifacht, die Erhöhung gilt darüber hinaus für alle von mir bezahlten Energiearten. Das widerlegt im Grund alle ihre Daten (ihre systemisch falschen inneren Bilanzierungsgrenzen). Dazu kommt, dass die Energiepreissteigerung sekundär in die Preise fast alle zum Leben benötigter Produkte eingeht (d.h. die Inflation treibt). In der Summe treibt die Energietransformation bei mir persönlich strukturell und konkret Wohlstandsabbau, also nichts Positives, nur Zerstörerisches, und es spaltet unsere Gesellschaft, oder?

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