Die Berliner Denkfabrik Energy Watch Group hat im Detail gecheckt, ob ein Auslaufen der festen 20-jährigen Einspeisevergütung für Grünstrom wirklich zu niedrigeren Strompreisen führt, wie es Gegner der Energiewende behaupten. Greenspotting veröffentlicht den dritten Teil der insgesamt sechsteiligen Untersuchung exklusiv.

Wer überschüssigen Strom etwa von seiner Solaranlage auf dem Hausdach in das öffentliche Netz einspeist, erhält dafür aktuell acht Cent pro Kilowattstunde – und das 20 Jahre lang. Das ist ein Fünftel bis ein Viertel dessen, was man für den Strom aus dem öffentlichen Netz bezahlt. Die garantierte sogenannte Einspeisevergütung steht im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und wurde eingeführt, um Solar- und Windstrom zu fördern. Und weil dessen Produktion immer kostengünstiger wurde, sank die Einspeisevergütung in den vergangenen Jahren deutlich. Gleichwohl kostet die Einspeisevergütung den Bundeshaushalt jährlich Milliarden. Von den Gegnern der Energiewende kommt nun die
BEHAUPTUNG: Es braucht keine feste über 20 Jahre laufende Einspeisevergütung für grünen Strom mehr. Ein Stopp führe zu mehr Markt, also zu mehr Wettbewerb, und dies zu niedrigeren Strompreisen. Gleichzeitig werde der Bundehaushalt entlastet.
ZUTREFFEND IST JEDOCH: Wo die feste Einspeisevergütung bei der Vergabe von Genehmigungen für neue Solar- und Windkraftwerke eingestellt wird, erhöht das den Preis für erneuerbaren Strom stark und senkt die Investitionsbereitschaft sowie das Ausbautempo beim erneuerbaren Strom massiv. Wenn sich dadurch der Preis für erneuerbaren Strom nur um 25 Prozent erhöht, verursacht das bei Bürgern und Unternehmen bis 2045 etwa 270 bis 300 Milliarden Euro zusätzliche Stromkosten. Und zur Entlastung des Bundeshaushalts von der Einspeisevergütung gibt es bessere Alternativen.
Die Fakten
Das EEG Die Vergaben von Genehmigungen für den Bau neuer Solar- und Windkraftwerke nach dem EEG zeigen, dass mit ausreichender fester Einspeisevergütung für 20 Jahre nach Inbetriebnahme erhebliches Kapital zu sehr günstigen Preisen mobilisiert werden konnte. Die Folge: zügiger Ausbau der erneuerbaren Energien und niedrige Stromkosten.
Gesamtkosten der Investitonen in erneuerbarer Energien – Bei Windrädern und Photovoltaikanlagen, Wasserkraft und Batteriespeichern stehen die Gesamtkosten der Investitionen über die Lebensdauer im Wesentlichen fest: Die danach noch beeinflussbaren Kosten sind nahe null. Gleichzeitig sind die erzielbaren Preise des Stroms, der über die Leipziger Strombörse verkauft wird, jedoch wegen der laufenden technischen, wirtschaftlichen und regulatorischen Umbrüche im Energiesektor kaum belastbar prognostizierbar. Deshalb ist das finanzielle Risiko für Investoren ohne feste Einspeisevergütung für 20 Jahre unkalkulierbar: Wer jetzt ein Windrad aufstellt und die Einnahmen dafür durch Verkauf am Strommarkt erzielt, kann in fünf Jahren in die roten Zahlen rutschen, wenn das nächste Windrad mit der
neuesten Technologie den Strom um einen halben Cent pro Kilowattstunde günstiger erzeugt. Investitionsbereitschaft und damit das Ausbautempo der Erneuerbaren sinken unter solchen Bedingungen drastisch. Für den verbleibenden zur Einhaltung der Klimaziele bis 2045 erforderlichen Ausbau der Erneuerbaren würden hohe Risikoaufschläge und reduzierter Wettbewerb die Stromproduktion aus Erneuerbaren erheblich verteuern.10
Kosten Wenn die feste Einspeisevergütung über 20 Jahre entfällt, wird das zu Risikozuschlägen seitens der Investoren führen. Wenn man von einem Preisanstieg beim Strom dadurch von 25 Prozent ausgeht, betragen die Mehrkosten im Jahr 2045 etwa 27 bis 30 Milliarden Euro. Bei gleichmäßigem Ausbau der Erneuerbaren addieren sich die Mehrkosten für Bürger und Unternehmen bis 2045 auf insgesamt 270 bis 300 Milliarden Euro.
Langfristige Stromlieferverträge – Power Purchase Agreements (PPA), das sind langfristige Stromlieferverträge von Stromproduzenten mit Großabnehmern, sind kein gleichwertiger Ersatz für 20 Jahre feste Einspeisevergütung, weil die Laufzeit solcher Kontrakte meist nur zehn Jahre beträgt. Die Risiken für beide Seiten und somit auch die daraus resultierenden Preise sind höher als bei Vergaben von Genehmigungen für Grünstromanlagen mit fester Einspeisevergütung nach dem EEG.
Umlage auf den Strompreis – Die Einspeisevergütung war Anfang der 2000er Jahre noch hoch, wurde dann aber durch die Kostenreduzierung beim erneuerbaren Strom immer weiter abgesenkt. Bis 2020 wurde die Einspeisevergütung durch Umlage auf den Strompreis finanziert. Zur
Entlastung in der damaligen fossilen Energiepreiskrise wurde die Einspeisevergütung ab
2021 aus dem Bundeshalt bezahlt. Nun sind aber neue Wind- und Photovoltaik-Anlagen so günstig
geworden, dass die Umlage auf den Strompreis ohne relevante Erhöhung des Strompreises
möglich ist. Dies würde den Bundeshaushalt also von sich aus entlasten – ohne die genannten Risiken und Preissteigerungen bei „mehr Markt“, das heißt bei einem Stopp der Einspeisevergütung.
Photovoltaik auf dem Dach – Solaranlagen auf dem Hausdach mit einer Spitzenleistung von bis unter 25 Kilowatt waren bisher tragende Säule des Photovoltaik-Ausbaus. Der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) avisierte Entfall der Einspeisevergütung für diese Anlagen würde ihren weiteren Ausbau ausbremsen und jeden Anreiz beseitigen, Überschüsse für die Nutzung durch andere Stromverbraucher ins öffentliche Netz einzuspeisen. Wirtschaftlich effizienter ist es, für Dachsolaranlagenläche dieselbe Einspeisevergütung wie für die großen Photovoltaik-Anlagen auf freien Flächen anzusetzen, die aktuell gut sechs Cent pro Kilowattstunde beträgt. Dasselbe gilt für kleine Wasserkraft- und Windanlagen sowie für Bioenergie-Kraft-Wärme-Kopplung.
Von Hartmut Fischer und David Goeßmann
Quellen:
10 Eigene Auswertung der viertelstündlichen Mengen und Preise an der Strombörse 2025 laut Bun-
desnetzagentur. Zu den Zeiten der Stromerzeugung aus Wind und Solarenergie kostete der
Strom durchschnittlich 6,7 Cent/kWh. Zu den Zeiten der Stromerzeugung aus Kohle- und Erdgas-
kraftwerken kostete der Strom durchschnittlich 10,9 Cent/kWh – also etwa 60% mehr.

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