Jangtsekiang: Chinas Regierung rettet mit knallhartem Verbot plus Entschädigung die Fischbestände im größten Fluss Asiens

Um die bedrohten Fischbestände im Jangtsekiang zu retten, hat Chinas Regierung die Fischerei auf dem drittgrößten Fluss Asiens gestoppt und zahlt den Fischern eine Milliarden-Entschädigung. Die Methode „Knallhart aber fair“ wirkt.

Touristen-Idylle in den drei Schluchten des Jangtse: Fischbestände haben sich seit 2021 deutlich erhöht (Foto:  cq19690527 / pixabay)
Touristen-Idylle in den drei Schluchten des Jangtse: Fischbestände haben sich seit 2021 deutlich erhöht (Foto:  cq19690527 / pixabay)

Er ist ein Fluss der Superlative: 400 Millionen Menschen leben in seinem Einzugsgebiet, mit seinen 6 380 Kilometern ist er der Jangtsekiang in China – kurz: Jangtse – der längste Fluss Asiens und der drittlängste der Welt hinter dem Nil und dem Amazonas. Zugleich sind die Fischbestände in dem Riesengewässer so bedroht wie in kaum einer vergleichbaren Region – durch Industrie, Abwässer, Schifffahrt, vor allem aber durch die Fischerei. Dagegen geht die chinesische Regierung gerade mit einer Methode vor, die in kapitalistischen Lehrbüchern gern als elegantes Instrument der Umweltpolitik hochgehalten wird, dessen Anwendung sich die Herrschenden in der Praxis aber selten trauen: Peking hat auf dem Jangtse nämlich ein weitgehendes Fischereiverbot erlassen, den 200 000 Fischern den Verzicht auf die Ausfahrten jedoch abgekauft. Und das, indem die Regierung den Fischern mit umgerechnet drei Milliarden US-Dollar deren Einkommensverluste durch die Stilllegung von 100 000 Fangschiffen ersetzt. Ergebnis nach Start des Projekts im Jahr 2021: Schon nach zwei Jahren hat sich die Masse der Fische im Jangtse verdoppelt und die Artenvielfalt um 13 Prozent erhöht, so das Ergebnis einer aktuellen Untersuchung.

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Bann plus Entschädigung sind Anleihen aus Spieltheorie

Die Überfischung insbesondere der Meere ist eines der großen ungelösten Umweltprobleme der Erde, da die Ozeane außerhalb der Küstenregionen niemandem gehören und deshalb auch niemand direkt geschädigt wird, der dagegen rechtlich vorgeht. Die Regierung in Peking hat den Fischereibann erlassen, nachdem seit den 1950er Jahren die Fischbestände des Jangtse um 85 Prozent zurückgegangen sind. Die Idee, wirtschaftliche Akteure durch Entschädigung zur Unterlassung bestimmter Handlungen zu bringen, entstammt der Spieltheorie, einem Zweig der marktwirtschaftlichen Wirtschaftswissenschaften.

Bestand an Fischen wächst allmählich wieder

Für den chinesischen Flussdelfin Baiji kam das auf zehn Jahre angelegte Fischereimoratorium zwar zu spät, der putzige Schwimmer gilt seit 2007 als erste Delfinart, die vom Menschen ausgerottet wurde. Für andere seltene Tiere gleicht der rigorose Schritt Pekings jedoch einer Lebensrettung. So wuchs die Zahl der Glattschweinswale um ein gutes Drittel von rund 450 auf knapp 600 Tiere. Große Fische wie der Jangtse-Stör oder der Winkelkarpfen erholen sich allmählich. Viele dieser Fische werden nachgezüchtet und im Jangtse ausgesetzt.

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