Jedes fünfte Tier stirbt vor der Schlachtung

Fast eine Million Schweine, etwa 220 000 Rinder und zwei Millionen Hühner auf bayrischen Bauernhöfen und Tierfarmen schaffen es nicht einmal bis zum Schlachthof – pro Jahr. Sie kommen schon vor der Schlachtung durch Krankheiten, Schwäche oder Unfälle zu Tode. Meist qualvoll!

Schweineglück wie anno dazumal Heute schaffen es viele nicht einmal zur Schlachtung (Herbert Käfer/Pixelio.de)

Dies geht aus einer Mitteilung des Bayrischen Umweltministeriums hervor. Die Grüne Fraktion im Bayrischen Landtag hatte eine entsprechende Anfrage gestellt. Im Freistaat wurden in den Jahren 2019 bis 2021 jährlich etwa 4,7 Millionen Schweine und 955.000 Rinder pro Jahr geschlachtet. Jedes fünfte Schwein und jedes fünfte Rind in den bayerischen Betrieben sei folglich schon vor der Schlachtung verendet, sagte Paul Knoblach, bei den Landtags-Grünen für Tierwohl zuständig. Diese Zahlen seien erschreckend. Er forderte die Bayrische Staatsregierung auf, nicht länger wegzuschauen.

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Obwohl die verendeten Tiere einen kaufmännischen Verlust für die Landwirte darstellten, hielten viele weiter an einer Tierhaltung mit mangelnder Hygiene und Verletzungsgefahr fest. Knoblach forderte mehr tierärztliche Überwachung und eine systematische Rückverfolgung von den Tierbeseitigungsanstalten zu den Höfen.

Problem-Bauern beraten

Dort sei Beratung und Hilfe bei der Problemlösung nötig. Der Landtagsabgeordnete kennt die Schwierigkeiten der Bauern. Er betreibt selbst seit über 25 Jahren einen Öko-Hof, den er von den Eltern übernommen hat. Seiner Meinung nach könnte eine digitale und verpflichtende Tiergesundheitsdatenbank dabei helfen, Problem-Höfe ausfindig zu machen.

Nutztiere in der Landwirtschaft benötigen reichlich Platz, ausreichende Bewegung, weiche Liegeflächen und artgerechtes Futter, betonte der Öko-Bauer. Der Druck auf die Tiere müsse durch extensivere Haltung und langsamer wachsende Rassen gemindert werden. Knoblachs Forderung lautet: Weg von den Turbo-Kühen! Nur so bekämen die Landwirte gesundere, robustere Tiere. Nutztiere seien mehr als Produktionsgüter.

Qualvoll verenden

Schweine, Rinder und Hühner sterben nicht nur in Bayern vorzeitig. Im gesamten Bundesgebiet liegt die sogenannte Fallquote für Schweine bei 21 Prozent. In Österreich sollen jährlich 700 000 Schweine vorzeitig Krankheiten und Unfällen erliegen. Eine Diplomarbeit an der Veterinärmedizinischen Universität Wien über Falltiere kam zu dem Ergebnis, dass bei jedem fünften vorzeitig verendeten Nutztier Auffälligkeiten zu finden waren. Die untersuchten Kadaver wiesen teilweise hochgradige Abmagerung, Stallklauen, Bissspuren am Schwanz, den Ohren, der Hautoberfläche sowie der Flanke auf. 

Stichprobenartige Untersuchungen an gefallenen Rindern und Schweinen in Österreich zeigten, dass 12,5 Prozent der Rinder und 21 Prozent der Schweine mindestens eine Auffälligkeit aufwiesen, die den Verdacht auf Tierquälerei nahelegte. Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine jüngst veröffentlichte Studie der Tierärztlichen Hochschule Hannover. Dieser Untersuchung zufolge erliegen jährlich 1,17 Millionen Schweine in Deutschland qualvoll ihren Verletzungen ohne notgetötet zu werden.

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