Klimaschutz durch Aufforstungen – oft leider Fehlanzeige

Jedes neu gepflanzte Bäumchen hilft dem Klima. Oder doch nicht? Eine Studie widerspricht der liebgewonnenen Überzeugung. So bringen Aufforstungen in Steppengebieten häufig so gut wie gar nichts.

Steppe in Innerasien Helfen Aufforstungen wirklich dem Klima? (Jerzy/Pixelio.de)
Steppe in Innerasien Helfen Aufforstungen wirklich dem Klima? (Jerzy/Pixelio.de)

Grund dafür ist der sogenannte Albedo-Effekt. Je heller (albus=weiß) eine Oberfläche ist, desto stärker wirft sie die auftreffende Strahlungsenergie zurück. Dunkle Oberflächen hingegen absorbieren die Strahlung. Steppen mit ihrer gelben bis hellbraunen Färbung werfen die Sonnenstrahlen zurück. Dunkelgrüne Waldflächen hingegen absorbieren sie. Die Aufforstungen fördern somit die Erderwärmung.

Bislang galt die entgegengesetzte Annahme in der Öko-Szene fast als unumstößliches Dogma. Denn Bäume binden CO2. Sie entziehen es der Atmosphäre, weil sie es für die Fotosynthese, also der Bildung ihrer Biomasse, brauchen. Folgerichtig starteten viele Regierungen Aufforstungsprogramme. Sie wollten damit die Konzentration von Kohlenstoff in der Atmosphäre vermindern – und die Ausbreitung von Wüsten stoppen.

Beispiele dafür sind die Grünen Mauern im afrikanischen Sahel und im nördlichen China. In der Sahelzone soll aus einer Million Quadratkilometer Steppe grüner Forst werden. Im Steppengürtel Chinas wurde bereits eine Fläche von 450 000 Quadratkilometern, also größer als Deutschland, aufgeforstet. Programme für Neubewaldung gibt es aber auch in den USA, in Südafrika oder Saudi-Arabien. Die großräumigen Forstprojekte in den Trockengebieten der Erde beziehen sich auf eine Fläche von fünf Millionen Quadratkilometer. Ausgeblendet bleibt dabei: Trockenheit wird erst durch den Klimawandel und menschlichen Raubbau zum ökologischen Problem. Seit Jahrtausenden machen Trockenzonen mehr als ein Drittel der Landmasse aus.

Steppen reflektieren

Wissenschaftler des Israel Institute of Technology und des Weizmann Institute of Science haben nun untersucht, welche Folgen die gigantischen Aufforstungsprojekte haben. Ihre Grundannahme bestand darin, dass etwa sechs Prozent der halbtrockenen Zone aufgeforstet werden könne. Ursprünglich gingen die Forscher davon aus, dass Neupflanzungen in den ariden Gebieten die Erderwärmung aufgrund der Kohlenstoffbindung deutlich verlangsamen würden. “Aber unsere Studie hat diese akzeptierte Hypothese widerlegt”, sagt Studienleiter Yohay Carmel.

Tatsächlich könnte die maximale Aufforstung der Trockenzonen bis zum Jahrhundertende nur ein Prozent der Kohlenstoff-Ausstöße durch Verbrennung neutralisieren. Die dunklen Wälder nehmen wegen des Albedo-Effektes mehr Sonnenenergie auf als baumlose Steppen. Den Wissenschaftlern zufolge absorbieren die Neupflanzungen zwar 32,3 Milliarden Tonnen CO2. Allerdings entspreche die Klimawirkung des aufforstungsbedingten Albedo-Effektes 22,6 Milliarden Tonnen Kohlenstoff. In bestimmten Trockenregionen wie in Kasachstan, in China oder der Mongolei, könne der Effekt sogar negativ sein.

Grundwasserspiegel sinkt

Hinzu kommen die Schäden für die biologische Vielfalt. Den öffentlichen Debatten liegt häufig die Annahme zugrunde, Steppen seien abgeholzte Landschaften, die es gelte, wieder aufzuforsten. Steppen sind aber sensible Ökosysteme. Ihre spezifischen Floren und Faunen reagieren empfindlich auf menschliche Eingriffe – auch auf künstliche Bewaldung. Stellenweise ist die Biodiversität dadurch zurück gegangen. Vielfach sank der Grundwasserspiegel. Forstexperten fordern daher zunehmend, Aufforstungsprogramme auf Gebiete zu beschränken, die zuvor durch Menschen entwaldet wurden oder von der Ausbreitung der Wüsten bedroht sind.

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