Die Brände waren rund ein Drittel intensiver als sie ohne Klimawandel gewesen wären. Zusätzlich blockieren Politiker der Rechten die Brandbekämpfung.

Einer Studie des World Weather Attribution Networks zufolge hat sich die Wahrscheinlichkeit von Waldbränden auf der Pyreneenhalbinsel aufgrund des Klimawandels um das Vierzigfache erhöht. Wetterbedingungen, wie sie in diesem Sommer in Spanien und Portugal herrschten, wären im vorindustriellen Klima nur alle 500 Jahre aufgetreten. Heute, so die Ergebnisse der Studie, kommen sie etwa alle 15 Jahre vor.
Hitzewellen wie im vergangenen Monat wurden vor der Industrialisierung in der Region alle 2500 Jahre erwartet. Im heutigen Klima fallen solche, etwa zehn Tage anhaltenden Höchsttemperaturen etwa alle 13 Jahre an. Die Temperaturen während der zehn heißesten Tage in der Region haben dabei um etwas mehr als drei Grad Celsius zugenommen. Eine vergleichbare Analyse der Waldbrände in der Türkei und Griechenland durch die gleiche Forschergruppe zeigte, dass in den beiden Ländern der Klimawandel die wetterbedingten Voraussetzungen etwa zehnmal wahrscheinlicher gemacht hatte.
Zusätzlich heizt die veränderte Landnutzung in den südeuropäischen Ländern Südens das Brandrisiko an. Portugal und Spanien leiden unter der Landflucht und der alternden Bevölkerung. Die Folge sind verbuschte Agrarflächen, die eine extreme Brandlast liefern.
Rechte leugnen Klimawandel
In Spanien blockieren darüber hinaus rechte Kräfte eine vorausschauende Brandschutzpolitik. In den am meisten betroffenden Regionen Galicien, Kastilien und León sowie der Extremadura regiert die konservative Partido Popular. Sie wird in den Regionen Kastilien und León und der Extremadura von der rechtsextremen Vox unterstützt. Die konservativ und rechtspopulistisch geführten Regionen sparen an den Ausgaben für Brandschutz. So gibt die Region Kastillien und Léon, fast genau so groß wie Portugal, nur ein Zehntel für die Brandverhütung aus wie die Regierung in Lissabon.
Vorsorge im Winter – wie das kontrollierte Abbrennen von Buschflächen – gilt Konservativen und Rechten als Geldverschwendung. Feuerwehrleute werden winters in die Arbeitslosigkeit geschickt. Die rechtsradikale Vox fordert die Beendigung aller Programme, die mit dem Klimawandel zu tun haben. Falschbehauptungen prägen die Propaganda der Rechten. So werfen Konservative und Rechtspopulisten der Zentralregierung vor, bei der Bekämpfung der Waldbrände versagt zu haben. Allerdings ist die Regierung in Madrid überhaupt nicht zuständig. Denn Waldbrandbekämpfung ist Regionalsache.
Brände werden im Winter gelöscht
Spaniens sozialistischer Premierminister Pedro Sánchez warf in einem Interview mit der britischen Tageszeitung The Guardian Konservativen und Rechtspopulisten vor, „die Realität des Klimanotstandes“ zu leugnen. Sanchez hatte Anfang der Woche einen Zehn-Punkte-Plan vorgestellt. Darin schlug er die Einrichtung einer staatlichen Katastrophenschutzbehörde und die Neuordnung der Forstverwaltung vor. Der Regierungschef kritisierte bei der Vorstellung des Zehn-Punkte-Plans die kurzatmige Politik der Rechten: „…diese Brände, die in unserem Land mehr als 300 000 Hektar Land verwüstet haben, werden nicht im Sommer gelöscht; sie werden im Winter und im Herbst gelöscht. Sie werden gelöscht, indem man das ganze Jahr über arbeitet.“
Mehr: The Guardian; TAZ


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