Lithium – Rohstoff mit nur noch einem Verwendungszweck

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Noch vor zwölf Jahren gingen rund zwei Drittel der Produktion von Lithium in alternative Verwendungen. Inzwischen dominiert die Akku-Industrie mit fast 90 Prozent die Nachfrage. Wird das Material knapp?

Akku-Produktion bei VW Wird Lithium knapp? (Volkswagen)
Akku-Produktion bei VW Lithium nur noch für die Batterie-Industrie? (Volkswagen)

Einer Studie der Fraunhofer-Einrichtung FFB zufolge lag der Anteil der Verwendung für die Akku-Produktion im vergangenen Jahr bei 87 Prozent. Im Jahre 2014 waren es nur 35 Prozent. Traditionelle Hauptabnehmer wie die Glas- und Keramikbranche oder die Hersteller von Schmierölen mit vier und zwei Prozent spielen nur noch eine untergeordnete Rolle auf dem Markt.

Gleichzeitig wächst der Verbrauch – im vergangenen Jahr um etwa 20 Prozent auf rund 263 000 Tonnen. Ursache ist die enorme Nachfrage nach Antriebsbatterien für E-Autos und nach stationären Stromspeichern. Allein in den Jahren zwischen 2020 und 2025 hat die Akku-Industrie um das Sechsfache zugelegt. Zu den Folgen der wachsenden Nachfrage und der Verengung des Marktes auf eine Abnehmerbranche zählen die enormen Schwankungen der Preise für Lithiumprodukte. So stieg der Standart Lithium Chart Anfang Januar auf 4615 Euro. Neun Monate zuvor lag er noch bei 1058 Euro. Inzwischen ist er auf 2922 Euro gefallen.

Wenige Förderländer

Zur dieser Volatilität trägt auch die Verengung auf wenige Förderländer bei. Nur vier Länder bestreiten 82 Prozent der Fördermenge. Im Jahr 2024 föderte australische Minen 37 Prozent des Rohstoffes. Chile folgte mit 20 Prozent, China mit 17 und Argentinien mit 8 Prozent. Auch bei den Abnehmern bestimmen wenige Spieler den Markt. Die fünf größten Abnehmer für Lithiumkarbonat, CATL (CN), BYD (CN), LG Energy Solution (SK), Panasonic (JP) und SK On/Samsung SDI (SK) kaufen zusammen etwa 38 % bis 45 % des globalen Angebots auf.

Für die Abnehmer könnten die kommenden Jahre schwierig werden. Verschiedene Studien gehen von erheblichen Knappheiten aus. Zwar liegen die weltweiten Vorkommen bei rund 115 Millionen Tonnen. Doch diese sind zum Teil nur schwer zugänglich. Zudem dauert die Anlage neuer Bergwerke und Raffinerien meist Jahre. Hingegen entwickeln sich die Elektromobilität und die Nachfrage nach stationären Batterien als Puffer gegen Schwankungen im Netz mit ungeahnter Dynamik.

Alternativen im Vormarsch

Doch wo Gefahr ist, wächst das Rettende auch. Im Oberrheingraben zum Beispiel nutzt das australische Startup Vulcan Energy das heiße Tiefenwasser (Sole) als Ausgangsstoff für die Lithiumgewinnung. Die heiße Sole aus den Tiefen der Erde sollte ursprünglich vor allem Fernheizungen und E-Kraftwerke betreiben. Doch dann stellte sich heraus, dass die Sole immerhin 150 und 220 Milligramm Lithium pro Liter enthält. Vulcan Energy will im Oberrheingraben ab 2028 bis zu 24 000 Tonnen Lithiumhydroxidmonohydrat jährlich fördern und verarbeiten. Die Menge entspricht dem Bedarf für 500 000 E-Auto-Batterien.

Reichen wird diese Fördermenge allerdings nur, wenn zusätzlich lithiumfreie Techniken der Stromspeicherung weiterentwickelt werden. Ein vielverspechender Hoffnungsträger ist der Natrium-Ionen-Akku. Er kommt ganz ohne Lithium aus. Auch andere heikle Matrialien wie Kobalt, Nickel oder Mangan braucht der sogenannte Salzakku nicht. Zwar gibt es auch Verfahren, die geringe Mengen Nickel oder das kritische Vanadium verwenden. In der Regel jedoch verzichtet die Industrie darauf. Weil der Basisrohstoff Natrium aus gewöhnlichem Salz stammt, sind die Batterien um rund die Hälfte billiger als die klassische Lithium-Batterie. Weitere Vorteile: Die Batterie funktioniert auch bei extremer Kälte und warmem Wetter gut. Sie ist brandsicher und kann komplett entladen werden. Und sie lädt schneller.

Der Nachteil ist das größere Gewicht. Lithium-Ionen-Batterien kommen auf eine Leistungsdichte von bis zu 250 Wattstunden pro Kilogramm. Natrium-Ionen-Akkus liefern hingegen nur 175 Wattstunden. Allerdings wird dieser Nachteil zum Teil dadurch ausgeglichen, dass die Batterien mit einem leichteren Gehäuse zurechtkommen. Noch findet die Salzbatterie vor allem in günstigen Stromer-Modellen mit geringerer Reichweite Anwendung. Künftig dürfte jedoch zusätzlich die expandierende Nachfrage nach stationären Stromspeichern mit Natrium-Ionen-Akkus bedient werden.

Gewinnen alternative Techniken wie die Salzbatterie weiter Raum, wird sich der Markt für Lithium entspannen. Wenn nicht, könnte die zunehmende Knappheit des weißen Metalls sowohl E-Mobilität wie Energiewende ausbremsen.

Mehr: Fraunhofer FFB; Aktien.News

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