Anwohner-Parkgebühren
Die meisten Bundesländer päppeln die Autofahrer mit niedrigen Parkgebühren für Anwohner

Statt etwas gegen die Erstickung der Städte durch Autos zu tun, erlauben nur fünf Bundesländer den Kommunen, das Parken von Anwohnern zu verteuern. Wie es gehen könnte, zeigt zum Beispiel Schweden.

Zugeparkte Stadt: Zurückeroberung öffentlicher Flächen durch höhere Parkgebühren für Anwohner (Foto: Lakeblog / pixabay)

Wer in Schwedens Hauptstadt Stockholm wohnt und mit seinem Auto im öffentlichen Raum parkt, muss dafür bezahlen: bis zu 1309 Euro im Jahr beziehungsweise knapp 3,60 Euro pro Tag. Im Autoland Deutschland wagt das nur eine Minderheit der Politiker. Die meisten Städte verlangen maximal 30,70 pro Jahr, also gut acht Cent pro Tag. Grund dafür sind feige Landesregierungen, die ihren Kommunen bisher nicht erlauben, über diese Grenze hinaus zu gehen. Nur fünf Landesfürsten haben sich das getraut, nämlich von Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen, ergab eine Umfrage der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die Chefs der übrigen elf Bundedsländer verzichten bisher, das Zuparken der Städte durch angemessene Parkgebühren für Anwohner einzudämmen.

Geschenk für SUV- und Pick-up-Fahrer

„Öffentlicher Raum ist knapp und zunehmend umkämpft. Jedes Jahr steigt die Zahl der in Deutschland zugelassenen Autos um eine halbe Million an”, so DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. “Gleichzeitig werden die zugelassenen Autos immer länger, breiter und schwerer. Trotzdem dürfen Anwohnerinnen und Anwohner in den meisten Städten mit ihren riesigen SUV und Pick-ups für nur acht Cent pro Tag den öffentlichen Raum zustellen.” Flächen zum Spielen, Flanieren und Verweilen sowie Parks und Grünflächen würden dadurch immer knapper. Die Kommunen bräuchten deshalb endlich wirksame Möglichkeiten, um den Raum für Menschen zurückzuerobern. Geht es nach der DUH, soll jeder Anwohner mindestens 360 Euro pro Jahr fürs Parken im öffentlichen Raum bezahlen, ein Besitzer großer “SUV-Stadtpanzer” deutlich mehr.

Freiburg und Tübingen vorbildhaft

Wie das geht, zeigen Städte im grün dominierten Baden-Württemberg. In Freiburg zahlen Anwohner mit durchschnittlich großen Autos 360 Euro pro Jahr fürs Parken vor der Haustür, Besitzer großer SUV und Pick-ups 480 Euro. Einkommensschwache Haushalte und Menschen mit Schwerbehindertenausweis erhalten einen Nachlass von 75 Prozent.Tübingen verlangt für besonders schwere SUV, die mehr als 1,8 Tonnen wiegen, 50 Prozent mehr Parkgebühr als für Kleinwagen.

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