Grenzüberschreitung
Frisch eingewandertem Braunbär soll Brunos Schicksal erspart bleiben

Seit wenigen Tagen treibt sich Meister Petz wieder in bayrischen Gefilden herum. Naturschützer befürchten, der Neueinwanderer könne enden wie Artgenosse Bruno. Öffentlich bestellte Jäger hatten den Jungbären 2006 nach kurzem Aufenthalt auf deutschem Boden erlegt.

Braunbär Bald wieder in Deutschland heimisch? (Jens Bredehorn /Pixelio.de)

Nach Bruno hatte sich bis vor zwei Jahren kein Bär mehr auf freier Wildbahn in Deutschland blicken lassen. Das 2020 gesichtete Tier hatte die Grenze zwischen Österreich und Deutschland mehrfach gewechselt. Zu einer dauerhaften Ansiedlung kam es jedoch nicht. Nach Einschätzung von Naturschützern ist aber mit weiteren Einwanderungen zu rechnen. Im italienischen Trentino existiert seit 1999 eine leicht wachsende Bären-Population. Einzelne Tier überschreiten gelegentlich die Pässe zu Österreich und Deutschland. Eine Wildtierkamera hatte vor wenigen Tagen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen den neu eingewanderten Bären erfasst.

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Die Alpen seien insgesamt ein attraktiver Lebensraum für die Allesfresser, kommentierte Axel Doering, Vorsitzender der Keisgruppe Garmisch-Partenkirchen des Bundes Naturschutz, den jüngsten Bärenbesuch. Angesichts des dramatischen Rückgangs bei vielen anderen Arten solle man sich freuen, dass sich wenigstens einige Tierarten ausbreiteten und ihren alten Lebensraum zurückeroberten. Geeignete Lebensräume für Bären gäbe es vor allem in den bayerisch-österreichischen Alpen mit Gebieten wie dem Karwendel, dem Ammergebirge und dem Nationalpark Berchtesgaden. Aber auch das Bayrisch-böhmische Grenzgebiet mit seinen großflächigen Waldgebieten sei bärentauglich.

Bärenraudi Bruno

Schon 2007, ein Jahr nach dem Abschuss von Bruno, hatte Bayern einen umfassenden Managementplan für Bären erlassen. Der Plan sieht die enge Zusammenarbeit mit Nutztierhaltern und die Optimierung des Herdenschutzes vor. Bruno galt als sogenannter Problembär. Auf sein Konto gingen binnen weniger Wochen die Risse von 31 Schafen und mehrerer Ziegen. Bruno verwüstete auch Bienenstöcke. Vor allem: Anders als normale Braunbären hatte der Bärenraudi keine Angst vor menschlicher Nähe. Er drang in Dörfer ein und zerstörte Hühner- und Kaninchenställe. In der Regel meiden Braunbären menschliche Siedlungen.

Vergeblich versuchten die bayrischen Naturschutzbehörden, den Bären einzufangen. Ein eigens eingeflogenes finnisches Spezialteam setzte ihm mit Betäubungsgewehren nach – vergeblich. Bruno hatte, auch hier anders als normale Bären, die Angewohnheit, nie wieder zu Tatorten zurückzukehren. Nachdem die finnischen Jäger ihn nicht betäuben konnten, gab die  Bayerische Staatsregierung ihn zum Abschuss frei.

Schon Mutti benahm sich daneben

Wahrscheinlich hatte er das auffällige Verhalten von seiner Mutter erlernt. Mutter Jurka war bereits im Trentino wiederholt durch Einbrüche in Stallungen und Bienenstöcke aufgefallen. Ein Abschuss kam für die Italiener allerdings nicht infrage. Jurka hatte sich gegenüber Menschen nie angriffslustig verhalten. Sie wurden gefangen, mit einem Sender versehen und wieder freigelassen. So sollte sie in Nähe menschlicher Siedlungen aufgespürt und gezielt durch Gummigeschosse vergrault werden. Sie ließ sich aber nicht vergraulen. Schließlich wurde sie gefangen und lebt heute im Alternativen Wolfs- und Bärenpark Schwarzwald. Auch der Bruder Brunos war auffällig. Er suchte in der Schweiz Siedlungen auf, plünderte Abfallbehälter. Die Schweizer Wildhut erlegte ihn im Jahr 2008.

Italiener fordern Kadaver

Der Abschuss von Bruno erregte seinerzeit Aufsehen. Der Deutsche Tierschutzbund prüfte rechtliche Schritte. Ein Münchner Anwalt reichte eine Klage ein. Italien legte Einspruch bei der EU-Kommission ein. Die italienische Regierung forderte den Kadaver des Tieres zurück. Man habe schließlich mit viel Aufwand das Bärenprogramm in den Alpen gestartet. Daher sei der tote Bär Eigentum des italienischen Staates. Die Bayrische Staatregierung wies das Ansinnen zurück. Heute ist Bruno ausgestopft im Münchner Museum Mensch und Natur zu bewundern.

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