Rote Listen
Großteil der Reptilien und Amphibien gefährdert

Mehr als die Hälfte der Reptilien und Amphibienarten in Deutschland muss fürchten auszusterben, darunter bestimmte Kröten und Eidechsen. Die Ursachen sind vom Menschen gemacht – und offenkundig.

Zauneidechse: Von der heutigen Land- und Forstwirtschaft bedroht (Foto: Kasjan Farbisz / pixabay)

Früher lebten sie in feuchten Flussniederungen. Doch weil es die kaum noch gibt, kommen sie allenfalls noch in Straßengräben oder sonstigen künstlichen Rinnen vor: die Geburtshelferkröte und die Gelbbauchunke. Die Exoten der Auen teilen das Schicksal mit ihren angriffsfreudigen Gegenspielern, den Würfelnattern und Kreuzottern, denen wilde Wasserläufe beziehungsweise Sandheiden abhanden kommen. Insgesamt sind zehn von 20 untersuchten Amphibien und neun von 13 Reptilien in Deutschland gefährdet. Das zeigen die neuen Roten Listen bedrohter Tierarten für diese Spezies der Wald- und Feldbewohner.

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Immer weniger Lebensraum

“Für drei Viertel der Amphibienarten und mehr als zwei Drittel der Reptilienarten wurden auch in den vergangenen 20 Jahren weitere Abnahmen festgestellt. Damit hat sich deren Bestandssituation weiter verschärft”, so Alfred Herberg, Fachbereichsleiter im Bundesamt für Naturschutz. “Hauptursache für die alarmierende Gefährdungssituation der Amphibien und Reptilien ist der Verlust ihrer Lebens- und Teillebensräume.” Den Tieren fehlten immer mehr die erforderlichen Brut- und Laichplätze sowie und frostsicheren Überwinterungsplätze.

Andere Land- und Forstwirtschaft erforderlich

Schuld daran ist dieses Mal nicht der Klimawandel sondern der Mensch direkt. “Insbesondere die Auswirkungen der intensiven land- und forstwirtschaftlichen Nutzung, die Zerschneidung von Lebensräumen durch Verkehrswege sowie die anhaltende Flächeninanspruchnahme durch neue Wohn-, Gewerbe- und Verkehrsflächen” seien ausschlaggebend, so Naturschützer Herberg. Dagegen hilft nur ein anderer Umgang mit den Lebensräumen dieser Tiere.

“Ohne tiefgreifende Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft werden wir einen Großteil der Arten zukünftig nur noch in wenigen isolierten Schutzgebieten vorfinden”, so Ulrich Schulte, Experte für Amphibien und Reptilien sowie Koordinator der beiden Roten Listen. “Wir brauchen dringend eine naturverträglichere Land- und Forstwirtschaft.”

Damit sind Amphibien und Reptilien die nächste Gruppe von Kleintieren neben den Insekten, die durch Eingriffe des Menschen immer weiter dezimiert wird.

Mehr: BfN