Dass die Warnungen von Windkraftkraftgegnern schon immer übertrieben waren, gilt inzwischen als Allgemeingut. Jüngste Untersuchungen gehen sogar davon aus, dass Vogeltod durch Windräder eine Ausnahme ist.

Zuerst die schlechte Nachricht: Laut Naturschutzbund Deutschland (NABU) sterben in Deutschland pro Jahr über 100 000 Vögel durch Kollision mit den Rotoren von Windrädern. Darunter sind etwa 12 000 Mäusebussarde und 1500 Rotmilane. So weit, so schlimm! Bezogen auf die Geamtzahl der zivilisationsbedingten Vogelopfer stellen diese Zahlen allerdings eine Restgröße dar.
Allein durch den Aufprall auf Fensterscheiben sterben in Deutschland nach den Hochrechnungen der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten über 100 Millionen Vögel. Etwa 70 Millionen Vögel kommen im Verkehr um. Rund 20 Millionen Vögel verputzt Deutschlands Lieblingshaustier, die Katze. Und über eine 1,5 Millionen Vögel kommen an Stromleitungen zu Tode. Kurz: Nur etwa jeder zweitausendste Vogel-Unfalltod ist Folge einer Kollision mit einem Windradrotor. Wissenschaftler und Naturschutzaktivisten betonen jedoch, dass es sich bei allen Zahlen zum Vogeltod stets um Hochrechnungen handelt.
Vögel meiden Windräder
Zwei neuere Untersuchungen bestätigen die Windkraft als Ausnahmeursache für Vogeltod. Das norwegische Vogelschutz-Unternehmen Spoor und der schwedische Energiekonzern Vattenfall haben dazu vom Sommer 2023 bis Ende 2024 eine Windkraftanlage auf See überwacht. Es kam bei der Anlage im Windpark Aberdeen, knapp drei Kilometer vor der schottischen Küste, zu keinem einzigen Zusammenstoß. Den Berechnungen nach hätte es unter Berücksichtigung der örtlichen Vogelaktivität statistisch zu 0,002 Kollisionen kommen müssen. Die Forscher gehen daher davon aus, dass Seevögel Windrädern wirksam ausweichen.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Untersuchung des Bundesverbandes Windenergie Offshore (BWO). Die Studie wertete über vier Millionen Flugbewegungen von Vögeln im Gebiet eines küstennahen Windparks an Land in Norddeutschland aus. Über 99,8 Prozent der tag- und nachziehenden Vögel mieden die Anlage. Selbst bei hoher nächtlicher Zugaktivität flogen nur wenige Vögel in den Rotorbereich.
In beiden Studien setzten die Forscher eine neuentwickelte Kombination aus Radar und KI-basierten Kameras ein. Damit ermöglichten sie eine bislang unerreichte Genauigkeit bei der Erfassung von Vogelflugbewegungen in der Rotorebene.
Klimaschutz ist Vogelschutz
Die Studien entstanden zwar auf Initiative interessierter Unternehmen. Die Ergebnisse bestätigen aber die Einschätzungen von unabhängigen Naturschützern, die die Zahl der durch Windanlagen getöteten Vögel im Vergleich zu anderen Ursachen als nachrangig einstufen.
Dennoch betont der Naturschutzbund NABU die Bedeutung eines naturverträglichem Ausbau der Windenergie. So sei es unerlässlich, bei der Errichtung neuer Windparks Gebiete mit hoher Vogeldichte zu identifizieren und zu meiden. Eine vergleichbare Position vertritt der Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LVB). Der Verband befürwortet den Ausbau der Windenergie – solange Naturschutzbedenken berücksichtigt werden. Nach Meinung der bayerischen Naturschützer ist die Klimakrise eine deulich größere Gefahr für die Artenvielfalt als die Windkraft.
Mehr: Pirsch; agrarheute


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