Erdwärme
Von wegen knapp: Deutschlands Tiefen enthalten massenweise Lithium

Die Hersteller von Batterien brauchen große Mengen an Lithium. Meist liefern Schwellenländer das begehrte Metall. Doch die Gewinnung geht zu Lasten von Mensch und Umwelt. Jetzt sollen deutsche Geothermie-Kraftwerke Lithium als Nebenprodukt liefern.

Lithium Unabdingbar für den Bau kleiner wie großer Akkus (Alexei_other/Pixabay) 

Denn aus den bis zu fünf Kilometern tiefen Bohrlöchern im Oberrheingraben strömt nicht nur 160 Grad heißes Wasser für die Erzeugung von Elektrizität und Heizwärme. Das heiße Tiefenwasser enthält auch Lithium. Das Metall ist nach Stand der heutigen Technik unabdingbar für die Herstellung leistungsfähiger Batterien für Handys wie für E-Autos.

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So enthält zum Beispiel die im badischen Bruchsal erbohrte Sole etwa 150 Milligramm Lithium pro Liter. Bislang galt die Gewinnung von Lithium aus der heißen Sole als nicht lohnend. Der Abbau des Metalls in den südamerikanischen Andenstaaten schien im Vergleich deutlich günstiger zu sein.

Doch nun haben die Betreiber der Kraftwerke zusammen mit dem Institut für Angewandte Geowissenschaften des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und weiteren Forschungsstellen eine neue Technik entwickelt. Das heiße Tiefenwasser wird durch einen Filter mit einer Substanz geleitet, die Lithium aufnimmt. Das Filtrat wird danach immer weiter konzentriert, bis das Lithiumsalz ausfällt. Im Gegensatz zu den Verfahren, die in Südamerika zur Anwendung kommen, fallen bei der Technik keinerlei Emissionen an.

Resilienz dank einheimischer Quellen

Nur drei Bohrungen könnten bereits acht Prozent des europäischen Bedarfs von insgesamt 300 000 Tonnen Lithiumkarbonat decken. Zurzeit ist Europa vollständig abhängig von Lieferungen aus anderen Kontinenten. Die Vorteile einer einheimischen Lithiumgewinnung liegen auf der Hand: Kurze Transportwege, engere Zusammenarbeit mit hiesigen Abnehmern, Resilienz gegenüber politischen Verwerfungen und wirtschaftsethische Unanfechtbarkeit.

Die Frage ist, wie lange die oberrheinischen Tiefen Lithium liefern. Denn es ist nicht ausgeschlossen, dass der Gehalt an Lithiumsalzen nach mehrjährigem Abbau zurück geht. Doch jüngste Auswertungen von Bohrungen legen nahe, dass zwischen Mannheim und Offenburg in Tiefen zwischen 2000 und 5000 Metern überall vergleichbare Lithiumkonzentrationen vorhanden sind.

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