Oh Tannenbaum, oh Tannenbaum – den Weihnachtsbaum gibt’s auch nachhaltig

Der Weihnachtbaum ist eine Umweltsünde. So weit, so schlecht! Doch ein paar Tricks helfen dabei, den ökologischen Fußabdruck erheblich zu verkleinern. Und etwas für die eigene Gesundheit zu tun.

Weihnachtsbaum
Verschneite Tanne Der Weihnachtsbaum muss keine ökologische Todsünde sein (Péronne vd Ham/Pixelio.de)

Offen gesprochen: Weihnachten ist ökologisch eine ziemliche Sauerei. Pakete kommen von weit her. Viele Geschenke werden nur ausgepackt und versauern dann in der hintersten Ecke des Kleiderschranks. Und dann dieser Verpackungswahn! Doch auch Tauffeste, Hochzeiten oder Karneval hinterlassen ökologische Spuren. Nur Miesepeter wollen darauf verzichten. Aber wir können den ökologischen Fußabdruck der Festbräuche vermindern. Auch den Weihnachtsbaum gibt’s auf Nachhaltig.

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Der Nullachtfünfzehn-Weihnachtsbaum ist jedoch häufig ein Pestizid-Angriff auf die Familie. Vor allen Kinder (ja, die mit den strahlenden Augen am Weihnachtsbaum) leiden. Denn ihre Widerstandskraft ist noch nicht voll ausgebildet. Ein klassischer Billig-Weihnachtsbaum stammt in der Regel von einer Plantage. Damit keine Krankheiten die Bäumchen hinweg raffen, nutzen die Plantagenbauern gern und reichlich Gifte: Insektizide gegen Rüsselkäfer und Läuse, Herbizide gegen Unkraut und Kunstdünger für schnelles Wachstum und für strahlende Nadelfarben.

Pestizid-Angriff auf Kinder

“Viele Weihnachtsbäume sind einem regelrechten Pestizidcocktail ausgesetzt. Die Wechselwirkung der Einzelstoffe auf die menschliche Gesundheit ist nahezu unbekannt“, sagt die Pestizidexpertin Corinna Hölzel vom der Naturschutz-Initiative BUND dazu. Rund zwei Drittel aller Bäume sind mit Pestiziden belastet. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des BUNDes. Die Naturschützer fanden:

  • Lambda-Cyhalothrin – Es gilt als das schädlichste Pestizid, das in der EU zugelassen ist. Das Gift attackiert das Nerven- und das Hormonsystem. Es ist hoch giftig für Bienen und Wasserlebewesen.
  • Chlorpyrifos – Der Wirkstoff ist in Deutschland nicht zugelassen. Er soll Erbgut und Nerven von Kindern schädigen.
  • Tau-Fluvalinat Das Pestizid ist für den Weihnachtsbaum-Plantagen ebenfalls nicht zugelassen. Es trägt zum Bienensterben bei.

Der Plantagenanbau schädigt aber nicht nur die feiernde Familie. Auch die Natur leidet. Die Pestizide reichern sich im Boden und im Grundwasser an. Die Ökobilanz einer Zuchttanne ist fast viermal schlechter als die eines Baumes aus dem Wald. Der Umwelt-Bund NABU empfiehlt daher den Kauf von Bäumen, die unter Hochspannungsleitungen wachsen oder auf Leitungstrassen wachsen. Die Flächen werden in der Regel von örtlichen Forstbetrieben unterhalten. Auch der kurze Transportweg verkleinert den Öko-Fußabdruck. Manchmal gibt es auch Aktionen, bei denen sich die Interessenten die Bäume am Ort aussuchen und abhacken – eine Gaudi für Groß und Klein.

Schafe statt Gifte

Noch besser sind – nach Meinung des NABU – jedoch zertifizierte Bäume aus ökologisch bewirtschafteten Kulturen. Organisationen wie FSC-, Naturland- oder Bioland kontrollieren den Anbau und verleihen entsprechende Siegel. Im Öko-Anbau werden für Neupflanzungen die Flächen nicht mit Herbiziden freigespritzt, sondern durch Mähmaschinen freigeräumt. Die Pflanzen in dem Raum zwischen den Bäumchen halten Schafe kurz. Sie düngen gleichzeitig die Baumschonung. Und weil keine Pestizide eingesetzt werden, können sich Insekten auf den Flächen halten, die den Schädlingsbefall verhindern. Totalverluste wie auf den produktivistischen Plantagen gibt es auf Öko-Weihnachtsbaumkulturen nicht.

Als Goldstandart gilt der zertifizierte Weihnachtsbaum im Topf. Allerdings sollten Anfänger ohne Erfahrung mit Topfpflanzen und ohne Gartenerfahrung eher die Finger davon lassen. Oft vertragen die Bäume den Umzug von draußen ins warme Wohnzimmer nicht.

Plastik geht gar nicht

Und wie steht es um die ökologische Bewertung des Plastik-Weihnachtsbaums? Die Vorteile sind einleuchtend. Der Plastikbaum verliert keine Nadeln, braucht keine Pflege und kann jedes Jahr neu verwendet werden. Auch Herbi- oder Pestizide fallen bei der Herstellung nicht an. Der Britische Carbon Trust wollte es genau wissen. Er hat verschiedene Weihnachtsbaum-Varianten bezüglich des CO2-Fußabdrucks verglichen. Die Plastiktanne schnitt mit 40 Kilogramm CO2-Äquivalenten am schlechtesten ab. Ein herkömmlicher Weihnachtsbaum, der auf der Mülldeponie landet, verbraucht nur 16 Kilogramm CO2-Äquivalente. Am besten schneidet ein Baum ab, der zu Hause verbrannt wird. Er hinterlässt nur 3,5 Kilogramm CO2-Äquivalente. Um mit Letzterem mithalten zu können, müsste ein Plastikbaum zehn Weihnachtzeiten lang die Wohnstube schmücken.

Mehr: NABU, Green Petfood

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