Paris bekämpft den Motorenlärm mit Antikrach-Radarfallen

Ein einzelnes Motorrad, das nachts Paris durchquert, weckt 10 000 Menschen. Lange haben die Bewohner von Frankreichs Hauptstadt geduldig den Lärm von Motorrädern und -rollern ertragen. Jetzt will die sozialistische Bürgermeisterin Anne Hidalgo mit Antikrach-Radarfallen dem Terror ein Ende machen.

Flüstertüten Lärmterror soll bestraft werden(R.B./Pixelio.de)

Auf den ersten Blick sehen sie aus wie zwei Nistkästen. In viereinhalb Meter Höhe sind die beiden grauen Boxen an einer Straßenlaterne in der rue Cardinet im 17. Bezirk befestigt. Eine weitere Antikrach-Radarfalle überwacht in einer Straße im volkstümlichen 20. Bezirk die Ruhe der Anrainer.

ANZEIGE

Noch können Fahrer von überlauten Vehikeln die Lärmmesser ungestraft passieren. Vorläufig sind die Geräte nur im Probebetrieb. Während der kommenden drei Monate soll lediglich das reibungslose Funktionieren der Lärmüberwachung kontrolliert werden. Denn technisch ist es keineswegs einfach, auf einer belebten Straßen den Lärm präzise einem Fahrzeug zuzuordnen. Schließlich muss auch das automatische Ablesen selbst kleiner Nummernschilder von Zweirädern rechtssicher funktionieren.

135 Euro Strafe

Weil die Genehmigungsverfahren so kompliziert sind, muss die Stadt Paris noch bis zum Frühling 2023 auf die möglichen Einnahmen durch Lärmknöllchen verzichten. Doch dann zahlen motorisierte Radaubrüder 135 Euro pro Übertretung. Für Schnellzahler, die binnen 14 Tagen überweisen, kostet das Krachmachen nur 90 Euro. Für Frankreichs Steuerzahler ist die Antilärm-Aktion zunächst nicht ganz billig. Die Kästen kosten zwischen 20 000 und 30 000 Euro. In Paris haben sich dennoch schon mehrere Bezirksbürgermeister sowohl aus den Reihen der Konservativen (Les Républicains) wie der Sozialisten in die Warteliste für weitere Antilärm-Radare eingetragen.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

Lärmteppich auch auf dem Lande Am Wochenende ist die Hölle los (Ministère de la Transition écologique)

Ob Frankreichs Motorrad-Fans die Überwachung kampflos hinnehmen werden, ist fraglich. Bereits die Ankündigung von Parkgebühren für motorisierte Zweiräder in Paris hat im vergangenen Jahr mehrfach Motorradfahrer-Demonstrationen provoziert. Bürgermeisterin Hidalgo musste die Maßnahme auf den kommenden Herbst verschieben.

Antikrach-Radar in Paris Starenkästen gegen Lärm (Clement Dorval/Ville de Paris/C)

Doch auch Lärmfeinde fragen sich, ob es nicht wirksamere Maßnahmen gibt. Der Pariser Ratsherr Alexandre Florentin (Groupe Écologiste) fordert, der Staat solle schon bei der Zulassung strengere Regeln gegen den Lärm von Zweirädern setzen. Und er solle die regelmäßige technische Überwachung, so wie sie für Autos gilt, auf Motorräder und -roller ausdehnen.

Angst vor Blockade der Motorrad-Fans

Frankreich ist eines der wenigen Länder in der Europäischen Union, das die entsprechende EU-Verordnung von 2014 noch nicht umgesetzt hat. Im vergangenen Sommer sollte ein Erlass des Staatspräsidenten diesen Zustand beenden. Doch einen Tag nach der Veröffentlichung zog Emmanuel Macron das Dekret zurück – wahrscheinlich aus Angst vor Blockaden aufgebrachter “motards”.

Mehr: Le Monde

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*