Satte Steigerung – Jedes Jahr 20 Prozent mehr Investitionen in Geothermie

Geothermie boomt. Weltweit stecken Investoren Jahr für Jahr ein Fünftel mehr Geld in die Anlagen. Energieplaner schätzen vor allem die wetterunabhängige Grundlastfähigkeit.

Geothermie boomt - Vor allem Entwicklungsländer in geologisch aktiven Gebieten  investieren. (Rystad Energy)
Geothermie boomt – Vor allem Entwicklungsländer in geologisch aktiven Gebieten investieren. (Rystad Energy)

Bis 2030 sollen die globalen jährlichen Investitionen von aktuell 6,19 Milliarden US-Dollar auf 8,98 Milliarden US-Dollar steigen. Dies ist das Ergebnis einer Studie der norwegische Energie-Denkfabrik Rystad Energy. Vor allem Länder in geologisch aktiven Regionen wie Indonesien oder Kenia investieren in die Geothermie. In diesen Gebieten finden sich heiße Gesteine vergleichweise dicht unter der Erdoberfläche. Der Aufwand für die Explorierung und die Bohrungen ist folglich geringer. Die Neuinvestitionen von Indonesien und Kenia machen daher etwa ein Drittel weltweiten Geothermie-Investitionen aus.

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Außerhalb dieser Zone wachsen die Ausgaben für die Energie aus den Tiefen der Erde vor allem in den USA. Die US-Investoren schätzen die Zuverlässigkeit der klimafreundlichen Erdenergie. In den Vereinigten Staaten entstehen zurzeit viele Rechenzentren für KI-Anwendungen. Sie brauchen jede Menge Grundlaststrom, der dauernd zur Verfügung steht. Anders als Solar- und Windenergie steht Tiefenwärme zuverlässig und unabhängig von Wind, Wetter und Tageszeit zur Verfügung.

Unabhängig von Wind und Wetter

Dafür nehmen Planer und Investoren auch die höheren Investitionskosten in Kauf. Ein geothermisches Kraftwerk erfordert pro Watt elektrischer Energie immerhin rund 5,20 Euro an Investitionen. Damit ist die Bereitstellung der Energie ähnlich teuer wie die von Atomkraftwerken. Deren Kosten liegen etwa zwischen fünf und sieben Euro pro Watt. Sie übersteigt jedoch deutlich die Investitionskosten für Gaskraftwerke mit 0,70 bis 1,80 Euro. Auch Photovoltaik mit 1,50 – 3,00 Euro oder Windkraft an Land sind mit etwa 1,50 bis 2 Euro pro Watt Kraftwerksleistung günstiger.

Bei den Gestehungskosten, also Kosten des laufenden Betriebs einschließlich der Investitionen, liegt die Geothermie mit 6 bis 10 Cent pro Kilowattstunde trotz der Gratiswärme aus der Erde zwar noch oberhalb des Aufwandes von Gaskraftwerken mit rund 5 Cent pro Kilowattstunde. Dennoch entscheiden sich Investoren wegen der Planungs- und Preissicherheit zunehmend häufig für Geothermiekraftwerke. So geht eine Analyse der Internationalen Energie Agentur (IEA) davon aus, dass die Gestehungskosten pro Kilowattstunde für Gaskraftwerke aufgrund der Dynamik der Gaspreise bis zum Jahr 2030 auf 12 Cent steigen. Den Kostenvorteil von Photovoltaik mit etwa 3 bis 11 Cent pro Kilowattstunde oder Windstrom an Land mit rund 4 bis 8 Cent gleicht die Geothermie hingegen durch ihre Grundlastfähigkeit aus.

Fernwärme besonders günstig

Bei der Nutzung der Geothermie für die Versorgung von Heizungen kommt ein zusätzlicher Vorteil ins Spiel: Die Investitionskosten für Fernwärmeprojekte betragen mit rund 2,60 Euro pro Watt nur die Hälfte der Kosten für den Bau eines Elektrowerkes. Der Unterschied ergibt sich daraus, dass Fernwärmesysteme keine teuren Turbinen und Generatoren brauchen. In Europa – vor allem in den Ländern des ehemaligen Ostblocks – verfügen darüber hinaus viele Städte über ein bestehendes Fernwärmenetz. Etwa zwei Drittel der geothermalen Heizkapazität weltweit ist daher in Europa installiert.

Installierte Goethermie-Kapazität Nutzung für Fernwärme vornehmlich in Europa (Rystad Energy)

Erdwärme gilt als unterschätzte Energiequelle. Die geothermische Energie hält in Deutschland zwar etwa 9 Prozent des Anteils an der Wärmeerzeugung. Der Löwenanteil entfällt dabei jedoch auf oberflächennahe Nutzung für Wärmepumpen. Die sogenannte tiefe Geothermie – mit Bohrungen von mehr als 400 Meter Tiefe – liefert nicht einmal ein Prozent der in Deutschland benötigten jährlichen Heizenergie von rund 800 Terawatt. Heizwärme stammt nach wie vor zum großen Teil aus fossilen Quellen – vornehmlich aus Erdgas. Nur etwa ein Sechstel der Heizwärme wird nachhaltig erzeugt.

Heißer Globus

Dabei sind 99 Prozent der Erdmasse heißer als tausend Grad Celsius. Allein die oberen zehn Kilometer der Erdkruste, ein nur kleiner und relativ kalter Teil der Erde, bergen mit etwa 278 Milliarden Terawattstunden etwa hunderttausendmal so viel Energie wie die Menschheit benötigt. Selbst unter Berücksichtigung der beschränkten technischen Möglichkeiten könnte die tiefe Geothermie eine wesentlich bedeutendere Rolle bei der nachhaltigen Energieversorgung der Menschheit einnehmen. Einer Untersuchung der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften zufolge wäre die tiefe Geothermie schon heute in der Lage, 20 Prozent der Wärmeversorgung in Deutschland zu erbringen.

Mehr: Rystad Energy

1 Kommentar

  1. Wieder einmal interessant. Der Zubau bei Geothermie weist in den letzten 5 Jahren ein Exponentielles Wachstum auf. Aber in der Studie wird der Zuwachs in den nächsten Jahren wieder sinken. Diese Aussagen sahen wird auch beim PV-Ausbau über viele Jahre. Ein ständiges Wachstum beim Ausbau, aber die Prognose sagte immer, zumindest vom IEA, ab nächsten Jahr, wird es nur noch einen linear gleichbleibenden Ausbau geben.

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