Selbst Schneekanonen garantieren keine Pistengaudi mehr

Für Ski- und Snowboardfreunde brechen harte Zeiten an. Statt weißer Pisten finden sie grüne Landschaften vor. Auch Schneekanonen bieten keine Rettung.

Auf dem Gemsstock in den Schweizer Alpen beschneien Schneekanonen die Skipisten
Künstliche Beschneiung auf dem Gemsstock in den Schweizer Alpen Wenn selbst Schneekanonen versagen
Bild: Valentin Luthiger

Schon die Energiekrise raubt den Ski- und Snowboardfahrern diesen Winter einen Teil des gewohnten Vergnügens. Lifte fahren langsamer und ihre Sitze bleiben mitunter unbeheizt, um Strom zu sparen. Hüttenwirte lassen die Heizstrahler aus. Doch das sind nur Petitessen gegenüber dem Szenario, das eine aktuelle Studie der Universität Basel für die Zukunft des Wintersports ausmalt. Selbst Schneekanonen fallen demnach als Rettungsanker aus.

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Schneekanonen versagen bei zu hohen Temperaturen

Die Folge: Der pulvrige Spaß könnte ganz flach fallen. Zumindest in der beliebten Zeit der Winterferien und in Lagen unterhalb von 1800 Metern. Schuld ist die Klimaerwärmung. Sie mache weiße Pisten “zunehmend zur Seltenheit”, schreibt das Forschungsteam um Erika Hiltbrunner. Es nahm dafür das Skigebiet Andermatt-Sedrun-Disentis in den Schweizer Alpen genauer unter die Lupe.

“Die Physik setzt der künstlichen Beschneiung natürlich Grenzen”

Erika Hiltbrunner, Umweltforscherin

Wo wegen zu hoher Temperaturen keine Flocken vom Himmel fallen, helfe auch künstliche Beschneiung nicht weiter, erläutert die Wissenschaftlerin. Denn ist die Luft zu feucht und warm, entsteht zu wenig Verdunstungskälte, damit der Wassernebel gefriert und als Schnee zu Boden fällt. Hiltbrunner: “Hier setzt die Physik natürliche Grenzen.”

Kritik am enormen Wasserverbrauch für Kunstschnee

Erst bei anhaltenden Minusgraden können Schneekanonen die Pisten dauerhaft präparieren und für weiße Pracht sorgen. Doch die notwendige Kälte stellt sich infolge der veränderten Witterungsverhältnisse immer öfter erst im Januar und Februar ein. Also nach der Hauptsaison während der Winterferien.

Zudem laufen Naturfreunde vielerorts Sturm gegen zu viel Kunstschnee. Sie kritisieren vor allem den enormen Wasserverbrauch. Im Skigebiet Andermatt-Sedrun-Disentis würde er bis Ende des Jahrhunderts nach Berechnungen der Forscher in einem normalen Winter um 80 Prozent emporschießen. Von 300 auf 540 Millionen Liter. Noch halte der Oberalpsee bis 2050 dafür genügend Reserven bereit, heißt es in der Studie. Da das Wasser aber auch zur Stromproduktion genutzt wird, zeichne sich ein weiterer Konflikt ab.

Die Wirtschaftlichkeit steht in Frage

Außer ökologischen werfen die Erkenntnisse der Basler Forscher auch ökonomische Fragen auf. Um die milliardenschweren Investitionen in Lifte, Bergbahnen, Raupen und Schneekanonen zurück verdienen zu können, kalkulieren die Wintersportorte mit einer 100-tägigen Skisaison. Diese Zielmarke wird wegen des Schneemangels laut der Studie jedoch zunehmend schwieriger zu erreichen sein.

In den Mittelgebirgen sind grüne Hänge das neue Normal

In den deutschen Mittelgebirgen ist sie längst eine Illusion. Ein Beispiel ist der Fichtelberg im Erzgebirge bei Oberwiesenthal, mit 1250 Metern die höchste Erhebung in Sachsen. Dort reichte die Schneedecke nur einmal in den vergangenen neun Jahren für durchgehenden Skisport aus. Grüne Hänge sind das neue Normal.

Zusätzliches Problem: Ein exzessive künstliche Beschneiung geht ins Geld. Es muss über höhere Preise etwa für Tagespässe, Gondelfahrten und Kurbeiträge wieder herein geholt werden. “Irgendwann können sich Personen mit durchschnittlichem Einkommen solche Ferien schlicht nicht mehr leisten”, befürchtet Hiltbrunner daher.

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