So viel zahlt Deutschland für den Hitzesommer 2026

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Deutschland zahlt für den Klimawandel im Hitzesommer 2026 mindestens 36 Milliarden Euro. Dies ergibt eine vorläufige Bilanz der Umwelt-Initiative Greenpeace.

Sommerlandschaft Hitzesommer setzen Landwirtschaft, Wäldern Gewässern - und Menschen zu (Oliver Mohr/Pixelio.de)
Landschaft im August Hitzesommer setzen Agrarwirtschaft, Wäldern, Gewässern – und Menschen zu (Oliver Mohr/Pixelio.de)

Die Versäumnisse beim Klimaschutz kommen Deutschland teuer zu stehen. Im aktuellen Extremsommer haben Hitze, Dürre, Niedrigwasser sowie Erschöpfung am Arbeitsplatz zwischen 36 und 42 Milliarden Euro Kosten verursacht. Das entspricht etwa 0,8 bis 0,9 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Dabei handelt sich bei der Greenpeace-Studie mit dem Titel Wirtschaftliche Kosten des Extremsommers 2026 um eine vorläufige Kurzanalyse und nicht um eine abschließende Bilanz. Bei fehlenden aktuellen Daten greift die Untersuchung auf Daten früherer Extremjahre wie dem Hitzesommer 2018 zurück. Etliche Schäden lassen sich nicht belastbar beziffern. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Kosten eher höher ausfallen.

Der größte Kostenblock entsteht in Betrieben und Verwaltung. Hitzetage führen zu häufigeren Fehltagen. Aber auch die aktiv Arbeitenden erbringen nicht die gewohnte Leistung. Vor allem Menschen, die im Freien arbeiten, wie Bauern oder Bauarbeiter sind betroffen. Greenpeace geht für den diesjährigen Hitzesommer von Produktionsausfällen und -verlusten in Höhe von etwa 10,8 Milliarden Euro aus. Auch an den Schulen geht die Leistungsfähigkeit zurück. An heißen Tagen sinkt der Lernfortschritt laut Studien signifikant. Dazu kommen verkürzte Unterrichtstage. Bezogen auf die neun Millionen Schüler rechnet Greenpeace mit langfristigen Folgekosten von 3,2 Milliarden Euro.

Krankheit und Tod

Darüber hinaus steigen die Gesundheitskosten. An Hitzetagen geraten Herz und Kreislauf, die Atemwege und der Stoffwechsel unter Stress. Es kommt zu mehr Notarzteinsätzen und Einweisungen in die Krankenhäuser. Die zusätzlichen Gesundheitskosten addieren sich in diesem Sommer auf rund 1,5 Milliarden Euro. Vielfach kommt die Hilfe zu spät. Das Robert-Koch-Institut schätzt die Zahl der Todesfälle bis Anfang August auf rund 14 000 – mehr als je zuvor. Die Greenpeace-Untersuchung nimmt an, dass etwa 35 000 Lebensjahre verloren gingen. Um diesen Schaden volkswirtschaftlich darzustellen, nutzen die Greenpeace-Experten den sogenannten Wert eines statistischen Lebensjahres (VSLY). Der Wert beschreibt, wie viel eine Gesellschaft bereit ist, für Maßnahmen auszugeben, die – statistisch gesehen – Lebenszeit erhalten. Die 35 000 verlorenen Lebensjahre entsprechen gesundheitsökonomischen Kosten von 6,9 Milliarden Euro.

Betroffen ist auch die Natur – und somit die Land- und Forstwirtschaft. Der deutsche Bauernverband meldete verminderte Getreideerträge um neun Prozent. Auch beim Heu und anderen Futtermitteln fielen die Ernten schlechter aus. Die Schäden in der Landwirtschaft beziffert Greenpeace auf 3,4 Milliarden Euro. Schlimmer sieht es in der Forstwirtschaft aus. Die Trockenheit macht die Bäume anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Die genaue Höhe der Schäden wird sich erst in einigen Jahren ermitteln lassen. Daher geht Greenpeace von einem Schätzkorridor zwischen 5 und 7,5 Milliarden Euro aus.

Hitzesommer macht aus Rhein Gerinnsel

Der Hitzesommer setzte ebenso den Verkehrswegen zu. Bei Kaub sank der Rheinpegel bis Mitte August an 35 Tagen unter 78 Zentimeter. Diesen Tiefstand definiert das Institut für Weltwirtschaft als kritische Marke. Zeitweise drohte der Rhein in zwei Abschnitte zu zerfallen. Die Durchgängigkeit zwischen Basel und Amsterdam wäre dann nicht mehr gegeben. Seit dem Auftreten der geringen Wasserstände können die Frachtschiffe vielfach nur noch ein Fünftel der gewohnten Ladung aufnehmen. Allein das Rhein-Niedrigwasser verursacht – der Studie zufolge – Schäden zwischen 3,4 bis 4,5 Milliarden Euro. Doch nicht nur die Wasserstraßen leiden, auch Straßen und Schienen macht die Hitze zu schaffen. Vielfach wird der Asphalt weich; Eisenbahnschienen verformen sich. Greenpeace zufolge summieren sich die Schäden an den Verkehrswegen an Land auf 1,8 bis 3,7 Milliarden Euro.

Allianz: 668 Milliarden Dollar Schäden

Ohne Frage, die Schäden durch den Hitzesommer in Deutschland sind gewaltig. Doch andere Länder hat es deutlich schlimmer erwischt. Einer Untersuchung des Versicherungsriesen Allianz zufolge summieren sich die Schäden in Deutschland bis zum Jahre 2030 auf 131 Milliarden Dollar. Am schlimmsten treffen die Hitzewellen Frankreich. Unser westlicher Nachbar verliert bis 2030 240 Milliarden Dollar. Spanien – nach Bevölkerungszahl etwa 40 Prozent kleiner als Deutschland – verliert 120 Milliarden Dollar. Italien kommt auf Verluste von 147 Milliarden Dollar. Bis zum Ende des Jahrzehnts könnten die Hitzesommer den größten EU-Volkswirtschaften laut Allianz 638 Milliarden Dollar kosten.

Mehr: Greenpeace

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