Software-Malaise: VW wettet auf Elektroautobauer Rivian

VW leidet unter einer massiven Software-Malaise, weshalb neue Modelle später kommen als geplant. Abhilfe soll das kriselnde US-Start-up bringen.

Montagestraße des E-Autobauers Rivian: US-Know-how gegen Volkswagens Software-Malaise
Produktion beim E-Autobauer Rivian Kann das Start-up VWs Software-Malaise beheben? Bild: Rivian

Was haben Ex-VW-Chef Herbert Diess und Rivian-Gründer R.J. Scaringe gemein? Beider Ehrgeiz hat tiefe Schrammen abbekommen. Diess wollte den zweitgrößten europäischen Softwarekonzern nach SAP mit rund 10 000 Beschäftigten schaffen, um endlich die Software-Malaise der Wolfsburger in der Griff zu kriegen. Scaringe seinerseits traute sich zu, Elon Musks Tesla-Imperium ins Wanken zu bringen und mit seinem Start-up selbst zum Global Player der Elektromobilität aufzusteigen.

Software-Malaise lässt VW-Motor stottern

Diess kostete es den Job, weil der konzerneigene Software-Spezialist Cariad nicht lieferte – mit der Folge von teils jahrelangen Verzögerungen bei der Einführung neuer Modelle besonders im E-Segment und erheblicher Zusatzkosten. Scaringe bringt die schwache Nachfrage nach seinen batteriegetriebenen Pick-ups und SUV in Schwierigkeiten. Im ersten Quartal dieses Jahres fuhr das Unternehmen einen Verlust von 1,45 Milliarden US-Dollar ein und trennte sich von einem Zehntel seiner Belegschaft.

Nun gehen der deutsche Traditionskonzern und der strauchelnde Newcomer einen Pakt ein, der beiden aus der Patsche helfen soll. Bis 2026 investieren die Wolfsburger fünf Milliarden US-Dollar in das Start-up, unter anderem in ein 50:50-Gemeinschaftsunternehmen, das VW endlich Zugang zu modernsten Softwaresystemen für Stromer verschaffen soll. Inklusive Vernetzung der Fahrzeuge, Multimediasysteme und autonomem Fahren.

Hoffnung auf China-Speed durch Einstieg bei Xpeng

“Durch unsere Zusammenarbeit werden wir die besten Lösungen schneller und zu geringeren Kosten in unsere Fahrzeuge bringen”, hofft Volkswagen-Chef Oliver Blume.

Scarings wiederum ermöglicht die Finanzspritze aus Wolfsburg, endlich das lange angekündigte preiswerte elektrische SUV-Modell R2 auf den Markt zu bringen und eine halbfertige Fabrik in Georgia zu Ende zu bauen. Mit einem vorausichtlichen Kaufpreis von 45 000 US-Dollar soll der R2 neue Käuferschichten erschließen. Bisher kostet das günstigste Fahrzeug, ein Pick-up, 70 000 US-Dollar.

Es ist nicht das erste Mal, dass VW-Boss Blume Expertise von außen einholt, um Rückstände bei der digitalen Hochleistungs-Architektur für Steckerautos aufzuholen und der Software-Malaise beizukommen. Erst Mitte April ging er dazu eine 5-Prozent-Beteiligung am privaten E-Autohersteller Xpeng ein. Die Wolfsburger überschrieben ihre Mitteilung zu dem Deal mit: “In China-Speed zum smarten Auto.” Viel verräterischer kann man die eigene Lahmheit kaum hervorheben.

Auch Ford mit Problemen

Der zweitgrößte Autokonzern der Welt steht mit seinen Problemen beim Übergang von der Verbrenner- in die elektrische Welt indes nicht alleine da. Mit neunmonatiger Verzögerung startete Ford Anfang Juni in Köln die Produktion eines ersten Elektro-Modells für den europäischen Markt – unter denkbar ungünstigen Begleitumständen. Das Interesse der Käufer ist überschaubar, der Deutschland-Chef verließ holterdipolter das Unternehmen. Neue Unruhe tragen weitere Personalabbaupläne in die Belegschaft.

Mehr: techcrunch n-tv reuters nytimes

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*