Solarpaneele müssen nicht Landschaften und Städte verschandeln. Ein Schweizer Startup bietet eine neue Lösung: Bahn-Solaranlagen.

Zugegeben: Die Energiewende sieht nicht immer schön aus. Weder Windparks noch hektargroße Freiflächenanlagen mit Solarpaneelen sind eine Zierde der Landschaft. Tatsächlich haben sich Öko-Industrie und Klimabewegte bislang darauf verlassen, dass der Druck durch den Klimawandel groß genug sei, um Landschaftsschützer zum Schweigen zu bringen. Ein Irrtum! Nicht nur besorgte Landschaftschützer, auch Klima-Ignoranten und Fossil-Freunde verweisen auf die Verspargelung und Verspiegelung einst schöner Landschaften durch Windparks und Freiflächen-Solaranlagen.
Um so mehr verdienen Versuche, die Hässlichkeit der Energiewende einzudämmen, wohlwollende Beachtung. Ein erster Erfolg gelang dem Schweizer Startup Sun-Ways. Seit einem Jahr produziert ein Pilotprojekt im Kanton Neuenburg Strom. Der Clou: Die Paneele verunzieren nicht landwirtschaftliche oder Dachflächen. Sie liegen vielmehr diskret auf den Bahnschwellen zwischen den Gleisen. Hundert Meter Paneele sind bei dem Pilotprojekt verlegt worden.
Milliarden Kilowattstunden
Seit der Verlegung hat die kleine Anlage immerhin 16 000 Kilowattstunden Strom erzeugt. Das entspricht dem Verbrauch von drei bis vier Haushalten. Sun-Ways geht davon aus, dass die rund 5300 Kilometer des Schweizer Schienennetzes bis zu einer Milliarde Kilowattstunden liefern können. Auf Deutschland bezogen mit seinem Netz von etwa 39 000 Kilometer ergäben sich folglich rund 7,4 Milliarden Kilowattstunden. Das entspricht grob gerechnet dem Verbrauch von etwa zwei Millionen Haushalten.

Elftausend Züge sind inzwischen über die Solarflächen des Pilotprojektes gedonnert – ohne dass es zu einem Zwischenfall gekommen wäre. Weder die Wartung noch die Reinigung der Flächen haben den Zugverkehr beeinträchtigt. Die Reinigung erledigt sich überraschenderweise weitgehend von selbst. Zu Beginn des Projektes sollte eine runde Bürste am Zugende den Staub beseitigen. Dann stellten die Mitarbeiter von Sun-Ways allerdings fest, dass die Züge hinreichend Wind erzeugten, um den Staub auf den Paneelen wegzublasen. Immerhin fahren die Züge auf dem Testabschnitt bis zu 90 Stundenkilometer schnell.
Auch die Demontage für eventuelle Reparaturen stellte sich als einfacher heraus als erwartet. Spezielle Geräte lösen in nur zehn Minuten die sechs Meter langen Module von den Schwellen und trennen sie vom Stromnetz. Dabei geht es weniger um die – äußerst selten anfallenden – Reparaturen der Paneele, sondern um die häufiger notwendigen Ausbesserungsarbeiten an Schienen, Schwellen oder dem Gleisbett. Ähnlich einfach ist die Montage.
Nicht bestätigt hat sich die Befürchtung, die Oberflächen der Paneele könnten die Lokführer blenden. TransN, der Nahverkehrsbetrieb des Kanton Neuenburg, hat dazu bislang noch nie Beschwerden der Lokführer erhalten.
Internationales Interesse
Inzwischen interessieren sich etliche Bahngesellschaften für die diskreten Gleiskraftwerke. Die französische SNCF ist bereits seit Februar Kooperationspartner des Startups aus dem waadtländischen Ecublans. Die SNCF will bis zum Jahre 2030 rund ein Fünftel ihres Stromes selbst erzeugen. Dazu sollen neben Dächern von Bahnhöfen, Depots und Bürogebäuden verstärkt die Gleisflächen und deren Ränder herangezogen werden. Auch die italienische Staatsbahn will ein Pilotprojekt mit den Schweizern starten. Ebenso gibt es ein konkretes Projekt in Südkorea. Und indonesische Solarmanager sind eigens in die Schweiz gekommen um am Ort das Vorhaben zu studieren.
Mehr: TransN; swissinfo.ch

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