Statt Kohle – Hannovers Abwässer heizen künftig 13 000 Familien ein

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Eigentlich logisch: Abwässer sind warm. Was liegt näher, als der lauen, müffelnden Brühe die Wärme zu entziehen und damit Wohnungen zu heizen? Die Hannoveraner tun es. Gut so!

Abwässer heizen Wohnungen Montage der Großwärmepumpe im Klärwerk Hannover-Herrenhausen  (Jannis Bach/enercity)
Abwässer heizen Wohnungen Montage der Großwärmepumpe im Klärwerk Hannover-Herrenhausen (Jannis Bach/enercity)

Zu schade, um wegzuschmeißen. Denn das, was so aus Spül- und Waschmaschinen, Duschkabinen, Küchenspülen, Waschbecken, aber auch aus der Kloschüssel kommt, ist warm. Ziemlich warm sogar: Selbst im Winter liegt die Temperatur des gereinigten Klarwassers stabil bei etwa 12 bis 16 Grad Celsius. Damit ist es deutlich wärmer als beispielsweise das zehn Grad warme Rheinwasser, mit dem Köln künftig unter Einsatz von Großwärmepumpen etliche tausend Gebäude heizen will.

Für die direkte Nutzung sind allerdings auch 16 Grad zu wenig. Doch inzwischen ist die Technik so weit entwickelt, dass es kein Problem ist, dem Abwasser per Wärmetauscher diese Wärme weitgehend zu entziehen und per Wärmepumpe auf 95 Grad hochzutreiben. Das reicht, um Hannovers Wohnungen zu beheizen und mit Warmwasser zu versorgen. Schöner Nebeneffekt: Die Abwässer wärmen die Flüsse weniger stark auf.

Fernwärmenetz wächst

Hannovers Großwärmepumpen arbeitet – wie alle Wärmepumpen – nach dem Prinzip eines Kühlschranks, nur umgekehrt. Wärme aus der Luft, dem Grundwaser – in diesem Fall aus gereinigtem Abwasser – verdampft ein Kältemittel, das anschließend mit strombetriebenen Kompressoren verdichtet wird. Die dabei entstehende Wärme erhitzt das im Netz zirkulierende Fernwärmewasser auf rund 95 Grad Celsius. In der Regel schaffen es Großwärmepumpen, aus einer Kilowattstunde, die von den Motoren der Pumpen verbraucht wird, drei bis sechs Kilowattstunden Energie zu generieren.

Die neue Großwärmepumpe im Klärwerk Herrenhausen deckt mit einer Wärmeerzeugung von rund 130 Gigawattstunden pro Jahr künftig sieben bis acht Prozent des gesamten Fernwärmebedarfs von Hannover. Etwa 13 000 Haushalte soll die neue Anlage versorgen. Hannover hat derzeit ein Fernwärmenetz von 360 Kilometer. Langfristig soll das Netz auf rund 550 Kilimeter erweitert werden. In den nächsten 14 Jahren sollen etwa 18 000 Gebäude, viermal so viele wie heute, mit klimaneutraler Fernwärme versorgt werden.

Abwässer liefern die Wärme – statt Kohle

Hannovers Versorger Enercity investiert in die neue Anlage rund 56 Millionen Euro. Schon ab dem kommenden Jahr soll der Regelbetrieb starten. Die neue Anlage ist für den Versorger ein wesentlicher Schritt aus der Abhängigkeit von der Kohle und steigenden CO₂-Kosten. Nach der Stilllegung des ersten Kohleblocks im März treibt enercity den Ersatz des zweiten Kohleblocks voran. Bis Ende des Winters 2027/28 soll das Kohlekraftwerk vollständig durch ein klimaneutrales Anlagenportfolio ersetzt sein. Enercity ersetzt das Kohlekraftwerk in Stöcken daher schrittweise durch über ein Dutzend klimafreundliche Erzeugungsanlagen – darunter Großwärmepumpen, Power‑to‑Heat‑Anlagen, das Biomasse‑Heizkraftwerk, MVA-Abwärme und die Klärschlammverwertung.

Die Bedeutung der Heizwärme für die Klimapolitik wird häufig unterschätzt. Der Wärmesektor verursacht in Deutschland rund 40 Prozent der CO₂‑Ausstöße. Zum Vergleich: Die Stromerzeugung verursacht nur rund 25 Prozent.

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