Teslas Vorzeige-Model S patzt beim TÜV – und andere E-Autos sind nur so la la

Einfache Technik, weniger Teile. Elektroautos sollten beim TÜV eigentlich besser abschneiden als Verbrenner. Tun sie aber nicht. Jetzt hat der TÜV-Verband die erste Auswertung bekannt gegeben. Die Ergebnisse könnten besser sein.

Tesla Model S Mit Abstand die meisten Mängel (Foto: Tesla)

Bislang konnte der TÜV keine Mängelliste veröffentlichen. Es waren einfach zu wenige E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs. Und sie waren noch nicht TÜV-reif. Jetzt hat der Technische Überwachungsverein die Ergebnisse für die vier Modelle, den BMW i3, Renaults Zoe, den Smart Fortwo Electric Drive und Teslas Model S bekannt gegeben.

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Um es vorweg zu nehmen: Der kleinste und preislich günstigste Wagen, der Smart Fortwo Electric Drive, schnitt am besten ab. Die Mängelquote betrug nur 3,5 Prozent. In einer Gesamtauswertung mit PKW aller Antriebsarten würde der Zweisitzer im vorderen Drittel stehen.

BMW im Mittelfeld

Der BMW i3 würde dagegen bei diesem Vergleich nur noch ins Mittelfeld gelangen. Seine Durchfallquote betrug 4,7 Prozent. Das entspricht dem Durchschnitt, den der TÜV für seinen Gesamtbericht über die Prüfungen von Juli 2020 bis einschließlich Juni 2021 ausweist. Der i3 fiel auf wegen häufiger Defekte am Abblendlicht und an den Bremsscheiben. Allerdings wird das bereits 2013 lancierte Modell in diesem Sommer ohnehin auslaufen.

Den Drittplatz besetzt Renaults Zoe. 5,7 Prozent der geprüften Zoe-Modelle genügten nicht den TÜV-Anforderungen. Neben falsch eingestellten und defekten Scheinwerfern gab es auffallend oft Mängel an den Achsaufhängungen.

Ganz unten: Teslas Model S

Den miesesten Platz nahm aber Teslas Model S ein. Die über 800 geprüften Tesla-Fahrzeuge kamen auf eine Mängelquote von 10,7 Prozent. In Gesamtvergleich über alle Antriebsarten kämen nur der Dacia Duster und Dacia Logan hinter dem Luxusauto. Teslas Vorzeige-Wagen in der Preisklasse um hunderttausend Euro fiel wegen Mängeln am Abblend- und Nebellicht auf. Vor allem wurden Probleme mit den Querlenkern angemahnt.

Bei vielen untersuchten PKW monierte der TÜV rostige Bremsscheiben. Das liegt jedoch nicht etwa an der schlampigen Ausführung der Vehikel. Vielmehr werden, so der Geschäftsführer des TÜV-Verbands, Joachim Bühler, die Bremskomponenten bei Stromern “im Vergleich zu Verbrennern seltener benutzt”. Das Ergebnis: Sie korrodieren häufiger.

Rekuperation lässt Bremsscheiben rosten

Der Grund für den seltenen Gebrauch der Bremsteile liegt in der Rekuperation. Nimmt der Fahrer den Fuß vom Gaspedal, geht die Geschwindigkeit zurück. Bei manchen E-Fahrzeugen ist dieser Effekt bewusst ausgebaut worden. Man spricht dann vom sogenannten Ein-Pedal-Fahren. Die klassische Bremse dient nur noch für das komplette Anhalten. Bühler rät den E-Fahrern, die Bremse nach Möglichkeit bei jeder Fahrt zu betätigen und die Bremsscheiben regelmäßig zu warten.

Den Herstellern sind die Probleme inzwischen bekannt. Sie entwickeln zunehmend Bremsen, die weniger schnell korrodieren. So hat der italienische Bremszulieferer Brembo vor gut einem Jahr die sogenannte Greentive-Scheibe vorgestellt. Die neue Bremsscheibe verfügt über eine neuartige Oberflächenbeschichtung, die mittels HVOF-Technik (High-Velocity-Oxy-Fuel) aufgetragen wird. Diese Hochgeschwindigkeits-Flammspritzen-Technik macht die neue Scheibe gegenüber Rost unempfindlich. Sie verleiht der Bremsscheibe darüber hinaus eine spiegelnde Oberfläche. Nicht nur italienische Autofahrer schätzen den damit verbundenen optischen Effekt.

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