Über 30 Grad Celsius Wassertemperatur – Deutschlands Seen im Hitzestress

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Im Berliner Müggelsee stieg die Wassertemperatur während der vergangenen Hitzewelle in Ufernähe auf 33 Grad. Der Sauerstoff im Wasser wird knapp. Die meisten Lebewesen kommen damit zurecht. Noch!

Sommeridylle am Berliner Müggelsee - leider mit zu hoher Wassertemperatur (Berit Kraushaar)
Sommeridylle am Berliner Müggelsee – leider mit zu hoher Wassertemperatur (Berit Kraushaar)

Deutschlands Gewässer stehen unter Hitzestress. Selbst in fließenden Gewässern wie Rhein und Mosel stieg die Wassertemperatur auf 26 Grad Celsius. In stehenden Gewässern erreichten die Temperaturen häufig 30 Grad und mehr. Vor allem flache Seen leiden unter der Hitze. Wissenschaftler des Leibnitz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) in Berlin haben am Beispiel des Müggelsees die Folgen der Hitzewelle skizziert.

Der 7,4 Quadratkilometer große See leidet unter den Folgen des Klimawandels. Während der vergangenen Jahrzehnte stiegen die Temperaturen des Sees im Schnitt alle zehn Jahre um 0,5 Grad Celsius an. Der Temperaturanstieg des Gewässers im Südosten Berlins ist typisch für deutsche Seen: Mit einer Zunahme von zwei Grad seit 1980 liegt der Müggelsee genau im Durchschnitt. Eine Studie des IGB aus dem Jahr 2025 zeigt anhand von Langzeitdaten aus 46 deutschen Seen, dass sich die Oberflächentemperatur des Wassers in den letzten 30 Jahren stärker erhöht hat als die Lufttemperatur. Zwischen 1990 und 2020 haben sich die Seen um 0,5 Grad Celsius pro Dekade erwärmt, die Luft nur um 0,43 Grad.

Bereits in den Jahren 2006 und 2018 gab es Hitzewellen mit Temperaturen knapp unter 30 Grad, gemessen in einem halben Meter Wassertiefe an der IGB-Messstation im Müggelsee. Aber die Messungen Ende Juni 2026 mit 30,2 Grad Celsius sind ein neuer Rekord. Direkt am Ufer ermittelten die IGB-Forscher sogar eine Wassertemperatur von 32,7 Grad. Selbst am tiefsten Messpunkt der Station in fünf Metern Tiefe war das Wasser mit etwa 20 Grad Celsius recht warm. 

Wassertemperatur verknappt Sauerstoff

Tiefere Seen bilden in den warmen Jahreszeiten Schichten mit unterschiedlichen Temperaturen. Kälteres Wasser ist schwerer als warmes Wasser und sinkt deshalb ab. Die Schichtung verhindert, dass sauerstoffreiches Wasser zum Grund gelangt. Ohne diese Trennung würden im Sommer aufgewirbelte Nährstoffe aus dem Sediment zu massiver Algenblüte führen. Das Gewässer könnte kippen.

Anders ist es bei flachen Gewässern wie dem – an der tiefsten Stelle nur acht Meter tiefen – Müggelsee. In den früher vergleichsweise milden Sommern wurde das Wasser vom Wind durchmischt. Nur während extremer Hitze bildet sich eine Schichtung. Was tiefen Seen hilft, kann jedoch flache Seen zum Umkippen bringen. Denn ein flacher See hat nur ein kleines Sauerstoff-Budget. In Hitzeperioden mit Windstille ist es schnell erschöpft. Dieses Budget wird zusätzlich verknappt, weil warmes Wasser weniger Sauerstoff speichert. Liegt zusätzlich am Seeboden reichlich organisches Material herum, dass von Bakterien zersetzt wird, erschöpft sich der Sauerstoffvorrat schnell.

Falls es dann zu starken Gewittern kommt, wird die Situation für das Öko-Systems heikel. Der starke Gewitterwind durchmischt das Seewasser über alle Schichten. Das weitgehend sauerstofffreie Bodenwasser ist jedoch oft mit giftigen Gasen belastet. Dies kann den Sauerstoffgehalt des Sees innerhalb von wenigen Minuten nahe Null bringen: Der See kippt um; es kommt zum Fischsterben.

Blaualgen-Alarm

Tatsächlich ist der Sauerstoffgehalt in den 46 vom IGB untersuchten deutschen Seen zwischen 1990 und 2020 deutlich gesunken. In 51 Prozent der Sommermessungen lag die Sauerstoffkonzentration unter zwei Milligramm pro Liter. Zwei Milligramm Sauerstoff pro Liter Wasser gelten als Schwellenwert für das Überleben vieler sauerstoffbedürftiger Organismen in Seen. Wie also gehen die Fische mit den steigenden Temperaturen und sinkenden Sauerstoffkonzentrationen um? Im Müggelsee kommen insgesamt 26 Fischarten vor, darunter Karpfen, Flussbarsch, Zander, Plötze, Wels und Aal. „All diese Arten sind recht temperaturtolerant. Das bedeutet, dass sie bei Sauerstoffmangel auch in andere Wasserschichten umziehen können“, sagt IGB-Fischökologe Thomas Mehner.

Bedroht bleiben sie dennoch. So vermehrten sich während der Hitzewelle Ende Juni Fadenalgen und Kleinstlebewesen im Müggelseee ungewohnt stark. Das Wasser trübte sich ein. Weniger Licht kam bei den Pflanzen an. Vor allem Algen und Cyanobakterien, auch Blaualgen genannt, wachsen bei wärmeren Temperaturen gut. Sie verkraften auch einen niedrigen Sauerstoffgehalt. Bei einem Überangebot an Nährstoffen (insbesondere Phosphat) und warmen Temperaturen vermehren sie sich explosionsartig. Der anschließende Zersetzungsprozess verknappt den Sauerstoff im See zusätzlich.

Muscheln filtern – noch

Allerdings verfügt der größte See Berlins – wie vergleichbare Gewässer – über eine Art Gesundheitspolizei in Form von Quagga-Muscheln. Die invasive Art aus der Schwarzmeer-Region filtert das Wasser des Müggelsees zweimal täglich durch. Das Seewasser ist seit ihrem Eindringen vor etwa 15 Jahren deutlich klarer geworden. Sie dezimieren auch die Blaualgen. Allerdings macht den Muscheln die Hitze ziemlich zu schaffen. Experiemente zeigten, dass Quagga-Muscheln bei einer Wassertemperatur von 32 Grad Celsius nach vier Stunden eingehen. Bei 28 Grad hören sie auf zu filtrieren. Blaualgen können sich dann wieder verstärkt vermehren.

Fazit: Es ist noch einmal gut gegangen. Wäre die vergangenen Hitzewelle einen Tick wärmer ausgefallen und hätte sie länger angehalten, hätte das ökologische Gleichgewicht des beliebten Badesees kippen können. Das gilt auch für vielen andere Seen unserer Klimazone.

Mehr: Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB)

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