Überraschender Befund: Unsere Ur-Ahnen aßen vielfältiger als heutige Menschen

Hätten Sie’s im Anblick überbordender Supermarktregale für möglich gehalten? Wir ernähren uns heute weniger abwechslungsreich als die Generationen vor 100 Jahren.

Schweine im Freiland
Schweinemast im Freien Früher war die Kost nicht ungesünder Foto: ramboldheiner on Pixabay

Kiwi aus Neuseeland, Erdbeeren im Winter, Hüftsteaks aus Argentinien – die heutigen Menschen, jedenfalls die Wohlhabenden unter ihnen, können rund ums Jahr essen, was immer sie gerade begehren. Alles ist im Zeitalter von Flugzeugen und Kühlketten jederzeit verfügbar.

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Dennoch fanden australische Wissenschaftler der James Cook Universität in Cairns anhand von 14 000 Gewebeproben heutiger Erdbewohner und längst Verstorbener mittels einer Isotopenanalyse nun heraus, dass sich unsere Vorfahren vor 1910 im Durchschnitt drei Mal vielfältiger ernährten als wir. Egal in welcher Region der Erde sie lebten.

Die moderne Landwirtschaft begünstigt die Nahrungsmonotonie

Wie das? Des Rätsels Lösung liegt in der weltweiten Verbreitung der Methoden einer modernen Landwirtschaft. Die Erfindung von Kunstdünger, hochgezüchtetes Saatgut, Massentierhaltung und der Einsatz von Maschinen beflügelten zwar die Erträge und führten zu einem Rückgang von Hungersnöten. Doch die Entwicklung hat auch eine Kehrseite.

Bediente der Mensch sich einst aus einem unglaublichen breiten Nährstoffspektrum an Pflanzen und Tieren, verkümmerte die Auswahl mit zunehmender Industrialisierung immer mehr. Heute dominieren wenige Varianten das Nahrungsangebot. Und im Zuge globaler Lieferketten gleicht es sich über die Kontinente zunehmend an. Mit anderen Worten: Wir essen mehr oder weniger alle das Gleiche, ob Europäer, Asiat oder Amerikaner – die Unterschiede schwinden. Unabhängig davon, ob sich jemand vorwiegend mit Fleisch ernährt oder vegetarisch lebt.

Sind Diabetes und Fettleibigkeit Folgen der Verarmung?

Wie sich das auf unsere Gesundheit auswirkt, haben die Forscher nicht untersucht. Doch könnte es nicht zufällig sein, dass wir Diabetes, Fettleibigkeit und Bluthochdruck “Zivilisationskrankheiten” nennen. Nur die wenigen verbliebenen Naturvölker weisen noch den bunten Speiseplan auf, der uns früher allen zu eigen war.

Klimawandel könnte zum Umdenken zwingen

Ausgerechnet der Klimawandel könnte nun eine Umkehr erzwingen. Die steigenden Temperaturen lassen in vielen Regionen die Ernteerträge teils drastisch schrumpfen. Wie aber wollen wir die wachsende Menscheit unter diesen Umständen dennoch satt bekommen?

In Berlin gedeiht die Idee vom Weltacker als nachhaltigem Speisezettel für Mensch und Erde. Dort führen Aktivisten um den Vordenker Benedikt Härlin lebensnah vor, dass 5,5 Quadratmeter Fläche ausreichen, um jeden Erdbewohner täglich ausreichend mit allem Lebenswichtigen zu versorgen – inklusive Kleidung und Energie. Heute nimmt jeder Europäer ein Vielfaches dieses Raums für sich in Anspruch.

Mehr: Spiegel

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