Der Autokonzern Volkswagen steigt ins Geschäft mit Stromspeichern ein. Das befeuert den Kampf gegen die von der Bundesregierung geplanten Gaskraftwerke für den Fall, dass Solar- und Windanlagen zu wenig Strom liefern. Zugleich bescheinigt eine neue Studie den Meilern, zu extrem hohen Kosten zu produzieren.

Besser spät als gar nicht. So ließe sich die Entscheidung von Volkswagen überschreiben, ins Geschäft mit gespeichertem Strom aus erneuerbaren Energien einzusteigen. Die Energietochter Elli des Autokonzerns hat am Standort Salzgitter ihren ersten Großspeicher an das Stromnetz angeschlossen. Er verfügt über eine Speicherkapazität von 40 Megawattstunden, das reicht, um knapp 30 000 Haushalten bei sechs Stunden ohne Strom aus erneuerbaren Energien mit Elektrizität zu versorgen. „Für uns sind Energiespeicher und Energiehandel ein neues strategisches Geschäftsfeld mit Wachstumschancen“, so Volkswagen-Chef Oliver Blume aufbrecherisch. „Als Volkswagen Konzern elektrifizieren wir Fahrzeuge und berücksichtigen dabei das gesamte System.“ Mit der der Konzerntochter Elli und deren Großbatterien steuere, speichere und handele VW Energie marktorientiert. Damit tritt Europas größter Autobauer zugleich unausgesprochen in Wettbewerb zu den von der Bundesregierung geplanten rund 20 Gaskraftwerken, die bei wenig Wind und Sonne für die Erneuerbaren Energien einspringen sollen. Und und das just in einem Moment, in dem eine neue Untersuchung zeigt, dass die Meiler den Notstrom zwei- bis dreimal so teuer produzieren wie Speicher à la VW in Salzgitter.
Gaskraftwerke produzieren teuer und sind extrem klimaschädlich
Laut einer Kurzstudie der Berliner Denkfabrik Forum Ökologische Marktwirtschaft im Auftrag des Hamburger Grünstromanbieters Green Planet Energy ist für ein Gaskraftwerk mit einer Leistung von 500 Megawatt Leistung und einer optimistisch angenommen Laufzeit von 1 000 Stunde Volllast im Jahr mit reinen Stromgestehungskosten von 19,3 Cent pro Kilowattstunde zu rechnen. Die Kosten der Zertifikate für den CO2-Ausstoß hinzugerechnet, ergibt sich ein Betrag von 23, 0 Cent je Kilowattstunde. Das sind rund acht Cent mehr als der durchschnittliche Preis an der Leipziger Strombörse einschließlich Mehrwertsteuer in den zurückliegenden 60 Tagen. Doch das ist noch längst nicht alles. „Dazu kommt: Schon heute wird Erdgas in Deutschland umfangreich staatlich subventioniert, von milliardenschweren Zuschüssen für Gasspeicher und LNG‑Terminals bis zur Steuerbefreiung bei der Stromerzeugung. Diese Förderung senkt künstlich die Kosten von Gasstrom und verzerrt den Wettbewerb zulasten erneuerbarer Alternativen”, so Florian Zerzawy, Hauptautor der Studie.
Stromgestehungskosten von Gaskraftwerken sind schöngefärbt
Selbst diese Kalkulation ist aber noch sehr schön gerechnet. Denn erstens enthält sie nicht die Kosten, die die Verbrennung von Erdgas durch Schädigung des Klimas verursacht, ohne dass die Betreiber der Kraftwerke dafür aufkommen müssen. Werden diese sogenannten externen Kosten hinzugerechnet, erhöhen sich die Stromgestehungskosten je nach Berücksichtigung der Schäden auf 35 bis 63 Cent pro Kilowattstunde, zumal Flüssiggas nachgewiesenermaßen klimaschädlicher als Kohle ist. Und zweitens sind in der Kalkulation explosionsartige Preissteigerungen beim Erdgas wie zu Beginn des Ukraine-Krieges noch gar nicht eingerechnet, die die Stromgestehungskosten der Gaskraftwerke auf 56 Cent pro Kilowattstunden ansteigen ließen. Auch der Angriffskrieg der USA und Israels gegen den Iran ließ die Gaspreise heftig steigen.
„Die Bundesregierung setzt einseitig auf Erdgas als Back‑up. Dabei lässt sich Versorgungssicherheit auch mit erneuerbaren Alternativen erreichen: Speicher, Bioenergie und grüner Wasserstoff sind ähnlich teuer oder sogar günstiger – und nicht den geopolitischen Preissprüngen ausgesetzt, die Öl und Gas immer wieder verteuern”, so Sönke Tangermann, Vorstand von Green Planet Energy. Die Hamburger Genossenschaft fordert deshalb „eine energiepolitische Kurskorrektur“ in Form technologieoffener Ausschreibungen ohne Vorfestlegung auf neue Gaskraftwerke, verlässliche Investitionsbedingungen für erneuerbare Energien und einen konsequenten Ausbau von Netzen und Flexibilität.
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