Windkraftgegner verbreiten Zahlen, die um das Zwanzigfache über dem Aufkommen liegen. Tatsächlich ist der Anteil von Mikroplastik aus Windrädern in der Umwelt verschwindend klein.

Kommen wir erst einmal zu der unangenehmen Wahrheit: Ja, Windradflügel bestehen in der Regel aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Und, ja, sie geben Mikroplastik in die Umwelt ab. Der Grund ist banal. Hagel, Regen, Wind und Umweltchemikalien setzen den sich mit hoher Geschwindigkeit drehenden Rotorblättern zu. Dabei lösen sich kleinste Kunststoffteilchen von den Windradflügeln.
Das ist beim Betrieb eines Windrades nicht viel anders als bei der Nutzung von Plastikflaschen, beim Waschen von Hemden oder Socken mit Polyesteranteil oder bei der Alterung von Anstrichen. Mikrofasern sind inzwischen – Gott sei’s geklagt – überall. In Fischen, in der Milch, in Äckern oder im menschlichen Auge. Das ist weder natürlich und mit Sicherheit auch nicht gesundheitsfördernd. Doch andererseits sehen weder die Weltgesundheitsorganisation, noch das Bundesinstitut für Risikobewertung in der aktuellen Belastung ernsthafte Risiken.
Falsche Zahlen
Diese unangenehmen Wahrheiten werden von der Windkraftindustrie und der Politik nicht bestritten. Problem sind die Übertreibungen der Windkraftgegner. Im Netz kursieren Aussagen wie: „EU bestätigt höchst bedenklichen Abrieb hochgiftiger Mikroplastik von Windrad-Flügeln“. In einem anderen Beitrag heißt es: „Windräder verseuchen die Umwelt mit Mikroplastik – bis zu 62 kg pro Anlage und Jahr“. Als Quelle wird dabei auf eine Veröffentlichung von norwegischen Forschern aus dem Jahre 2021 verwiesen.
Doch die Ergebnisse dieser Studie stimmen nicht. Würden die Berechnungen der norwegischen Wissenschaftler zutreffen, müssten sich die Rotorblätter schon nach wenigen Jahren im Betrieb vollkommen aufgelöst oder sich so verformt haben, dass sie nicht mehr funktionierten. Tatsächlich arbeiten aber viele Windradflügel 30 Jahre oder länger. Die Norweger hatten den Fehler begangen, den Abrieb nicht in der Realität zu messen, sondern über eine theoretische Formel zu berechnen. Sie gingen dabei davon aus, dass die Erosion von Mikroplastik an den Rotorblättern sich gleichmäßig über die gesamte Betriebsdauer erstrecke.
Die norwegische Studie wurde in den vergangenen Jahren vielfach widerlegt. So kam im Jahre 2024 eine Studie der Technischen Universität Dänemark auf 30 bis maximal 1000 Gramm Erosionsverlust pro Rotorflügel und Jahr. Eine niederländische Untersuchung schätzt den Abrieb sogar nur auf rund 240 Gramm jährlich pro Anlage. Das macht über 30 Jahre ganze 7,2 Kilogramm. Der Bundesverband Windrad ist da (selbst-)kritischer. Ihm zufolge verliert ein Windrad etwa 2,24 Kilogramm pro Jahr und Anlage. Das entspricht etwa dem Ergebnis der dänischen Forscher.
Mikroplastik – Anteil minimal
Ausgehend von dem Wert von drei Kilogramm Abrieb pro Windrad verlieren die rund 30 000 Anlagen in Deutschland folglich jährlich 90 Tonnen Mikroplastik. Zum Vergleich: Allein der Abrieb von Reifen ergibt in Deutschland pro Jahr laut Schätzungen des Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT zwischen 60 000 und 100 000 Tonnen. Die gesamte Last an Mikroplastik in Deutschland beträgt einer Studie von Fraunhofer UMSICHT zufolge 330 000 Tonnen. Der Anteil aus der Windkraft käme also auf nicht einmal 0,03 Prozent – ein verschwindend kleiner Anteil. Übrigens: Selbst, wenn die Zahlen der norwegischen Forscher zuträfen, ergäben sich deutschlandweit nur 1900 Tonnen Mikroplastik von Windradrotoren pro Jahr – ein Hundertvierundsiebzigstel der Gesamtmenge.


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