Denn Wind- und Solarkraft sind inzwischen billiger als die Fossilen oder Strom aus Kernkraft. Das Problem sind die Netze. Der Ausbau wurde planmäßig hintertrieben.

Dass Öko-Strom billiger ist als Strom aus Erdgas, Erdöl, Kohle oder Kernkraft, ist inzwischen unbestritten. Windanlagen und Freiflächen-Solarpaneele liefern ihn in der Regel zu Gestehungskosten zwischen 4,1 und 9,2 Cent pro Kilowattstunden. Zum Teil sogar günstiger. Zum Vergleich: Modernste Kohlekraftwerke kommen auf Gestehungskosten von 15,1 bis 25,7 Cent. Strom aus AKWs auf 13,6 Cent bis 49,0 Cent. Wenig erstaunlich, dass Investoren sich zunehmend für Erneuerbare entscheiden. Rund 85 Prozent der neu zugebauten Energiekapazitäten gehen auf das Konto von alternativen Energien.
Die angeblich teure Öko-Energie ist also nicht die Ursache der hohen Stromrechnungen. Ein gewichtiger Grund hingegen ist der Zustand der Netze. Der Ausbau ist in der Vergangenheit planmäßig erschwert worden. Unvergessen ist die Politik der Bayerischen Staatsregierung unter Horst Seehofer (CSU). Der seinerzeitige bayerische Ministerpräsident (2008-2019) hatte sich auf die Seite von fragwürdigen Bürgerinitiativen geschlagen, die um Erdkabel anstelle der üblichen Freileitungen kämpften.
Populisten blockierten Netzausbau
Das Problem: Erdkabel sind pro Kilometer zehnmal teurer als Freileitungen. Gleichzeitig hintertrieb die Landesregierung den Ausbau von Windanlagen in Bayern. In beiden Fällen ging es vor allem um landschaftsästhetische Aspekte – und um die Angst bayerischer Grundbesitzer vor fallenden Bodenpreisen. Heute klagen CSU-Politiker darüber, dass der Strom aus dem windreichen Norden nicht nach Bayern gelangt. Inzwischen wurden die entsprechenden Gesetze zwar wieder rückgängig gemacht. Allerdings ging dank der populistischen Bayernspiele viel Zeit verloren. Und etliche Milliarden Euro wurden verschwendet.
Doch nicht nur da, wo um dicke Kabelstänge geht, hat die Netzpolitik versagt. Auch beim Ausbau intelligenter Netze fällt Deutschland weit zurück. In Ländern wir Italien, Spanien oder Frankreich sowie in den nordischen Ländern verfügen über 90 Prozent der Kunden über intelligente Stromzähler. In Deutschland liegt die Rate weit unter fünf Prozent. Dabei würde eine entschlossene Digitalisierung die Kapazität der Netze um rund ein Drittel steigern – ohne einen Euro für die Verlegung von Kabeln auszugeben.
Nachhaltiger Strom braucht intelligente Netze
Denn unser Verteilnetz ist im Durchschnitt nur zu 25 Prozent ausgelastet. Ein digitalisiertes Netz würde zeitliche Lastenverschiebungen ermöglichen – und die Verbraucher mit günstigen Tarifen belohnen. Autofahrer könnten dann ihre Autos nachts laden und dabei sparen. Kühlhäuser könnten Kälte bunkern, wenn die elektrische Energie billig ist. Haushalte können mit variablen Tarifen bis zu einem Drittel ihrer Stromkosten einsparen. Gleichzeitig leisten sie damit einen Beitrag zur Stabilisierung des Netzes. Nachhaltige Stromversorgung ist darauf angewiesen. Denn der Wind weht nicht ununterbrochen. Und die Sonne scheint auch nicht dauernd.
Bundeswirtschaftministerin Katherina Reiche (CDU) hat zwar die Kluft zwischen dem katastrophalen Netzzustand und dem schnellen Wachtstum der Erneuerbaren erkannt. So weit, so gut! Doch statt die Netze beschleunigt auszubauen und zu digitalisieren, hat sich die Ex-Energie-Managerin dafür entschieden, den Ausbau der Erneuerbaren auszubremsen. Zusätzlich will sie den Ausbau von Batteriepuffern verlangsamen. Doch gerade diese Puffer werden gebraucht, um die zeitliche Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen. Reiches Ansatz besteht vor allem darin, dafür zu sorgen, dass weniger nachhaltiger Strom produziert wird. Geringeres Angebot treibt aber die Preise. Vernünftiger wäre es, dafür zu sorgen, dass günstig – also nachhaltig – erzeugter Strom besser zum Verbraucher kommt.
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