Uruguay zeigt, was geht, wenn die Politiker es wollen: Das kleine Land in Südamerika produziert 98 Prozent seines Stroms mit Hilfe erneuerbarer Energie – und voller Unterstützung der Bevölkerung.

Vor gut einem halben Jahr berichtete Greenspotting erstmals über Uruguay – weil das Land eine Vorreiterrolle in Südamerika bei der Nutzung von Elektroautos spielt. Nun steht der südamerikanische Kleinstaat mit 4,2 Millionen Einwohnern abermals im Fokus, was die Energiewende angeht. Denn die Urus stellen inzwischen so viel Strom mit Hilfe erneuerbarer Energien her wie kein anderes Land auf der Welt: sage und schreibe 98 Prozent. Dies sei kein Hexenwerk gewesen, so Méndez Galain, der ehemalige Nationale Energiedirektor des Landes, sinngemäß. „Die uruguayische Lösung lässt sich definitiv anderswo wiederholen. Wer Menschen und Unternehmen hat, die Forschung betreiben und künstliche Intelligenz weiterentwickeln und Raketen bauen, für den sollte es nicht so schwer sein, ein neues Marktmodell und ein neues Energiemanagement auszuarbeiten.“
98 Prozent Ökostrom Reaktion auf Ölpreisexplosion
Uruguay ist vor allem ein Agrarstaat und besitzt keine bedeutsame Industrie. Das war aber nicht der Kern der Energiewende in dem Kleinstaat am Rio de la Plata. Auslöser war viel mehr die Ölpreisexplosion im Jahr im Laufe der 2000er Jahre, woraufhin die linke Regierung des Landes entschied, die Abhängigkeit von den teuren Importen durch den Aufbau einer Stromversorgung auf Basis von Sonnen-, Wind-, Wasser- und Bioenergie zu verringern. Inzwischen deckt Uruguay nicht nur 98 Prozent der Stromversorgung, sondern auch 68 Prozent des gesamten Energieverbrauchs mit Hilfe erneuerbarer Energien. Für die erforderlichen Anlagen wandet das Land von 2010 bis 2022 rund zwölf Prozent des Bruttoinlandproduktes auf. Würden beispielsweise die USA den gleichen Anteil ihres Bruttoinlandproduktes in die Energiewende investieren wie Uruguay, würden dort sieben Millionen neue Jobs entstehen, so Uruguays Ex-Energiedirektor Galain.
Ratschlag an die Adresse Deutschlands und der Grünen
Auch für Deutschland, allen voran die Grünen als die wichtigsten Verfechter einer Energiewende, hat der Südamerikaner einen Tipp parat. Der Ratschlag kann als Hieb gegen das ständige Moralisieren der hiesigen grünen Eliten, deren Verachtung etwa von Flugtouristen („Flugscham“) und deren Unterschätzung der wirtschaftlichen Nöte in großen Teile der Bevölkerung verstanden werden. „Als Grüner in Deutschland würde ich sagen, dass die erneuerbaren Energien in erster Linie die beste Lösung für Deutschlands Wirtschaft und seine Menschen und nicht für den Klimawandel sind. Sie machen unabhängig von Importen fossiler Brennstoffe, sie sind billiger und verhindern extreme Preisschwankungen“, so Galain. Mit dieser Strategie, statt auf der Rettung des Weltklimas herumzureiten, sei es der uruguayischen Regierung gelungen, die Bevölkerung von dem Projekt zu überzeugen. 50 Windparks und über 700 Windräder gebe es mittlerweile in Uruguay, 50 000 neue Jobs seien durch den Umstieg auf erneuerbare Energien entstanden, viele Fachkräfte aus Betrieben der fossilen Energiewirtschaft umgeschult worden.


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