Wenn die Sahara auf Besuch nach Europa kommt

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Neue Studie: In Europa geht zunehmend Staub aus der Sahara nieder – mit erheblichen Folgen für Gesundheit und Erzeugung von Sonnenstrom.

Welt in Orange Immer mehr Staub aus der Sahara  (Stephan Möckel/Pixelio.de)
Welt in Orange Immer mehr Staub aus der Sahara (Stephan Möckel/Pixelio.de)

Während die Feinstaubmenge durch Verkehr, Industrie oder Heizung in Europa sinkt, steigt die natürliche Belastung duch den Staub aus der Sahara. Dies ist das Ergebnis einer Studie des schweizerischen Paul Scherrer Instituts (PSI). Das PSI hatte in Kooperation mit Wissenschaftlern aus ganz Europa während der vergangenen zehn Jahre Daten von über hundert Messstationen gesammelt. Danach liegt in Südeuropa der Gehalt von Wüstenstaub im Schnitt bei 5,3 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Das ist mehr als doppelt so viel wie in Mittel- und Nordeuropa. Dort ermittelten die Forscher nur eine Konzentration von 2,1 Mikrogramm.

Insgesamt hat die Staubmenge während der zehnjährigen Messperiode um rund ein halbes Mikrogramm zugenommen. „Das entspricht einer Zunahme von zehn bis fünfundzwanzig Prozent dieser Staubbelastung“, sagt PSI-Projektleiter Kaspar Dällenbach. „Sowohl für die Wirtschaftlichkeit großer Solaranlagen als auch hinsichtlich der gesundheitlichen Folgen ist das nicht zu vernachlässigen.“

Weiterer Anstieg von Staub aus der Sahara erwartet

Der PSI-Wissenschaftler befürchtet, dass der Gehalt an Staub aus der Sahara weiterhin steigt. Damit würden die Anstrengungen um die Verminderung von menschlich erzeugten Feinstaub teilweise zunichte gemacht. Ursache der Zunahme sei die zunehmende Austrocknung der Sahara. Hinzu komme eine veränderte Zirkulation in der Atmosphäre. Sie bringe verstärkt Winde aus der Sahara-Region nach Europa. „Inwieweit der menschengemachte Klimawandel diese Entwicklung mitverursacht hat und ob er sie weiter verstärkt, ist noch nicht abschließend geklärt“, sagt Dällenbach. Die Zunahme des Wüstenstaubs werde jedoch durch die Treibhausgasemissionen und die damit verbundene Klimaerwärmung zumindest begünstigt. „Dadurch wird es in bestimmten Regionen trockener und die Wüsten breiten sich aus“, sagt Dällenbach.

Um längerfristige Vergleiche vornehmen zu können, analysierten die Wissenschaftler auch Eisbohrkerne vom Monte-Rosa-Massiv an der schweizerisch-italienischen Grenze. Es zeigte sich, dass während der vergangenen 150 Jahre der Staubeintrag sich mehr als verdoppelt hat. Es ist relativ leicht, den Wüstenstaub von gewöhnlichem Feinstaub zu unterscheiden. Dazu nuzten die Forscher die Analyse des Aluminiumgehaltes im Staub. Dieses Element ist charakteristisch für transportierte Staubpartikel aus Wüsten. Zwar hat sich die Zahl der Winde, die Wüstenstaub nach Europa bringen, kaum erhöht. Doch sind sie während der vergangenen zehn Jahre intensiver geworden. Dadurch transportieren sie mehr Staub nach Europa als früher.

Höhere Sterblichkeit

Wüstenstaub ist alles andere als gesund. An Sahara-Staubtagen sterben deutlich mehr Menschen an Herzinfarkten oder Atemproblemen als an anderen Tagen. Es fehlt jedoch an Studien über langfristige Folge durch Asthma, chronische Bronchitis oder Staublunge.

Betroffen sind nicht nur Menschen. Sahara-Staub schadet auch der Solarstromerzeugung. Zum einen ist der Ertrag während der Staubzeit wegen des geringeren Sonneneinfalls geringer. Zum anderen lagert sich auf den Solarpaneelen eine Staubschicht ab. Die Leistungsminderung kann im Extremfall bis zu 20 Prozent betragen. Tröstlich: In der Regel schwemmt der nächste Regen den Staub fort. Nur selten sind Extrareinigungen nötig.

Mehr: Paul Scherrer Institut

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