Wenn ein Kerzlein brennt, feiern wir Advent. Meist bleibt es nicht bei nur einer Kerze. Doch häufig schaden die trauten Lichter nicht nur der Gesundheit, sondern auch der Umwelt. Wir können jedoch die Schäden begrenzen.

Sie schaffen eine heimelige Stimmung, die Lichtlein im Advent und zur Weihnacht. Und sie erfüllen einen guten Zweck. Denn in der dunklen Jahreszeit brauchen die Menschen den Trost der Lichter. Wenn ein Kerzlein brennt oder gar mehrere brennen, wenn die Menschen sich um den Adventskranz versammeln oder sich auf den festlich beleuchteten Weihnachtsmärkten treffen, haben Depressionen weniger Chancen. Doch der tröstende Lichterglanz hat auch eine andere Seite: Es gibt keine Flamme ohne Emission. Jeder kennt rußende Kerzen. Oder die stickige Luft, wenn in einem Zimmer mehrere Kerzen stundenlang gebrannt haben.
Denn Kerzen sind eine Quelle für Feinstaub. Bei jeder Verbrennung enstehen Ruß und Stickoxyde. Ruß ist nichts anders als Feinstaub. Und Stickstoffoxide zersetzen sich zu Feinstaub, wenn sie mit Ammoniak reagieren. Wissenschaftler bezeichnen diese Variante als sekundären Feinstaub. Ammoniak ist ständig in der Luft, wenn auch meist nur in geringer Konzentration. In schlecht gelüfteten Innenräumen ist die Konzentration naturgemäß höher als im Freien. Stickstoffoxid und Ammoniak verbinden sich zu Ammoniaksalzen, die dann als Feinstaub in der Raumluft schweben – zusätzlich zum Feinstaub auf Rußbasis.
Wenn ein Kerzlein brennt…gelangen Feinstäube in die Lunge
Feinstäube sind deshalb so gefährlich, weil sie tief in die Lunge vordringen. Je kleiner die Partikel sind, desto tiefer gelangen sie in den Atemtrakt. Grober Feinstaub mit Partikeln, deren Durchmesser zwischen 2,5 und 10 Mikrometer beträgt, bleibt meist bereits in der Nase hängen. Die feineren Partikel dringen hingegen bis in Lungenbläschen vor. Ultrafeine Partikel im Nanobereich können gar ins Blut oder in das Lymphsystem geraten. In den menschlichen Zellen lösen sie Stress und Entzündungen aus.
Zusätzlich sondern Kerzen polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) ab. Sie entstehen unter anderem durch unvollständige Verbrennung. PAK-Partikel sind krebserregend. Sie können das Erbgut schädigen und gefährden die Fortpflanzung.
Was tun?
Tröstlich: Wir können die Gefahren der romantischen Stimmungsmacher vermindern. Kerzen aus Paraffin zum Beispiel brennen zwar gut ab, rußen aber oft und stoßen daher mehr Feinstaub ab. Bei Paraffin handelt es sich um ein Beiprodukt der Petrochemie wie etwa Bitumen oder Schweröl. Beim Abbrennen von Paraffinkerzen wird unter anderen Benzol freigesetzt. Es handelt sich dabei um eine flüchtige organische Verbindung. Die Weltgesundheitsorganisation stuft sie als krebserregend ein. Doch es gibt Alternativen.
Nachhaltiger und gesünder sind Stearinkerzen. Stearinkerzen sind schwerer und kosten mehr. Sie schmelzen erst bei 65 Grad Celsius statt bei 55 Grad wie Paraffinkerzen. Und sie setzen in der Regel weniger Ruß und Freinstaub frei. Ihre Ausgangsprodukte sind pflanzliche oder tierische Fette. Manche Hersteller benutzen dazu aufgearbeitete Öl- oder Fettabfälle. Dadurch schonen sie die natürlichen Ressourcen. Andere nutzen Öl aus nachhaltig angebauten Pflanzen wie Raps, Sonnenblumen oder Sojaöl.
Wenn ein Kerzlein brennt, leidet allerdings häufig der Regenwald. Denn vielfach setzen die Produzenten Palmöl ein. Der Anbau von Ölpalmen fast immer auf Kosten des Regenwaldes und setzt große Mengen von CO2 frei. Inzwischen legen etliche Unternehmen jedoch – darunter Ikea, Bio Company. Müller Kerzenfabrik oder Norma – Wert auf die Verwendung von nachhaltig erzeugtem Palmöl.
Gesundheits- und umweltbewusste Verbraucher weichen oft auf Kerzen aus Bienenwachs aus. Diese sind aber deutlich teurer als Paraffin- oder Stearinkerzen. Häufig stammen sie aus Übersee und sind mit anderen Wachsarten gestreckt. Kerzen aus deutschem oder europäischem Bienenwachs sind allerdings nur bedingt eine Alternative: Wegen der starken Nachfrage wären deutsche Imker ohnehin nicht in der Lage, den inländischen Bedarf zu decken.
Risiko Duftkerzen
Duftkerzen sind zu vermeiden. Sie enthalten zusätzliche Chemiekalien, die bei der Verbrennung oftmals Allergene ausstoßen, die für Schwangere, Kinder Allergiker oder Asthmatiker eine Gefährdung darstellen. Das Deutsche Krebsinformationszentrum warnt vor Schwermetallen in den duftenden Lichtern, aber auch vor Kerzen, deren Verbrennung Zitrusgerüche freisetzen. Kerzen mit Zitronen- oder Apfelsinenduft enthalten Limonen. Bei der Verbrennung dieser natürlich vorkommenden Kohlenwasserstoffe aus der Gruppe der Terpene kann Formaldehyd entstehen. Letzteres ist gesichert als krebserregend eingestuft. Damit nicht genug: Nur ein kleiner Teil der Inhaltsstoffe in Duftkerzen ist angabepflichtig.
So schützen Sie sich
Neben der Vermeidung von Wachsarten, die besonders gesundheits- und umweltschädigend sind, sollten Kerzenliebhaber Folgendes beachten:
- Vermeiden Sie Zugluft. Flackernde Kerzen rußen.
- Der Docht sollte nie länger als anderthalb Zentimeter sein. Lange Dochte führen zu mehr Ruß.
- Lüften ist das A und O bei Kerzengebrauch.
- Achten Sie beim Kauf auf das RAL-Gütezeichen. Kerzen mit diesem Siegel werden auf die Verwendung von Qualitätsmaterialien und auf raucharmes, tropffreies Abbrennen geprüft.
- Wenn sich die Flamme tief in die Kerze einbrennt, kommt es zu Sauerstoffmangel. Es bilden sich mehr Schadstoffe. Kürzen sie den Kerzenrand.
- In dem flüssigen Wachs, also rund um Docht und Flamme, sollten sich keine Docht- oder Streichholzreste befinden.
Die Alternative: E-Kerzen
Weihnachtszeit ist Brandzeit. Kerzen verursachen rund 5000 Brände jährlich. Vor allem die Kombination von trockenen Adventskranz- oder Weihnachtsbaumzweigen und brennenden Kerzen führt zu Bränden. Am einfachsten lassen sich Brände durch die Benutzung elektrischer Kerzen vermeiden. E-Kerzen sind inzwischen oftmals täuschend echt gestaltet. Sie vermindern nicht nur die Brandgefahr. Sie schonen neben dem Geldbeutel auch die Umwelt und das Klima. Letzteres gilt natürlich nur für Kerzen mit LED-Lämpchen und standardisierten, austauschbaren Akkus. Der elektrische Kerzenersatz sollte darüber hinaus aus recyclingfähigen Materialien gefertigt und reparaturfähig sein.
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