Landflucht und Industriewälder sind die Ursache

Die Brandkatastrophe rund um das Mittelmeer ist nicht nur eine Folge von Dürre und starken Winden. Auch die veränderte Landwirtschaft und die Zunahme von Holzplantagen mit schnell wachsenden, hochentzündlichen Baumsorten begünstigen die Feuer.

Waldbrand Kleinteilige Intensivlandwirtschaft schützt (Pan1958/Pixelio)

Der Feuerökologe Johann Goldammer, Leiter des Zentrums für Globale Feuerüberwachung, meinte dazu im Interview mit der Deutschen Welle, dass die weiträumige Veränderung der Landschaften im Mittelmeerraum das Brandrisiko erheblich gesteigert habe. Die Landflucht sei dabei der Hauptgrund für die veränderte Landschaft. Viele Dörfer und Siedlungen stürben durch den Wegzug der jungen Generation nach und nach aus. Dies bewirke, dass die bislang landschaftsprägende intensive Bewirtschaftung wegfalle.

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Dichte Wälder statt lichte Olivenhaine

An Stelle kleinräumiger Olivenhaine und Obstgärten hätten sich Buschland, Grasflächen und Wald ausgebreitet. Diese böten jedoch dem Feuer weitaus mehr Nahrung. Daher müsse vorsorgende Feuerbekämpfung an den sozialen Ursachen der Landflucht ansetzen. Die planmäßige Aufforstung als Reaktion auf die Landflucht sei keine echte Alternative. Dies gelte vor allem, wenn der traditionelle Baumbewuchs beispielsweise mit Olivenbäumen oder Korkeichen durch Kiefer- oder Eukalyptusplantagen ersetzt würde. Diese Bäume seien leicht entzündlich. Der dichten Bewuchs erhöhe die Brandlast. Die herkömmliche Bewirtschaftung sei dagegen durch weit auseinander stehende Bäume geprägt. Zwischen den Bäumen hätten Weidetiere gegrast und den Boden von brennbaren Stoffen freigehalten. So seien in weiten Teilen der iberischen Halbinsel Waldbrände früher nicht vorgekommen, “weil es dort traditionell keinen Wald gab”.

In den meisten Mittelmeerländern toben seit Wochen heftige Feuersbrünste, vor allem im östlichen Mittelmeerraum. Allein in Griechenland zerstörten die Brände eine Fläche von 1 000 Quadratkilometer. In Italien meldeten die Feuerwehren Mitte der Woche noch 70 große Brände. In der Türkei Schätzungen zufolge wurden etwa 1 500 Quadratkilometer durch die Feuer verwüstet. Die Fläche entspricht drei mal der Oberfläche des Bodensees.

In Algerien kamen schätzungsweise 70 Menschen im Feuer um. Die Regierung hatte in den vergangenen Tagen immer wieder behauptet, dass die Feuer Folge von Brandstiftung seien. Aufgestachelt durch die Regierungspropaganda hatte ein Mob in der besonders betroffenen Region Tizi Ouzou einen Unschuldigen bei lebendigem Leib als vermeintlichen Brandstifter lebendig verbrannt. Der Mann war in die Region gekommen, um zu helfen. In Algerien wie in anderen vom Feuer heimgesuchten mediterranen Ländern stiegen die Temperaturen in den vergangenen Tagen vielfach auf über 45 Grad. Starke Winde begünstigten zudem die Ausbreitung der Feuer.

Ungewohnte Forstästhetik

Indes sieht Goldammer auch in unseren Breiten selbst Naturwälder nur bedingt als Alternative. In den zunehmenden Hitzeperioden sammele sich zu viel trockenes Totholz an. Der Feuerökologe spricht sich deshalb unter anderem für kontrolliert beweidete Wälder aus. Die Nachteile dieses Ansatzes seien jedoch eine geringere Leistungsfähigkeit der Wälder als Kohlenstoffsenke und eine eingeschränkte Biodiversität. Man werde sich auch im Norden an eine neue Forstästhetik gewöhnen müssen – auch, weil Nadelbäume, aber auch einheimische Laubbäume durch Baumarten aus südlicheren Region ersetzt werden müssten.

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