Stromlieferer pleite? Nicht weiter schlimm – aber schweineteuer

Billiganbieter und Öko-Carrier gehen reihenweise in Konkurs. Zwar braucht kein Endkunde Angst vor einer Stromsperre zu haben. Aber die Ersatzversorgung durch die örtlichen Anbieter kann teuer werden.

Stromzähler Erzwungener Wechsel nach Anbieterpleite wird für Endkunden oft extrem teuer (Thorben Wengert /Pixelio.de)

Die Preisexplosion im Stromgroßhandel bringt seit Monaten alternative Anbieter wie Stromio, enyway oder Lition in die Bredouille. Kommt es zur Pleite, geht bei den Endkunden allerdings nicht das Licht aus. Sie fallen automatisch in die Ersatzversorgung beim örtlichen Energieanbieter. Manchmal bieten die Stadtwerke den neuen Zwangskunden Standardpreise.

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Doch etliche Grundversorger verlangen nun von den Neukunden horrende Strompreise. Diese liegen nach Berichten der Verbraucherzentrale NRW oft um ein Vielfaches höher als die Preise, die Bestandskunden zahlen.

Diese Ungleichbehandlung ist aus Sicht der Verbraucherzentrale NRW fragwürdig. Die Spaltung der Grundversorgung in Neu- und Bestandskunden widerspreche dem “Verständnis des freien Marktes und der Liberalisierung im Energiemarkt deutlich. Eine Bestrafung oder Schikanierung von Kundenkreisen, die ihren Anbieter gewechselt haben, kritisieren wir“, sagt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW.

Arme Haushalte in Bedrängnis

Auch die Vorgangsweise nach den Pleiten sei häufig skandalös. Die Verbraucherzentrale führt dazu das Beispiel des Lieferstopps von Stromio für mehrere hunderttausend Endkunden an. Stromio habe einseitig die Verträge gekündigt und die Betroffenen nur mit Verzögerung unterrichtet. Viele Stromio-Ex-Kunden hätten sich bei der Verbraucherzentrale gemeldet und seien nun “geradezu verzweifelt über die immensen Strompreise, die einige Energieanbieter für die Ersatzversorgung aufrufen”, sagt Schuldzinski. „Die Höhe der Abschlagszahlungen beträgt ein Vielfaches der bisherigen monatlichen Stromkosten. Das bringt gerade Haushalte mit weniger Einkommen in Bedrängnis.“

Sicherheit vor Geiz

Die Grundversorger begründen die hohen Zahlungen damit, dass die Schnäppchenjäger die Kosten für das Risiko des Anbieterausfalls bei ihnen abgeladen hätten. Das Geschäftsmodell der alternativen Anbieter besteht darin, kurzfristig Billigvolumen am Strommarkt aufkaufen und zu günstigen Preisen an die Verbraucher weiterzureichen. Die Grundversorger kaufen hingegen lange im Voraus Strommengen auf. Dabei achten sie vor allem auf die Vorsorgungssicherheit. Das Preisniveau spielt eine geringere Rolle. Entsprechend liegen die Preise auch für die Endabnehmer höher. Diese Argumente will Schuldzinski nicht gelten lassen: “Hier liegt der Verdacht nahe, dass Betroffene abgestraft werden sollen, die in der Vergangenheit den Grundversorgern den Rücken zugekehrt haben.”

Hinzu komme, dass durch das Abschmelzen der EEG-Umlage auf 3,72 Cent pro Kilowattstunde der staatliche Anteil am Strompreis zum 1. Januar 2022 deutlich gesunken sei. Außerdem machten Neukunden in der Regel nur einen geringen Anteil am Kundenstamm der Grundversorger aus. Folglich könnten die Auswirkungen auf die Beschaffungsstrategie kaum die Kosten treiben.

Mehr: Verbraucherzentrale NRW

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