Wasser wie aus dem Nichts

Wissenschaftler in der Schweiz haben ein Gerät entwickelt, das der Luft Wasser entzieht und es dadurch für die Menschen genießbar. Die Technik könnte den Wassermangel in ausgewählten Regionen der Welt verringern.

Tau im Spinnennetz: Luft ist ein fast unerschöpfliches Wasserreservoir (Foto: Adina Voicu / pixabay)

Man sieht es so gut wie nicht und spürt es höchstens, wenn es schwül wird: Wasser in der Luft. 10 000 bis 40 000 Tonnen des kostbaren Nass’, das sind zehn bis 40 Millionen Liter, enthalt ein Kubikkilometer Luft in gasförmigem Zustand, das entspricht einem Würfel mit 1 Kilometer Kantenlänge. Es ist aus Meeren, Seen und Flüssen verdunstet – und hat sich so dem direkten Konsum des Menschen entzogen. Dieses Wasser trinkbar oder fürs Kochen verwendbar zu machen, ist Schweizer Wissenschaftlern gelungen. Ihr Apparat arbeitet, ohne dass Energie etwa in Form von Strom nötig ist. Auch wenn die Technik erst im Kleinen funktioniert, ist eine Anwendung im großen Stil vorstellbar, wo die Wasserversorgung aufgrund geringerer Vorräte schwieriger geworden ist, so im Nahen Osten, zum Beispiel im Gazastreifen vor Israel.

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Täglich 1,4 Liter Wasser pro Quadratmeter

Die Methode funktioniert nach dem gleichen Prinzip, das dafür sorgt, dass Wasserdunst aus der Luft sich an kälteren Gegenständen als feine Wasserschicht niederschlägt, kleine Tropfen bildet und irgendwann einmal abfließt. Wichtig dabei ist ein deutlicher Temperaturunterschied wie zwischen Tag und Nacht in Frühjahr und Herbst, der zu Tau, also Wasser, auf den Wiesen oder dem Auto führt. Diesen Temperaturunterschied erreichten die Forscher mit einer Scheibe, die auf der Oberseite eine hauchdünne Kunststoffschicht hat, die viel Wärme abgestrahlt. Auf der Unterseite trugen sie eine Schicht Silber auf. Dadurch erzielte die Scheibe, die eine Kammer abdeckte, einen Termperaturunterschied zur Luft von bis zu 15 Grad, wodurch diese einen Teil des Wassers nicht mehr halten konnte und in Form von Tau abgab. Zwar erbrachte die nur wenige Zentimeter große Anlage pro Tag nur 4,6 Milliliter Wasser. Doch größere Konstruktionen sind zu deutlich mehr in der Lage . “Bei Anlagen nach diesem Prinzip kommen wir aufgrund physikalischer Grenzen maximal auf einen Ertrag von etwa 1,4 Litern pro Quadratmeter und Tag”, so Forscher Iwan Hächler von der EWTH in Zürich.

Großanlagen schaffen viel mehr

Wozu solche System in de Lage sind, wenn ein wenig Strom verwendet wird, zeigen Anlagen eines US-Unternehmens in der Größe von Schiffscontainern, die bis zu 2000 Liter Wasser pro Tag erreichen. Eine israelische Firma verwendet eine Art Granulat, um die Feuchtigkeit aus der Luft zu ziehen. Mit dieser Methode könnten kleine Wasserfabriken rund zwei Dutzend Kubikmeter Wasser pro Tag produzieren und dazu etwa 0,3 Kilowattstunden Strom pro Liter verbrauchen, so viel wie fünf herkömmliche 60-Watt-Glühbirnen.

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