Drohender Stromkollaps wegen Wassermangel

In China legt Wassermangel auch Fabriken deutscher Unternehmen lahm. In Frankreich müssen Akw abgeschaltet werden. Die Zeche zahlen hiesige Stromkunden.

Wassermangel wegen Dürre und Hitze auch im Drei-Schluchten-Stausee verursachen Energie-Knappheit
Drei-Schluchten-Staudamm in China Wassermangel führt zu Produktionsstopps Foto: Pixabay

Lang anhaltende Hitzewellen und Dürren in weiten Teilen der Welt setzen nicht bloß Natur, Mensch und Landwirtschaft heftig zu. Der damit einhergehende Wassermangel verknappt auch das Stromangebot. Mit gravierenden Folgen für die Industrieproduktion und die Energieversorgung.

In China bekommen das gerade auch deutsche Unternehmen drastisch zu spüren. Weil die schlimmste Hitze seit sechs Jahrzehnten Flüsse und Stauseen austrocknet, versiegt die zweitwichtigste Stromquelle des Landes , die Wasserkraft (siehe Grafik unten), zusehends. Der wichtigste Fluss, der Jangste, ist vierlerorts zu einem Rinnsal geschrumpft. Um einen Kollaps der Stromnetze zu verhindern, haben die Behörden strenge Sparmaßnahmen verhängt. Bis hin zur zeitweiligen Abschaltung des Stroms.

Alle Bänder stehen still, wenn der Wassermangel es will

“Die Energieknappheit stellt deutsche Unternehmen dort vor große Herausforderungen”, berichtet Jens Hildebrandt von der Deutschen Handelskammer in China. “In Regionen wie Sichuan stehen wegen des klimabedingten Energiemangels die Bänder deutscher Firmen still.” Gegenüber der Deutschen Welle erzählt ein Beschäftigter des Industriegase-Herstellers Messer, dass 90 Prozent der Fabriken in der Provinz komplett geschlossen sind.

Grafik: Stromproduktion in China nach Energieträgern (in Prozent)
Wo der Strom in China herkommt Anteile der Energieträger in Prozent Quelle: DW

Produktionsflucht nach China, das legt die Situation nahe, ist aktuell keine Alternative – trotz Gaskrise hier. Zumal auch die dortigen Energiepreise wegen des knappen Angebots massiv ansteigen. Wobei der Mangel kein neues Phänomen ist. Schon im vergangenen Jahr lagen Produktionsstätten wegen fehlenden Stroms teils wochenlang still. Noch Schlimmeres, wie einen großflächigen Blackout, versucht die Pekinger Führung zu verhindern, indem die Kohlekraftwerke bis zum Anschlag laufen. Keine gute Nachricht im Kampf gegen die Erderhitzung.

In Frankreich fehlt Wasser zum Kühlen der Brennstäbe

Zu schweren Verwerfungen bis nach Deutschland führt auch der akute Wassermangel in französischen Flüssen. Wegen Korrosionsschäden und Wartungsarbeiten stehen bei unserem Nachbarn ohnehin viele Atomkraftwerke (Akw) still. Jetzt mussten weitere Meiler herunter gefahren werden, weil es an Wasser zum Kühlen der Brennstäbe fehlt. Nach Auskunft des deutschen Energiedachverbands BDEW produzieren in Frankreich derzeit nur 20 der 56 Akw Strom.

Deutsche Gaskraftwerke schließen die Atomlücke

Die Lücke schließen die Franzosen mit Zuflüssen aus Deutschland. Dafür müssen die deutschen Betreiber massiv mit Gaskraftwerken einspringen. Die Folge: Statt zu sinken, wie die Bundesregierung plant, um im Winter eine Gaskrise abzuwenden, steigt der Gaseinsatz für die Stromerzeugung kräftig. Und treibt nebenher die Preise für elektrische Energie in Rekordhöhe.

Entspannung ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Weil die Mehrheit der Franzosen mit Strom heizt, wird die Nachfrage mit Beginn der Heizsaison weiter zulegen. Da heißt es: Noch seltener duschen, um unseren atomvernarrten Nachbarn aus der Klemme zu helfen.

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