Der Solarstrom-Schatz vom Silbersee

China hat die größte schwimmende Solarfarm, auch Singapur, Südkorea und Holland setzen im großen Stil auf sauberen Solarstrom vom Wasser. Nun nimmt die Technik auch in Deutschland Fahrt auf – mit einem Projekt in Nordrhein-Westfalen.

Solarstrom-Kraftwerk auf einem See in den Niederlanden
Solarstrom von schwimmenden PV-Modulen in Holland Schnelle und einfache Installation Bild: BayWa r.e.

Es ist der Krawall-Boulevardzeitung mit den vier großen Buchstaben ebenso eine Meldung wert wie der seriösen Nachrichtenagentur Reuters: Schon in gut einem Monat nimmt das Familienunternehmen Quarzwerke GmbH im münsterländischen Haltern am See einen schwimmenden Solarpark in Betrieb, dessen 5800 Module jährlich drei Millionen Kilowattstunden (kWh) grünen Solarstrom produzieren werden. Drei Viertel davon will der Betrieb selbst nutzen, der Rest fließt ins Stromnetz. Dem Klima erspart das auf dem Wasser schaukelnde Solarkraftwerk jährlich 1100 Tonnen Kohlendioxid (CO2).

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Solarstrom vom Wasser reduziert Deutschlands Energieabhängigkeit

Die in München ansässige BayWa r.e. installiert die Drei-Megawatt-Anlage auf dem Silbersee, die sich nach Auskunft des Investors wegen des hohen Eigenverbrauchs ganz ohne Vergütung aus dem Erneuerbaren Energien Gesetz (EEG) wirtschaftlich rechnet. BayWa-Manager Tony Weigl zufolge könnte die “Floating-PV-Technik” einen großen Beitrag liefern, um Deutschland unabhängiger von ausländischen Energieimporten zu machen.

Potential von 20 Gigawatt

“Ich sehe ein Potential von 20 Gigawatt auf hiesigen Gewässern”, schwärmt Weigl. Das entspräche rechnerisch immerhin in etwa der Leistung von 40 mittelgroßen Kohlemeilern. Vor allem mit Wasser geflutete ehemalige Kies- und Steinbrüche seien gut geeignete Standorte, meint Weigl.

Der bayrische Agrar- und Energiekonzern hat sich ein Renommee für innovative Solarstrom-Lösungen erarbeitet. Gut im Geschäft ist er zum Beispiel mit dem Bau sogenannter Agri-PV-Anlagen, die dem Sonnenlicht über Gemüse- und Obstplantagen aufgeständert elektrische Energie abtrotzen.

Rekordjagd in China und Südkorea

Gemessen an bereits realisierten Projekten in Asien sind die deutschen Vorhaben Petitessen. Der chinesische Energiekonzern Huaneng Power nahm auf einem Stausee in Dezhou in der chinesischen Provinz Shandong rund 300 Kilometer südlich der Hautpstadt Peking Anfang des Jahres die größte schwimmende Solarfarm der Welt in Betrieb. Sie leistet mit 320 Megawatt (MW) das mehr als 300-fache des Kraftwerks in Haltern.

Auch Indien, Singapur und Südkorea treiben die Technologie mit viel Geld voran. Allen voran geht die Regierung in Seoul auf Rekordjagd. Vor Südkoreas Küste im Gelben Meer planen Ingenieure eine 2 100 MW-Anlage mit mehr als fünf Millionen Modulen. Kostenpunkt: Umgerechnet 3,3 Milliarden Euro.

Mehr: Reuters erneuerbareenergien

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