Verteilungskampf um Öko-Ausgleich programmiert

Was kostet der vorsichtige ökologische Umbau der Landwirtschaft, den der Green Deal der EU vorsieht, die Bauern? Wie viel Ausgleich vom Steuerzahler können sie dafür fordern? Und machen sie überhaupt mit?

Wie viel Brache, wie viel Anbau: EU will sorgsameren Umgang mit der Ackerkrume (Foto: Schwoaze / pixabay)

Nachdem die EU im Rahmen ihres Corona-Wiederaufbauprogramms Green Deal auch ein vorsichtiges Umsteuern in der Landwirtschaft beschlossen hat, beginnt in der Branche das große Rechnen. Denn auch ein zaghafter Umbau von Ackerbau und Viehzucht kostet die Betriebe Geld. Wie viel, das haben jetzt Experten ausgerechnet. Dabei zeigt sich, dass sich die Belastung in Grenzen hält, es für den Steuerzahler aber teurer als vorgesehen kommt.

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Betriebe stellen Forderungen

So hat der Agrarprofessor Rainer Kühl von der Universität Gießen errechnet, dass weniger Einsatz von Mineraldünger, häufigerer Wechsel der Anbaupflanzen, Grasstreifen und ähnliche Maßnahmen zur Steigererung der Biovielfalt im Schnitt den Deckungsbeitrag über alle Nutzungen hinweg um 40 Euro pro Hektar verringern. Gemeint ist damit der Betrag, den ein Betrieb weniger hat, um die fixen Kosten wie Maschinenpark oder Pacht abzudecken. Welches Gewicht das hat, hängt von den Preisen etwa für Getreide ab. Gemessen daran, zeigt eine Beispielrechnung, ist das eine Einbuße zwischen 2,5 und rund sechs Prozent.

Kühls Kollege Uwe Latacz-Lohmann von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel wiederum hat errechnet, wie viel Entschädiungen die Betriebe nach eigenen Angaben haben müssten, um Einnahmeausfälle auszugleichen, wenn sie die Wünsche der EU erfüllen. Für die Umwandlung der Ackerfläche in Grünbrache wären nach Angaben von Landwirten 733 Euro pro Hektar fällig. Für die Senkung des Düngereinsatzes um ein Fünftel bräuchten sie 315 Euro pro Hektar.

Steuerzahler wären mit fünf Milliarden Euro dabei

Würde sich die Bundesregierung die Forderungen der Landwirte zu eigen machen, kämen auf die Steuerzahler Ausgaben von rund fünf Milliarden Euro pro Jahr zu. Diese setzen sich laut Latacz-Lohmann aus 820 Millionen Euro für zehn Prozent Brache, 3,2 Milliarden Euro für eine Reduzierung des Düngemitteleinsatzes auf 60 Prozent der Fläche sowie einer Milliarde für den häufigeren Wechsel der Anbaupflanzen.aus fest zusammen. Verfügbar zur Finanzierung der Umstellungen, so Latacz-Lohmann, seien absehbar aber nur etwa 1,1 Mrd. € pro Jahr.

Damit ist ein Verteilungskampf um den Öko-Ausgleich programmiert – zwischen den wenigen Großagrariern mit 500 Hektar und mehr und der viel größeren Zahl bäuerlichen Betrieben mit bis zu 50 Hektar. Immerhin, so Latacz-Lohmann, gebe es eine hohe Bereitschaft der Landwirte, sich an den EU-Ideen zu beteiligen.

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