Beim Recycling unseres Abfalls gibt es noch Luft nach oben

Die Entsorger könnten massenhaft CO2 einsparen. Das Potential beträgt für die nächsten 20 Jahre rund 300 Millionen Tonnen. Doch leider gilt Abfall vielerorts noch als Müll. Tatsächlich ist es ein Rohstoff.

Alte Bierdosen Rohstoff für Alu- und Stahlwerke (Rudy and Peter Skitterians/Pixabay)

Selbst wenn sich die Entsorger damit begnügen würden, die Ziele der EU-Kommission umzusetzen, käme in den EU-Ländern und Großbritannien eine Ersparnis von 150 Millionen Tonnen CO2 zusammen. Das entspricht dem Ausstoß des Verkehrssektors in Deutschland im Jahre 2020. Die Europäische Union strebt eine Recyclingquote von 65 Prozent und eine maximale Deponierungsquote von 10 Prozent an.

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Eine Studie des Baslers Prognos-Instituts und der Denkfabrik CE Delft im Auftrage von vier europäischen Verbänden der Abfallbranche kommt zu dem Schluss, dass vor allem bei der Nutzung von organischem Müll wie Papier oder Bioabfall enorme Einsparmöglichkeiten vertan werden. Und nur unzureichend nutzen die Entsorger den Abfall als Heizstoff. Noch immer wird viel Abfall kostenträchtig und umweltschädigend verbrannt, ohne die freiwerdende Energie zu nutzen.

Im Jahr 2018, so die Studie, wurden nur 33 Prozent der im Abfall enthaltenen Energie genutzt. 26 Prozent des Abfalls wanderten noch auf die Deponie. Nur 39 Prozent der Siedlungs- und Industriereste kamen ins Recycling – vor allem Metalle.

Die Forscher entwarfen ein weiteres Szenario, dass von ehrgeizigeren Zielen ausgeht als die EU-Vorgaben. Nach diesem Super-Szenario werden 41 Prozent des Abfalls verbrannt, der Rest fast vollständig recycelt. Und so gut wie nichts kommt auf die Deponie. Dies würde eine Einsparung von 296 Millionen CO2-Äquivalenten führen.

Druck der Straße hilft

Jedoch lassen die Auftraggeber der Studie keinen Zweifel daran, dass die Politik in Europa mehr unternehmen müsste, damit sie diese Ziele erreichen. “Diese Studie zeigt klar, dass die Klimakrise die entschiedene Durchsetzung der EU-Gesetzgebung fordert”, sagt Peter Kurth, Vorsitzender des Europäischen Verbandes für Abfall-Management, FEAD. Die EU müsse vor allem stärkere regulatorische Signale setzen, um die Nachfrage nach Rezyklaten zu erhöhen. Entscheidend sei aber auch der unterstützende Druck der Öffentlichkeit.

Mehr: Wiener Zeitung

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