Die allermeisten Investmentfonds stecken das Geld der Anleger in schmutzige Geschäfte

91 Prozent von 2 163 untersuchten Investmentfonds stecken das Geld der Anleger in Geschäfte, die dem Klima, der Umwelt oder den Menschen, die für sie arbeiten, schaden. Mit von der Partie: Deutsche-Bank-Tochter DWS.

Geldanlage: Nicht jede angeblich grüne Geldanlage ist ökologisch und sozial fair (Foto: nattanan23 / pixabay)

Wer sein Geld in Investmentfonds anlegt, verdient damit in den allermeisten an Geschäften mit, die der Umwelt schaden, zu Lasten der Beschäftigten gehen oder der Kriegsführung dienen. Zu diesem Ergebnis kommen die Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen Facing Finance und Urgewald in einer aktuellen Analyse von 2 163 in Deutschland zugelassenen Investmentsfonds. Demnach stecken 91 Prozent dieser Fonds das Geld der Anleger in schmutzige Geschäfte. Am wenigstens schert sich laut Untersuchung die Deutsche-Bank-Tochter DWS gefolgt vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock , wie sehr das Geld stinkt, das in ETF fließt. Das sind in der Regel Geldanlageformen, die Aktienindizes nachbilden.

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Selbst nachhaltige Fonds schmuddeln

So ist die Mehrheit der Öl- und Gasunternehmen mit ihren Anteilen in zahlreichen Investmentfods vertreten, an erster Stelle der französische Mulit TotalEnergies, dessen Aktien in 448 verschiedenen Fonds stecken, vor Enel aus Italien (404), BASF/Wintershall (357) aus Deutschland, OMV (271 aus Österreich und Eni (252) ebenfalls aus Italien. Enttäuschend fallen dabei die untersuchten 1 081 Fonds auf, deren Betreiber behaupten, sie legten das Geld der Anleger in Unternehmen an, die sich nach eigenen Angaben durch eine umweltgerechte und soziale Geschäftspolitik auszeichnen. Für diese steht die Abkürzung ESG (Environmental Social Governance). Nur 107 dieser sogenannten ESG-Fonds, rund ein Zehntel, hatten darauf verzichtet, ihr Geld in Unternehmen zu stecken, die gegen ESG-Kriterien verstoßen. Die zehn schlimmsten unter ihnen investierten 41 bis 89 Prozent in Anteile von Schmuddelunternehmen.

Kein Platz für Rüstung

„Gerade ETFs mit ESG-Label erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit bei Verbraucher*innen, zeigen aber zugleich mit die höchste Belastung”, so Thomas Küchenmeister von Facing Finance. „Wenn zum Beispiel der Fokus auf Klima oder Kreislaufwirtschaft gelegt wird, werden andere Themen wie Menschenrechte oft ausgeblendet.“ Auch investierten viele als nachhaltig klassifizierte Fonds und speziell ETFs in Rüstungsunternehmen, was die Verbraucher laut Umfragen weiterhin mehrheitlich ablehnten. “Der Ukraine-Krieg könnte jetzt eine weitere undifferenzierte ESG-Integration von Rüstungsunternehmen durch die Fondsbranche vorantreiben”, so Küchemeister. “Dies wäre absurd: Rüstung hat nie, in keinem Szenario, einen Platz in nachhaltigen Investments.“

Mehr: fair fonds info

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