Nordlichter fordern billigen Strom für Windparkanrainer – und mehr

Der Städte- und Gemeindetag Mecklenburg-Vorpommerns will die Stromrechnung für Windparkanrainer drücken. Politiker aus dem windreichen Norden klagen seit Langem über zu hohe Strompreise in den Erzeugerregionen.

Windkraft in Norddeutschland Windparkanrainer sollen den Nutzen der Anlagen im Geldbeutel spüren - und die Region auch (Foto: www.ceus-design.de)
Windkraft in Norddeutschland Windparkanrainer sollen den Nutzen der Anlagen im Geldbeutel
spüren – und die Region auch (Foto: www.ceus-design.de)

“Windparkanrainer müssen direkt den Nutzen des Windstroms spüren, der vor ihrer Haustür gewonnen wird. Das geht am besten durch drastisch reduzierte Strompreise”, sagt dazu Arp Fittschen. Der Energieexperte des Kommunalverbandes verspricht sich davon eine wachsende Akzeptanz für Windräder.

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Zurzeit werden nur 0,8 Prozent der Fläche Mecklenburg-Vorpommerns als Windeignungsgebiete ausgewiesen. In den kommenden vier Jahren soll diese Fläche auf 1,4 Prozent steigen. Bis 2032 sollen es dann 2,1 Prozent sein. In den betroffenen Gemeinden hatte der Widerstand gegen neue Windräder erheblich zugenommen. Wurden im Jahr 2013 noch Kapazitäten von rund 402 Megawatt installiert, so waren es 2021 nur noch 70.

Hohe Preise trotz Stromexports

Das Land, so Fittschen, hat klimatisch und geographisch hervorragende Voraussetzungen für die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie. “Wir produzieren schon jetzt zweieinhalb Mal so viel Strom wie wir im Land verbrauchen”, sagt Fittschen. Mecklenburg-Vorpommern habe bundesweit jedoch mit die höchsten Strompreise. Auch deshalb sei es für die Gegner von Windparks einfach, Unterstützung zu finden.

Um den Ausbau der Windenergie wieder in Schwung zu bringen, müsse die Politik den Nutzen der grünen Stromproduktion unmittelbar nutzbar machen. Strom, der am Ort produziert und in der Nachbarschaft verbraucht werde, solle von staatlichen Umlagen befreit werden. Fittschen: “Vor Ort verbrauchter Strom benötigt keine langen Leitungen.”

Mehr Kostengerechtigkeit für den Norden

Mit dieser kaufmännischen Erkenntnis steht Fittschen nicht allein. Noch im Herbst hatten die Energieminister der norddeutschen Länder die unterschiedlichen Kosten für den Stromtransport geltend gemacht und die Einführung von unterschiedlichen Strompreiszonen gefordert. Olaf Lies (SPD), Energieminister in Niedersachsen, sagte seinerzeit der Welt am Sonntag: „Wenn ich da lebe oder produziere, wo auch die Energie produziert oder angelandet wird, muss diese Energie dort auch günstiger sein.“ Die nördlichen Bundesländer trügen seit Langem die Hauptlast der Energiewende.

Energie-Populismus in Bayern

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte darauf hin entrüstet auf den Landesfinanzausgleich verwiesen. Bayern habe im Vorjahr dazu neun Milliarden Euro beigesteuert. Wir zahlen circa zehn Prozent der norddeutschen Haushalte”, sagte Söder. Es könne nicht sein, dass sein Land ständig angegriffen werde.

Söder verschwieg allerdings, dass im vergangenen Jahrzehnt CSU-geführte Regierungen den Ausbau der Windenergie in Bayern durch geradezu prohibitive Abstandsregeln fast zum Erliegen gebracht hatten. So wurden von Januar bis November 2022 in Bayern nur sechs neue Windkraftanlagen errichtet. In Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein wurden im gleichen Zeitraum 212 neue Windräder errichtet. Zum Vergleich: Die gesamte Einwohnerzahl der drei norddeutschen Flächenländer ist etwa ebenso hoch wie die Bayerns.

Not in my backyard

Auch den Ausbau der Überlandleitungen von Norden nach Süden hatten Bayerns Regierende wirksam ausgebremst. CSU-Politiker und auch die Vertreter der mitregierenden Freien Wähler in der aktuellen Regierung hatten über Jahre die Positionen trassenfeindlicher Bürgerinitiativen weitgehend übernommen. Die Trassen müssen deshalb teilweise zu zehnfachen Kosten unterirdisch verlegt werden. Wen stört’s in Bayern: Die Kosten werden schließlich “solidarisch” bundesweit auf die Verbraucher umgelegt. Dass norddeutsche Politiker nun für ihre Wähler kostengerechte Strompreise fordern, erstaunt angesichts des bayrischen Energiepopulismus wenig.

Mehr: Nordkurier

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