Erdkabel für Bayern-Nimbys kosten Deutschland 20 Milliarden mehr – ohne zusätzlichen Nutzen

Populistische CSU-Politiker hatten für die Erdkabel gekämpft. Bayerischen Bürgern sollte der Anblick auf Freileitungen erspart bleiben. Die Lasten tragen Verbraucher und Wirtschaft.

Stromtrassen im Abendlicht Bayern-Nimbys setzen Erdkabel durch (Foto: www.ceus-design.de)
Stromtrassen im Abendlicht Bürgerinitiativen setzten Erdkabel durch (Foto: www.ceus-design.de)

In einem Interview mit dem Handelsblatt warnte der Chef des Energiekonzerns EnBW, Georg Stamatelopoulos, kürzlich vor den Kosten der Erdverkabelung für die Nord-Süd-Trasse: “Die Erdverkabelung bei den Stromtrassen kostet uns in Summe 20 Milliarden Euro mehr – ohne zusätzlichen Nutzen.” Die Erdkabel treiben nach Meinung des EnBW-Chefs die Strompreise zwangsläufig in die Höhe. Sollten die Kosten zu sehr steigen, gefährde das die Akzeptanz der Energiewende insgesamt. Bereits ohne die Erdverkabelung müssten die Verbraucher Strompreiserhöhungen in Kauf nehmen.

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Stamatelopoulos legt mit seiner Kritik an der Erdverkabelung den Finger in eine politisch erzeugte Wunde. Denn die unterirdische Verlegung ist eine direkte Folge der populistischen Energiepolitik des bayrischen Ex-Landesvaters Horst Seehofer (CSU). Der hatte sich seinerzeit demonstrativ an die Seite fragwürdiger Bürgerinitiativen gestellt. Die Bayern-Nimbys (Nimby: not in my back yard) hielten den Anblick von oberirdischen Stromtrassen für nicht zumutbar. Und sie fürchteten um den Wert ihrer Immoblilien.

Populistische Töne

Damals, im Jahr 2014, tönte Seehofer: “Wir sind ja nicht irgendein Bundesland. Wenn es sogenannte Monstertrassen gibt, die quer durch diese schöne Landschaft führen, dann ist es meine Pflicht, so etwas zu verhindern.” Heute beklagt sich sein Nachfolger Markus Söder (CSU) über den verzögerten Ausbau der Nord-Süd-Trassen: “Wenn wir totalen Überschuss an regenerativer Energie im Norden haben, die aber nicht über Stromleitungen in den Süden kommt, dann stimmt ja das ganze System in Deutschland nicht mehr.“

Erdkabel sind teuer

Die große Koalition hatte im Jahr 2015 dem Druck aus Bayern nachgegeben und eine Vorrangregelung für Erdkabel beschlossen. Der Zwang zur unterirdischen Verlegung verlangsamte jedoch den Bau der Trassen. Oberirdische Freileitungen sind weltweit die Norm. Es gibt kaum Erfahrungen mit unterirdischen Hochspannungsleitungen. Technische Überraschungen sind deshalb nicht ausgeschlossen. Die Kosten für die Erdkabel pro Kilometer sind – abhängig von örtlichen Bedingungen – bis zu zehnmal höher als die Aufwendungen für herkömmliche Freileitungen.

Laut der Vereinigung der Bayrischen Wirtschaft (VBW) hinkt der Ausbau der Stromnetze inzwischen um 2 000 Kilometer hinter der Planung her. Der Chef der VBW, Bertram Brossardt, unterstreicht deshalb immer wieder, dass es unvermeidlich sei, dass man die Energiewende in der bayrischen Landschaft sehe – mit Photovoltaik-, mit Windenergieanlagen und mit Stromnetzen. Brossardts Credo konterkariert die Politik seiner Landesregierung geradezu: “Wer die Energiewende will, muss auch aushalten, dass sie stattfindet.” Die von Politik und Bevölkerung gewollte Energiewende könne nicht unsichtbar vollzogen werden.

Zurück, marsch, marsch!

Bertram steht mit seiner Kritik nicht allein. Seit Wochen kämpfen Netzbetreiber dafür, den Beschluss für die Erdverkabelung rückgängig zu machen. Dem hat sich ein Bündnis von Industrie, Landwirtschaft, Gewerkschaften und Verbrauchern angeschlossen. Inzwischen rudert sogar die Unionsfraktion von CDU und CSU im Bundestag zurück. Ein Antrag, der die Vorangregelung für die Erdverkabelung wieder aufheben soll, ist in Vorbereitung. Thomas Heilmann, CDU-Bundestagsabgeordneter und Bundesvorsitzender der Klima-Union: “Die Erdverkabelung ist ein milliardenschwerer Irrtum, der noch in diesem Sommer beendet werden muss.”

Die Kosten des Hin und Hers tragen Verbraucher und Wirtschaft. Populismus muss man sich leisten können. Können wir das? Für deutsche Unternehmen ist solche Politik ein Wettbewerbsnachteil. Ein Dankeschön an die CSU!

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