Smartphone mieten statt kaufen

Ob Laptop, Spielkonsole oder Smartphone – in rasendem Tempo werfen die Hersteller neue Modelle auf den Markt. Wer sie mietet statt anzuschaffen, kommt zwar nicht unbedingt billiger weg, schont aber Ressourcen und forciert die Kreislaufwirtschaft.

Smartphone und Notebook am Arbeitsplatz
Ständiger Hype ums neueste Modell Gemietetes Smartphone und Notebook sind auch für Firmen eine Alternative
Foto: Firmbee/pixabay

Deutsche Verbraucher häufen jährlich 2,5 Millionen Tonnen Elektronikschrott an – mindestens. Kaum hat man sein neuestes Smartphone nach Hause getragen, kündigt der Hersteller schon die nächste Generation an – mit angeblich noch dollerer Ausstattung. So kommt der Kaufzwang ins Rollen, gerät die Ressourcenverschwendung aus dem Sinn. Bei Kameras, Fitness-Uhren und E-Scootern dreht sich das Konsumkarusell kaum langsamer.

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Smartphone zur Wiederverwertung

Der niederländische Handy-Produzent Fairphone steuert dem Wahn mit einem Rücknahmesystem entgegen. Es soll sicher stellen, dass die vorhandenen Elektronikbauteile für neue Geräte aufbereitet werden. Hier zu Lande erheben mehrere Start-ups auf anderem Wege die Kreislaufwirtschaft zum ökologisch korrekten Geschäftsmodell: Kunden sollen die Geräte statt zu kaufen mieten und später zurück geben. Die Unternehmen überprüfen und überholen sie, und bieten sie neu zur Ausleihe an.

Motto: Langlebigkeit geht vor Wegwerfen.

Investoren zeigen sich spendierfreudig

Bereits relativ etabliert mit diesem Modell auf dem Markt ist das Berliner Start-up Grover. “Das Mieten von Technologie ist ein gesellschaftlicher Wandel”, trommelt Geschäftsführer Michael Cassau, “der die Art und Weise wie wir sie nutzen nachhaltiger gestalten wird”. Um das zu unterstreichen, erhöht er seine Kunden in einer Marketing-Kampagne zu “stolzen Mietern”. Bei einer Finanzierungsrunde haben ihm Investoren jüngst 330 Millionen Euro spendiert. Am Wortgeklingel wird es nicht gelegen haben. Wenn künftig weniger Geräte ungenutzt in den eigenen vier Wänden herumliegen, ist ein Zweck jedenfalls erfüllt (siehe Grafik unten).

Verschwendeter Ressourcen-Schatz Einer von drei Deutschen hat bis zu fünf Geräten ungenutzt daheim herum liegen
Quelle: YouGov/Grover

Immerhin umgerechnet 177 Millionen Euro konnte das ebenfalls aus Berlin stammende Unternehmen Everphone einsammeln. Die Hauptstädter fokussieren auf das Geschäft mit Firmenkunden, die ihren Beschäftigten ausgeliehene Smartphones und Tablets fürs Tagewerk an die Hand geben sollen. Um Wartung und Reparaturen kümmert sich das Start-up.

Die Neulinge sind nicht allein. Anbieter wie Get-it-easy oder der Kameraspezialist Gearflix aus Bochum haben sich ebenfalls Mietmodelle auf die Fahnen geschrieben. Zumindest Private zahlen bei der Mietoption gegenüber dem Neuerwerb in aller Regel zwar drauf, brauchen sich dafür aber keine Gedanken über die Weiterverwertung machen. Und sie können sich stets das aktuellste Modell sichern.

Wem das nicht so wichtig ist, kann – sofern er die Umwelt schonen will – zu gebrauchten Smartphones greifen. Den Beratern des unabhängigen Verbraucherportals “Finanztip” zufolge bieten die Händler Preisnachlässe von bis zu 200 Euro gegenüber Neuware. Asgoodasnew und Rebuy gewähren laut dem Portal zudem bis zu drei Jahre Garantie auf die Gebrauchten. Klingt nach einer erwägenswerten Alternative.

Mehr: Grover Finanztip Everphone

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