Vulcan Energy kauft Erdwärme-Kraftwerk von Pfalzwerken

Das australische Unternehmen übernimmt das Tiefenwärme-Kraftwerk Insheim. In Zukunft soll der Komplex nicht nur Energie, sondern auch ethisch und ökologisch sauberes Lithium liefern. Das Lithium ist in der heißen Sole enthalten, die Geothermie-Anlagen im Oberrheingraben aus mehreren tausend Meter Tiefe fördern.

Geothermiebohrung Insheim Nicht nur Energie, auch Lithium für Europas Autoindustrie (CC/Claus Ableiter)

Die Pfalzwerke trennen sich von der Geothermie, weil das Werk in Insheim geschäftlich nach neun Jahren auf keinen grünen Zweig gekommen war. Ein Grund soll gewesen sein, dass das heiße Wasser nur zur Stromerzeugung und nicht zusätzlich zur Beheizung von Wohnungen oder Büros genutzt wurde. Außerdem war die Bohrung energietechnisch weniger ergiebig als erwartet.

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Vulcan Energy hat ein grundsätzlich anderes Geschäftsmodell. Das Startup will nicht nur die Energie nutzen, sondern vor allem Lithiumhydroxid fördern. In den heißen Solen, die aus verschiedenen Bohrungen im Oberrheintal gefördert werden, ist dieser Ausgangsstoff für Lithium reichlich enthalten. Lithium ist für die Batterieherstellung ein wichtiger Rohstoff. In jedem Smartphone, jedem Klapprechner und erst recht in jedem Elektroauto ist das Leichtmettal verbaut. Für die Herstellung einer Batterie für ein E-Auto brauchen die Hersteller etwa 60 Kilogramm Lithium. Seit Jahresanfang hat sich der Preis für Lithiumkarbonat vervierfacht.

Heute stammen etwa 80 Prozent des Rohstoffes aus Chile, Argentinien und Australien. Der Abbau führt nach Ansicht von Öko-Aktivisten vielerorts zu Umweltschäden. In den Tiefen des Oberrheingrabens, so vermutet Vulcan-Gründer Horst Kreuter, steckt genügend Lithium-Rohstoff, um Deutschland auf Platz drei der Lithium-Produzenten der Welt zu katapultieren. Kreuter will das Material CO2-frei fördern. Der Strom, der aus der heißen Sole gewonnen wird, soll die Energie für die Filterung des Lithiumhxdroxid liefern und nebenher noch Energie für die Gebäudeheizung und die öffentlichen Stromnetze bereitstellen. Kreuter ist überzeugt, dass Vulcan so das Lithium günstiger anbieten könne als andere. Die bereits vorhandenen Bohrungen im Oberrheintal und die vorliegenden geologischen Studien senken die Kosten zusätzlich.

Deutschland als Rohstoff-Land

Immerhin enthalten die pfälzischen, badischen oder elsässischen Solen bis zu 25 Prozent der Lithium-Konzentration chilenischer Salinen. Die Vorkommen zwischen Mainz und Basel könnten nach Schätzungen von Geologen für die Ausstattung von 400 Millionen Antriebsbatterien reichen. Deshalb will die Aussie-Company in der ersten Ausbaustufe schon ab 2024 rund 15 000 Tonnen Lithiumhydroxid gewinnen. Ab 2025 will Vulcan pro Jahr sogar rund 40 000 Tonnen fördern.

Um den Absatz machen sich Kreuter und seine Mitstreiter wenig wenig Sorgen. Die europäische Autoindustrie sitzt vor der Tür. Erst vor zwei Wochen hat der Autokonzern Stellantis verbindlich die Abnahme von bis zu 99 000 Tonnen, verteilt über fünf Jahre ab 2026, zugesagt. Und eine Woche davor hatte Konkurrent Renault eine Vereinbarung über bis zu 32 000 Tonnen, ebenfalls ab 2026 verteilt über sechs Jahre, bestätigt.

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