Investor will 3800 Kilometer langes Seekabel von Marokko bis nach Großbritannien verlegen

Dafür wird in der schottischen Hafenstadt Hunterston eigens eine Kabelfabrik gebaut. Das Kabel soll Strom von gigantischen Solar- und Windanlagen in Nordafrika nach Südengland bringen.

Seekabel Kaum Genehmigungsprozesse, keine Bürgerinitiativen wegen Hochspannungsmasten (XLCC)

Dies gab der englische Kabelhersteller XLCC bekannt. Hinter dem Plan steht vor allem der britische Investor Simon Morrish, CEO des Umwelt-Dienstleisters Ground Control. Heute ist der ehemalige McKinsey-Berater, Oxford- und Harvard-Absolvent zusätzlich CEO der Projektgesellschaft Xlinks und Chef des Kabelbauers XLCC. Mit im Boot sind auch die australischen Milliardäre Andrew Forrest und Mike Cannon-Brookes

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Das Vorhaben ist gigantisch. Das Werk in Schottland soll in den kommenden fünf Jahren 90 000 Tonnen Stahl für das Kabel verarbeiten. Die weltweite Kabelproduktion wird sich damit verdoppeln. Größtenteils verlaufen die Kabel unter Wasser, bis zu Tiefen von 700 Metern. Die 1,8 Gigawatt-Gleichstromtrasse wird die längste Stromleitung im Meer sein. 21,9 Milliarden Dollar kostet das Projekt. Das Zwillingskabel wird in Alversiscott im südwestenglischen Devon anlanden. Es soll nach fertigem Ausbau acht Prozent des gesamten Stromverbrauchs im Vereinigten Königreich liefern, Jahr für Jahr 26 Terawattstunden.

Im Süden Marokkos will Moorish dazu ein Zehn-Gigawatt-Solarkraftwerk errichten. Die Zusage von marokkanischen Regierungsstellen für eine Landreserve von 150 000 Hektar hat er bereits erhalten. Auf dem Gelände werden aber auch Windturbinen und ein Batteriepuffer von 20 Gigawattstunden untergebracht. Etwa 10 000 Arbeitsplätze entstehen in der Region. Auch nach Fertigstellung soll das Projekt 2 000 Menschen Arbeit geben.

Warum Marokko?

Solarpaneele produzieren dort auf gleicher Fläche in den kritischen Wintermonaten bis zu fünfmal so viel Strom wie in England, über das ganze Jahr dreimal so viel. Selbst in Spanien fällt die Sonnenernte bei gleicher Fläche ein Fünftel geringer aus. Sogar im Winter scheint die Sonne am geplanten Standort im Durchschnitt zehn Stunden täglich.

Marokko gilt darüber hinaus als windreiches Land. Weil das Land über weite unfruchtbare und kaum bewohnte Gegenden verfügt, fällt der enorme Landbedarf des Projektes nicht ins Gewicht. Hinzu kommt, dass Marokko inzwischen hinreichend über Erfahrungen mit dem Betrieb von Solar- und Windparks verfügt. Seit 2016 ist Noor, der zweitgrößte Solarpark der Welt, im Betrieb. Inzwischen liefert die Anlage Strom für 1,2 Millionen Haushalte. Heute schon kommt ein Drittel des marokkanischen Stroms aus nachhaltigen Quellen. Bis 2030 soll der Anteil auf 52 Prozent steigen.

Günstiger als Atomstrom

Solar- und Windstrom aus Marokko ist unschlagbar billig. Die Produktion in Marokko kostet nicht viel mehr als ein Cent pro Kilowatt. Der Transport nach England und die Verluste von etwa 13 Prozent in der Leitung steigern die Kosten zwar auf umgerechnet etwa sechs Eurocent. Doch selbst dann ist der Strom aus Nordafrika nur halb so teuer wie der Strom aus dem Atomkraftwerk Kinkley Point C. Die Kosten für britischen Offshore-Strom liegen etwa gleich. Allerdings ist die Gefahr von Dunkelflauten für den Strom aus Nordafrika wesentlich geringer.

Desertec scheiterte

Die Idee, die günstigen nachhaltigen Energien aus den Wüstenregionen auch für Europa anzuzapfen, ist nicht neu. Schon Anfang des Jahrtausends gab es den Plan für das Projekt Desertec. Doch dann scheiterte Desertec an politischen Hürden. Es gelang dem vorwiegend deutschen Konsortium nicht, den beiderseitigen Nutzen zu kommunizieren.

Mehr: Le 360.ma

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