9-Euro-Ticket legt Versäumnisse im Nahverkehr der vergangenen Jahrzehnte schonungslos offen

Während Fahrgäste wegen Überfüllung nicht mitgenommen werden, warten Käufer des 9-Euro-Tickets auf dem Lande vergeblich auf Bus und Bahn. Kritiker sprechen bereits von einem Placebo, das von der Vernachlässung des Nahverkehrs durch die CSU seit Jahrzehnten ablenkt.

Regionalexpress der Deutschen Bahn: Guter Takt auf der Rhein-Schiene, Leerstellen in entlegenen Landstrichen (Foto: Erich Westendarp / pixabay)

Der Landkreis Mittelsachsen nahe der deutsch-tschechischen Grenze ist typisch für entlegene Landstriche in Deutschland. Wer von Sayda nach Rechenberg-Bienenmühle mit dem Bus will, schafft das allenfalls an Werktagen. An Sonn- und Feiertagen fühlen sich die Menschen ohne eigenen fahrbaren Untersatz aufgeschmissen. Entsprechend negativ fällt das Urteil der Bewohner ländlicher Regionen über das 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr aus, das die Bundesregierung auf Druck der Grünen für die Monate Juni bis August beschlossen hat, um die Benzinrechnung der Bundesbürger durch den Umstieg auf Bus und Bahn nicht weiter steigen zu lassen.

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38 Prozent halten nichts vom Neun-Euro-Ticket

Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der E.On-Stiftung ist die deutsche Bevölkerung gegenüber dem Einfall der Grünen, die diesen im Gegenzug zu ihrer Zustimmung zum Tankrabatt der FDP realisieren konnten, gespalten: 38 Prozent der Bundesbürger sehen das 9-Euro-Ticket negativ, nur wenig mehr, 43 Prozent, empfinden es als positiv. Am größten ist die Ablehnung in strukturschwachen und dünn besiedelten Regionen wie der Mecklenburgische Seenplatte, Ostfriesland oder Teilen von Franken. In Metropolen wie Hamburg und Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet liegt die Zustimmung bei über 50 Prozent.

Jahrzehntelang kaputtgespart

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) verspottet das Geschenk der FDP an die Grünen, die damit ihr großstädtisches Wählermillieu erfreuen können, “angesichts nichtexistierender” oder nur einzelner Busverbindungen auf dem Lande als “Placebo-Angebot”. Wichtiger wäre die Zusage von Milliarden-Investitionen in den Regionalverkehr, so DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch mit Blick auf den widerspenstigen Bundesverkehrsminister Volker Wissing von der FDP: “Der Bundesverkehrsminister muss die Kommunen und Länder finanziell unterstützen, den jahrzehntelang kaputtgesparten ÖPNV wieder auf die richtige Spur zu bringen.” Wissings drei Vorgänger, der gescheiterte CSU-Politiker Andreas Scheuer sowie seine Parteifreunde Alexander Dobrindt und Peter Ramsauer, hatten in den vergangenen zwölf Jahren alles unternommen, um den Individualverkehr zu bevorzugen und Mittel für die Bahn laut Bundesrechnungshof für die Straße abzuzweigen.

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