Aus Stroh und Gülle wird CO2-freier Kraftstoff

Luft- und Schifffahrt sowie der Fernlastverkehr brauchen eine Alternative zum Strom aus schweren Batterien. Neue Techniken streben die Erzeugung von Kraftstoff aus landwirtschaftlichen Abfällen wie Stroh und Gülle an.

oppel-Ernte Stroh und Gülle sind Ausgangsstoff für CO2-freien Kraftstoff (angieconscious/Pixelio.de)
Doppel-Ernte Stroh und Gülle sind Ausgangsstoff für CO2-freien Kraftstoff (angieconscious/Pixelio.de)

Die herkömmliche Biogas-Erzeugung ist für nasse Stoffe wie Gülle und proteinarme Biomasse wie Stroh nur bedingt geeignet. Große Anteile stammen daher aus dem dafür eigens betriebenen Maisanbau. Der jedoch ist ökologisch umstritten. Hinzu kommt, dass das Endprodukt wegen seines gasförmigen Aggregatzustandes nicht immer der ideale Treibstoff ist.

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HTL heißt daher das Zauberkürzel. Die hydrothermale Verflüssigung (hydrothermal liquefaction) ist ein entwicklungfähiges Bioraffinerie-Konzept, das Biomasse in einen flüssigen Teer mit ähnlichen Eigenschaften wie Rohöl verwandelt. HTL-Anlagen arbeiten dabei mit Temperaturen bis zu 370 Grad und Druckstärken zwischen 100 und 250 bar. Die hohen Temperaturen und Drücke wandeln die langen organischen Molekülketten zu kleineren, reaktiveren Molekülen. Diese kurzen Molekülketten setzen sich im weiteren Prozess zu komplexen, öligen Verbindungen mit höherer Energiedichte zusammen. In den Schritten danach wird das so gewonne HTL-Biorohöl durch Behandlung mit Wasserstoff bei hoher Temperatur und hohem Druck zu Kraftstoffen für Schiffs-, Düsenantriebe oder Automotoren umgewandelt.

Auch Laub und Algen

Für die HTL-Technik spricht die größere Bandbreite bei den Ausgangsprodukten. HTL-Anlagen akzeptieren nasse Stoffe und eine Vielzahl organischer Abfälle wie Laub, Stroh oder Algen, die für die klassische Biogasproduktion nur bedingt geeignet sind. Die Frage nach “Tank oder Teller”, die immer wieder in Zusammenhang mit dem Maisanbau für die Biogasproduktion gestellt wird, spielt kaum eine Rolle. Hinzu kommt die bessere Ausnutzung der eingesetzten Biomasse.

Auch für die Nebenprodukte gibt es Märkte. Vor allem fällt Methanol an. Die Flüssigkeit kann als Schiffskraftstoff oder als erneuerbare Grundchemikalie genutzt werden. Als Feststoffe fallen sogenannte Biokohlen an. Diese können in der Landwirtschaft zur Düngung verwendet werden. Damit würde ein weiterer Teil des Kohlendioxids gebunden. Denkbar ist sogar eine negative CO2-Bilanz.

EU will Marktreife

Marktreif ist die HTL-Technik allerdings noch nicht. Doch gibt es schon mehrere HTL-Pilotanlagen, die durchgehend arbeiten. Vor allem das EU-Projekt CIRCULAIR testet seit Jahren die Möglichkeiten zur kommerziellen Nutzung aus. Beteiligt sind an dem Großvorhaben unter anderem die Universität Hohenheim, die dänische Universitäten Aalborg und Aarhus und der italienische Energieriese ENI. Koordinator ist die Denkfabrik Bauhaus Luftfahrt.

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