E-Scooter machen den Stadtverkehr klimaschonender

Auf Fuß- und Radwegen rumstehend, nerven E-Scooter. Doch würden Städter sie öfter nutzen, statt mit dem eigenen Pkw zu fahren, sänken die Emissionen merklich.

Abgestellte E-Scooter in der Stadt
Abgestellte E-Scooter Die gemeinsame Nutzung verbessert die Klimabilanz Bild: Thomas G. auf Pixabay

Bisher war es nur eine Vermutung: Teilen sich Städter zum Mieten bereit gestellte E-Scooter und E-Bikes, mindert das den Ausstoß des Klimakillers Kohlendioxid (CO2) in den urbanen Zentren. Auch der Umfang war unklar. Jetzt bestätigt eine Studie von Fraunhofer-Forschern im Auftrag des Verleihers Lime die klimaschonende Wirkung solcher Mikro-Mobilitätsdienste. Es gebe einen klaren messbaren “Nettoeffekt”, schreiben die Autoren. Im Klartext: Die Angebote tragen zu mehr Klimaschutz im Verkehr bei.

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E-Scooter mit positivem Netto-Effekt

Sechs Städte in Europa, Australien und den USA nahmen die Wissenschaftler für ihre Analyse unter die Lupe. Und bis auf einen Ausreißer zeigte sich überall das gleiche Bild: Die Emissionen je zurückgelegtem Kilometer sinken bei gemeinschaftlicher Nutzung eines E-Scooters merklich. Am stärksten mit 42,4 Gramm je Person in Melbourne. Düsseldorf kommt auf 22,1 Gramm, Berlin auf 14,8 Gramm (siehe Grafik unten).

Positiv fürs Klima Eingesparte CO2-Emission je Person und Kilometer durch die gemeinsame Nutzung von E-Scootern Quelle: Fraunhofer ISI

Retten werden die Teiledienste das Klima alleine nicht. Dazu ist ihr Anteil am weltweiten Mobilitäts- und Transportsektor zu klein. Dessen Ausstoß an Treibhausgasen kletterte vergangenes Jahr um acht Prozent, obwohl er bis 2030 um 20 Prozent sinken müsste, um den Planeten auf den 1,5-Grad-Pfad zu manövrieren. Auch Deutschland bleibt beim Verkehr weit hinter seinen Klimazielen zurück.

Berlin richtet Mobilitäts-Drehkreuze ein

Dennoch seien die Nachhaltigkeits-Gewinne nicht zu verachten, findet Fraunhofer-Projektleiter Claus Doll. Sie ließen sich noch erhöhen, wenn die Scooter und Bikes langlebiger würden und sie besser mit anderen öffentlichen Verkehrsmitteln verknüpft würden.

Ein Vorbild könnte Berlin werden. Die dortigen Verkehrsbetriebe richten gerade gemeinsam mit der Deutschen Bahn rund um den Bahnhof Zoo drei weitere Mobilitäts-Drehkreuze ein. Reisende und Umsteiger finden dort ohne langes Suche ein Mietrad oder -roller für die Weiterfahrt. Neben der einfachen Ausleihe ist Berlins Verkehrssenatorin Bettina Jarasch ein zweites Anliegen wichtig: “Wir schaffen definierte Abstellflächen, um die Gehwege frei von herumstehenden E-Tretrollern zu bekommen.” Insgesamt will Jarasch bis Ende 2023 weitere 150 solcher Stationen einrichten.

Es drohen neue Fahrverbote für Diesel

Die alternative elektrische Fortbewegung könnte für Dieselfahrer schon bald akut werden. Denn die EU-Kommission plant, den Grenzwert von Feinstaub von 40 auf 20 Mikrogramm je Kubikmeter Luft zu halbieren. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hält sogar zehn Mikrogramm für angebracht. Tritt die EU-Richtlinie in Kraft, drohen Dieselfahrern nach Ansicht von Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Fahrverbote. Der Grund: Kaum eine Stadt würde den neuen Grenzwert nach gegenwärtigem Stand einhalten.

Daimler-Truck-Vorständin Karin Rådström vor einem Elektro-Laster des Konzerns
Daimler-Truck-Vorständin Karin Rådström Dringender Ruf nach mehr Ladesäulen für elektrische Nutzfahrzeuge
Bild: Daimler Truck AG

Das ist nicht die einzige Baustelle bei der Transformation zu einer grünen Mobilität. Eine andere hat Daimler-Truck-Vorständin Karin Rådström ausgemacht, Lkw-Chefin für Europa und Lateinamerika. Sie vermisst einen Plan der EU, eine zuverlässige Lade-Infrastruktur für Elektrolaster aufzubauen, wie sie der Konzern neuerdings im Sortiment hat. “Das geht viel zu langsam”, kritisiert Rådström.

Forderung nach einer zuverlässigen Lade-Infrastruktur für E-Laster

Sie fordert, nicht immer nur in die Zukunft zu denken, sondern solche Projekte jetzt entschieden anzupacken. “Es ist eigentlich gar nicht so schwierig, unseren gesamten Sektor zu dekarbonisieren, wenn man bereit ist zu investieren”, fordert die Managerin mehr Mut seitens der Politik ein.

Interessant zu sehen, wenn die Industrie auf einmal die Politik antreibt und nicht umgekehrt.

Mehr: isi electrive ksta infranken

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