Energie aus Bioabfall könnte ein Viertel aller Wohnungen beheizen

In Deutschland landen fast zwei Drittel aller Bioabfälle im Kompost oder werden als Restmüll verbrannt. Würden sie energetisch genutzt, könnte damit der jährliche Strombedarf von rund einer Million Vier-Personenhaushalte gedeckt werden.

Gasanlage Nur ein Drittel des Biogases wird genutzt (Pixabay)

Zurzeit erzeugen in Deutschland rund 400 Bioabfall-Vergärungsanlagen rund 350 Megawattstunden Energie. Das entspricht etwa sechs Prozent der Leistung des gesamten Biogasanlagenparks. Die meisten Bioanlagen erzeugen Gas durch die Vergärung eigens dafür angebauter Pflanzen wie Mais oder Raps. Doch diese Praxis ist umstritten. Denn die sogenannten Energiepflanzen verbrauchen Ackerfläche, die dem Nahrungsmittelanbau verloren geht. Meist handelt es sich um Monokulturen, die reichlich Wasser und Dünger brauchen und die Böden auslaugen. Sie tragen weder zur Vielfalt der Landschaft noch zur Erhaltung von Arten bei. Für die Bauern ist der Anbau der Energiepflanzen und die Erzeugung von Biogas und Strom aus Biogas jedoch oft lohnender als die Produktion von Nahrungsmitteln.

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Die Verwendung von Bioabfällen wie Laub und anderes Grüngut, von Speiseresten oder vergammelten Lebensmitteln ist folglich wesentlich nachhaltiger. Heute stammen die Ausgasstoffe für die Bioabfall-Gasanlagen im wesentlichen aus gewerblichen Abfällen, Grüngut aus Parks und Gärten sowie Biogut. Mit knapp sechs Millionen Tonnen macht das Grüngut laut Fachverband Biogas den größten Anteil aus. Rund 4,5 Millionen Tonnen Biogut stammen aus den Braunen Tonnen. Dazu kommen rund vier Millionen Tonnen gewerbliche Abfälle wie Speisereste oder abgelaufenen Lebensmittel.

Doch nur knapp die Hälfte der erfassten Bioabfälle landen in Biogasanlagen. Der andere Teil wird Kompost. Darüber hinaus gelangen vier Millionen Tonnen in den Restmüll und werden aufwendig entsorgt. Hinzu kommen etwa eine halbe Million Tonnen Bioabfälle, die wegen Verunreinigungen in der Biotonne nicht vergoren werden.

Vergeudetes Potential

„In der Summe werden aktuell rund 4,5 Mio. Tonnen potenziell vergärbare Bioabfälle energetisch nicht genutzt“, beklagt der Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Biogas, Claudius da Costa Gomez. Aus dieser Menge ließen sich über eine Mio. Megawattstunden Strom erzeugen, was den Bedarf von circa 360.000 Vier-Personen-Haushalten decken könnte. Mehr noch: Am Ende das Gärprozesses entstehen hochwertige Komposte. Sie könnten Kunstdünger ersetzen uns so einen zusätzlichen Beitrag zum Klimaschutz erbringen.

Jede vierte Wohnung

Nimmt man den gesamte Menge an Bioabfällen von 14,5 Millionen Tonnen, könnte die Energieerzeugung sogar verdreifacht werden. Landwirtschaftliche Reste wie Gülle oder Stroh sowie Kommunalschlämme aus den Klärwerken sind in dieser Rechnung nicht einmal enthalten. Aus 14,5 Millionen Tonnen Abfall könnten theoretisch drei Millionen Megawattstunden Energie erzeugt werden. Das reicht aus, um den Stromverbrauch rund einer Million Vier-Personen-Haushalte zu decken. Weitere Berechnungen stellte die Umweltinitiative “Das bessere Müllkonzept Bayern” an. Danach könnten bei konsequenter Nutzung der Bioabfälle im Freistaat mit der Energie aus den Blockheizkraftwerken der Biogasanlagen ein Viertel der bayerischen Wohngebäude beheizt werden.

„Über die flächendeckende Einführung der Biotonne, sauberes und konsequentes Trennen und den Zubau an Biogasanlagen ließe sich mittel- bis langfristig sehr viel zusätzliche klimaneutrale und regionale Energie erzeugen – ohne dass hierfür Energiepflanzen angebaut werden müssten“, betont da Costa Gomez. Allerdings ist der Neubau von Biogasanlagen mit vielerlei bürokratischen und genehmigungstechnischen Hürden verbunden. Vom ersten Antrag bis zur fertigen Anlage vergehen in der Regel zwei bis drei Jahre.

Mehr: Fachverband Biogas

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