In den Polarregionen ist es warm wie nie

Rückt die Klimakatastrophe schneller näher als gedacht? Wissenschaftler sind jedenfalls alarmiert: Die Polarregionen erwärmen sich in dramatischem Ausmaß.

Eisschmelze in den Polarregionen
Bedrohliche Eisschmelze In den Polarregionen liegen die Temperaturen um bis zu 40 Grad Celsius höher als normal
Foto: suju-foto auf Pixabay

Walt Meier, Forscher am Nationalen Schnee- und Eis-Datenzentrum (NSIDC) im US-Bundesstaat Colorado, zeigt sich tief beunruhigt. “Wow!”, ruft er aus. “Das ist wirklich erstaunlich.” Obwohl in der Arktis gerade Winter und in der Antarktis Sommer war, kletterten die Temperaturen in beiden Polarregionen zeitgleich auf Rekordwerte. Am Nordpol war es 30 Grad Celsius wärmer als im langjährigen Durchschnitt; am Südpol sogar 40 Grad Celsius.

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Das Klima in den Polarregionen gerät aus den Fugen

Es ist ein neues Klimaphänomen, dass beide Regionen sich trotz entgegen gesetzter Jahreszeiten gleichzeitig über alle Maße erhitzen, am Nordpol fast bis zum Schmelzpunkt des Eises. Und womöglich ein weiteres Menetekel, wie schnell das Klima aus den Fugen gerät. “Das ist kein gutes Zeichen”, sagt Matthew Lazzara, Metereologe an der Universität Wisconsin. “Es ist dramatisch.”

Die Arktis erwärmt sich schon länger drei Mal schneller als alle anderen Erdregionen. Ein Effekt: Im Winter wächst die Eisfläche nurmehr langsam. Dieses Jahr war die Ausdehnung die zehngeringste seit Beginn der Messungen. Das ergaben die Auswertungen von Satellitenbildern des NSIDC.

Ein riesiger atmosphärischer Fluss pumpt warme Luft Richtung Antarktis

Die Antarktis blieb vom Temperaturanstieg lange relativ verschont. Das ändert sich nun anscheinend. Die Eisfläche am Südpol schmolz diesen Sommer auf ein Rekordtief von 1,9 Millionen Quadratkilometer – und damit auf ein Sechstel der üblichen Ausdehnung. Forscher Meier vermutet “einen riesigen atmosphärischen Fluss” hinter der Entwicklung: Er pumpe warme und feuchte Luft aus dem Südpazifik Richtung Antarktis.

Deutschland läuft Gefahr auszutrocknen

Auch wenn der Ukraine-Krieg derzeit alles in den Hintergrund drängt: Mit der Erderhitzung rollt das nächste Desaster auf die Menschheit zu. Als UN-Generalsekretär António Guterres kürzlich den neuesten Bericht zum globalen Klimawandel vorstellte, warnte er fast schon verzweifelt. “Ein weiteres Aufschieben von Klimaschutz bedeutet den Tod.”

Auch vor Deutschland macht der Schrecken nicht halt. Gelingt es nicht, den Temperaturanstieg zumindest abzuschwächen, drohen Böden und Gewässer auszutrocknen. Mit verheerenden Folgen nicht nur für die Landwirtschaft.

Mehr: ap nsidc

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