Kann Akku-Recycling den Rohstoffmangel wirklich mindern?

Akku-Recycling soll bis zum Jahr 2027 die Hälfte des Lithiums alter Batterien zurück gewinnen. So wollen es der EU-Rat und das EU-Parlament. Experten halten die Pläne für zu ehrgeizig.

Akku-Recycling
Akku-Recycling bei Volkswagen Wiedergewinnung kann Rohstofflücke nicht füllen (Foto: Volkswagen)

Die geplanten Gesetzespakete haben es in sich. Bis zum Jahre 2031 sollen sogar 80 Prozent des Lithiums von Altbatterien rückgewonnen werden. In Neubatterien soll mindestens 16 Prozent des Kobalts, sechs Prozent des Nickels und 85 Prozent des verwendeten Bleis aus wiedergewonnen Materialien stammen. Anfang Dezember vergangenen Jahres hatten der Europäische Rat und das Europäische Parlament ihre Ziele für das Akku-Recycling angekündigt. Ab 2024 treten die Gesetze nach und nach in Kraft. Die noch geltende Batterie-Direktive aus dem Jahre 2006 wird damit hinfällig.

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Altbatterien auf den Sondermüll – das war einmal. Selbst kleine tragbare Akkus sollen als heimische Rohstoffmine genutzt werden. Bis Ende des Jahres 2027 sollen 63 Prozent dieser Akkus nach Gebrauch in der Rückgewinnung landen. Drei Jahre später soll die Quote auf 73 Prozent steigen. Die Quote für Fahrzeugbatterien wird bis dahin auf 61 Prozent angehoben.

Nicht genug Schrott

Experten aus der Abfallindustrie schätzen die EU-Ziele als zu ambitioniert ein. Farid Ahmed, Vizepräsident für globale Strategie und Geschäftsentwicklung bei ACE Green Recycling, schließt nicht aus, dass die EU-Gremien ihre Vorstellungen “neu kalibrieren” müssen. Die Quoten seien vernünftig, aber nicht wirklichkeitsgerecht. Es komme einfach nicht genug Schrott zurück, teilte Ahmed dem Fachdienst Fastmarkets mit. Selbst wenn jede Batterie mit hoher Verwertungsrate recycelt würde, reiche die Menge an Schrott nicht aus.

Für die Annahme des Managers spricht einiges. Im vergangenen Jahr recycelte die Abfallindustrie weltweit Metallmengen aus Altakkus, die für die Produktion von Neubatterien mit einer Kapazität von 52 Gigawattstunden reichten. In den kommenden vier Jahren soll diese Kapazität auf 162 Gigawattstunden anwachsen.

Hohe Lebensdauer verschärft Knappheit

Das genügt bei Weitem nicht, um die künftige Nachfrage zu decken. Fachleute rechnen damit, dass innerhalb der kommenden vier Jahre der globale Bedarf an Rostoffen für die Akku-Industrie auf eine Kapazität von 2 666 Gigawattstunden Jahr 2027 anwächst. Recycling kann folglich nur sechs Prozent des Verbrauchs decken.

Verschärft werde die Knappheit an Materialien aus Altakkus durch die zunehmende Lebensdauer der Antriebsatterien für E-Autos. Dies ist die Einschätzung des Kobaltproduzenten Eurasion Resources Group. Hinzu kämen unterentwickelte Sammelsysteme, Sicherheitsprobleme und lückenhafte gesetzliche Regelungen.

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