Kommt jetzt das Ende der romantischen Klima- und Menschenkiller?

Sie sind beliebt im grün-linken Bürgermilieu. Aber auch die ärmere Landbevölkerung nutzt sie, um die Heizrechnung zu senken. Kein Wunder, dass es politisch als unanständig gilt, die Wahrheit über Kamine und Holzöfen zu sagen. Doch es wird zunehmend schwieriger, die tödlichen Tatsachen zu leugnen.

Romantisches Kaminfeuer Beliebt bei der Öko-Bourgeoisie (Wandersmann/Pixelio)

Der Wind dreht sich. Bis vor Kurzem galten Dieselautos als die Gesundheitsgefahr schlechthin. Doch belegen die jüngsten Zahlen des Bundesumweltamtes, dass der Diesel nicht mehr der Hauptfeind der Umwelt- und Gesundheitsschützer ist. Wurden im Jahr 2011 bei über 40 Prozent der innerstädtischen Messstellen in Deutschland die EU-Schwellenwerte für Feinstaubbelastung überschritten, so gab es im vergangen Jahr keinen einzigen Fall mehr. Das war allerdings seit Jahren zu erwarten, weil neuere, umweltfreundlichere Fahrzeuge ältere Stinkdiesel ersetzen.

Der Feinstaubfeind steht inzwischen woanders. Nicht so sehr der Diesel des kleinen Handwerkers oder Pendlers verpestet die Umwelt, sondern vor allem die gemütlichen Kamine von städtischen Wohlhabenden und die Holzöfen der ärmeren Landbevölkerung. Das legt die Aussage von Dirk Messner bei der Vorstellung des aktuellen Luftreinhalteberichts in der vergangenen Woche nahe. Der Präsident des Bundesumweltamtes rät, “dass wir zukünftig darauf verzichten sollten, Holz zu verheizen.” Denn aus den Kaminöfen komme inzwischen mehr Feinstaub als aus den Auspuffrohren der Autos.

Über dreitausendmal mehr Feinstaub

Neu ist das nicht. Schon vor vielen Jahren konnte jeder Interessierte nicht nur internationalen Fachzeitschriften nachlesen wie gesundheitsschädlich die Holzverbrennung ist. So erschien im Wochenblatt “Die Zeit” bereits vor 16 Jahren ein mehrseitiger Artikel mit dem Titel “Das Ende der Gemütlichkeit”. Eine Graphik zeigte: Wer Holz im gemütlichen Kaminofen verbrennt, schickt bei gleicher Heizleistung 3500 mal so viele Feinstaubpartikel in Luft wie Betreiber von Gasheizungen. Anders gesprochen: Ein einzelner Holzofenbetreiber, der in einer Kleinstadt lebt, verschmutzt die Luft mehr als die restlichen 3000 Gasheizungen seines Städtchens.

Diese Zahl gilt aber nur für sorgfältig getrocknetes Holz bei optimaler Verbrennung. In der Regel ist Ofenholz unzureichend getrocknet und wird so gut wie nie optimal verheizt. Doch selbst moderne Pelletöfen emittieren über vierzigmal mehr Feinstaub als ein Erdgastherm. Im Alltagsbetrieb kommen nach Angaben des Forschungsverbundes “be real” doppelt oder dreifach höhere Werte zustande als von den Herstellern der Öfen angegeben.

40 000 Tote

Laut europäischer Umweltagentur kommt es allein in Deutschland zu 54 000 vorzeitigen Todesfällen durch Feinstaubbelastung. Die Mehrheit davon dürfte auf das Konto des Feinstaubausstoßes der etwa elf Millionen privaten Kleinfeuerstätten im Lande gehen. Die britische Forschungsstelle IPPR (Institute for Public Policy Research) geht für das Vereinigte Königreich von 40 000 Toten infolge von häuslicher Feststoffverbrennung aus.

Was die Betreiber der Kamine und Holzöfen in der Regel nicht wissen: In ihren Wohnungen kann die Belastung bis zu 200 000 Feinstaubpartikel betragen. Das ist zwanzigmal mehr als an einer stark befahrenen Straße. Ofen- und Kamin-LiebhaberInnen sind nach wissenschaftlichen Untersuchungen signifikant verstärkt von Brustkrebs und Demenz bedroht.

Angst vor Gelbwesten

Ob die Ampelkoalition dem Rat des Bundesumweltamt-Präsidenten folgt, ist trotz der vorliegenden Studien fraglich. Noch immer werden Holzheizungen öffentlich gefördert. Dabei wäre ein generelles Verbot die angemessene Politik. Doch in den Ampel-Vereinbarungen findet sich nichts dergleichen. Verständlich: Eine Einschränkung oder gar ein Verbot der Holzverbrennung in Öfen und Kaminen dürfte weder den FDP-Wählern aus der Anwalts- oder Apothekerszene gefallen, noch den Öko-Bürgern der Grünen. In diesem Milieu gehört das knisternde Holzfeuer zur morbiden Klassenästhetik. Aber auch die SPD wird sich hüten, Oma Solowski aus Gelsenkirchen oder den kleinen Leuten vom Land zu verbieten, die explodierenden Heizkosten durch das Verbrennen von Abfallholz zu senken. Die Erinnerungen an den Gelbwesten-Aufstand in Frankreich sind noch zu frisch.

Im Übrigen: Mit der angeblichen Klimaneutralität des Holzfeuers ist es nicht nicht weit her. Um die Kohlenstoffbilanz eines ausgewachsenen gefällten Baumes wieder herzustellen, bedarf es mindestens 80 Jahre. So lange braucht es, bis aus einem kleinen Setzling ein mächtiger Baum geworden ist. Doch so lange wartet der Klimawandel nicht.

Mehr: TAZ

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